unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
6

Zeitgemäßer Priester und Mann der Tat#

Der Gründer der Salesianerbewegung, Johannes Bosco, wurde vor 200 Jahren geboren. Er setzte sich für sozial Schwache ein und hatte ein großes Herz für junge Menschen.#


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von DIE FURCHE (Donnerstag 13. August 2015)

Von

Markus Andorf


Don Bosco Am 16. August 1815 wurde Giovanni Melchiorre Bosco im piemontesischen Castelnuovo geboren, am 31. Jänner 1888 starb er in Turin
Don Bosco Am 16. August 1815 wurde Giovanni Melchiorre Bosco im piemontesischen Castelnuovo geboren, am 31. Jänner 1888 starb er in Turin.
Foto: Shutterstock

Bis heute lassen sich junge Menschen von Johannes Bosco begeistern. Beinahe auf den Tag genau zum 200. Geburtstag des Ordensgründers wird der 26-jährige Peter Rinderer am 22. August seine ewige Profess als Salesianer ablegen. Das heißt: für immer nach dem Vorbild eines Priesters leben, der im 19. Jahrhundert gewirkt hat. „Don Bosco war ein Mann der Tat. Er hat ein neues Bild vom katholischen Pries ter geprägt. Von ihm kann die Kirche heute viel lernen.“ Rinderer verweist außerdem auf Papst Franziskus: „Der Papst sagt, dass die Kirche auf die Ränder schauen und dorthin gehen soll. Das war und ist auch der Auftrag Don Boscos. Er war der Anwalt der sozial Schwachen. Sein Charisma ist in einer Zeit großer Jugendnot und ansteigender Jugendarbeitslosigkeit sehr aktuell.“

Präventiv statt repressiv #

Don Bosco lebte in einer Zeit, in der Italien mit vielen sozialen Problemen zu kämpfen hatte. Viele Kinder und Jugendliche kamen Mitte des 19. Jahrhunderts ohne ihre Eltern nach Turin. Die Industrialisierung hatte begonnen; sie suchten in der Stadt nach Arbeit und landeten oft im Elend. Don Bosco hat den Kontakt zu diesen jungen Menschen nicht gescheut: „Ich habe Gott versprochen, bis zum letzten Atemzug für euch da zu sein“, soll er zu ihnen gesagt haben.

Bosco war es nicht nur wichtig, mit den Jugendlichen zu reden. Er förderte sie und bot ihnen neue Möglichkeiten. „Don Bosco wird Vater und Lehrer der Jugend genannt. Er hat seine Liebe zu den jungen Menschen konkret werden lassen, indem er Spiel-, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für sie geschaffen hat“, so Sr. Maria Maul, Provinzialoberin der Don-Bosco-Schwestern in der österreichisch-deutschen Provinz: „Ihn hat das biblische Bild vom guten Hirten inspiriert.“

200 Jahre nach Don Boscos Geburt im norditalienischen Piemont wird in Salesianerschulen noch immer weltweit nach dessen pädagogischen Richtlinien unterrichtet. Er forcierte ein sogenanntes „sistema preventivo“, ein Präventivsystem, im Gegensatz zu repressiven Erziehungsmethoden: „Statt auf Strafen setzte er auf das Vertrauen zwischen Erziehern und jungen Menschen, auf eine familiäre Atmosphäre in seinen Häusern, auf kreative Betätigung in Form von Festen, Theater, Sport und Musik.“ So beschreibt Sr. Maria Maul Don Boscos erzieherischen Stil mit den drei Hauptpfeilern Vernunft, Religion und Liebenswürdigkeit: „Bei Don Bosco fließen Pädagogik und Spiritualität ineinander.“ Johannes Bosco gründete mehrere Gemeinschaften, die sich in den letzten fast 150 Jahren weltweit verbreitet haben. Die bekanntesten sind der Männerorden der Salesianer Don Boscos und der Frauenorden der Don-Bosco- Schwestern. Salesianer versuchen nach dem Charisma ihres Gründervaters zu leben und engagieren sich in unterschiedlichen sozialen Bereichen.

Mit dem „Don Bosco Flüchtlingswerk“ wollen Salesianer, Don-Bosco-Schwestern und das internationale Hilfswerk „Jugend Eine Welt“ Menschen helfen: „Wir wollen Flüchtlingen ein Zuhause auf Zeit und sozialpädagogische Begleitung im Geiste Don Boscos bieten, damit ihr Leben in ihrer besonders prekären Situation gelingen kann“, so Sr. Maria Maul, die sich gerne ein Beispiel an ihrem Vorbild nimmt: „Don Bosco wäre mittendrin unter all jenen, die sich haupt- und ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Er würde sich persönlich vor allem für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge einsetzen und seine Stimme für sie erheben – ganz so, wie es die Salesianer im deutschsprachigen Raum nach den jeweiligen Möglichkeiten tun.“

Die salesianisch geprägte Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ versucht Menschen nicht nur in Langzeit-Bildungs- und Ausbildungsprojekten zu helfen. Sie ist ganz nach dem Geiste Don Boscos gerade auch für Menschen da, die aktuell in Not gekommen sind, wie durch die Ebola-Krise oder den Taifun auf den Philippinen. 2014 stellte „Jugend Eine Welt“ mehr als sechs Millionen Euro auf, die in Don-Bosco-Hilfsprojekte weltweit investiert wurden. In ihrem neuesten Projekt setzt die Hilfsorganisation auf „Social Impact-Anleihen“, um in den kommenden Jahren den Ausbau der Universitäten der Salesianer Don Boscos in Ecuador zu ermöglichen.

Hilfe zu gelingendem Leben #

Die Initiative der Salesianer Don Boscos „Volontariat bewegt“ bereitet regelmäßig junge Menschen auf ein Auslandsjahr vor, in dem sie sich in Don-Bosco-Hilfsprojekten engagieren. Bei den Volontariatseinsätzen orientieren sie sich an der Pädagogik und Arbeit des Ordensgründers. Unterstützt werden sie dabei von Ordensmännern und -frauen: „Salesianer, Don-Bosco-Schwestern und alle Mitglieder und Freunde der Don-Bosco-Familie wollen dazu beitragen, dass das Leben junger Menschen heute und in Zukunft gelingt“, so Sr. Maria Maul.

Für Peter Rinderer ist Don Bosco ein „Sprachrohr für Menschen, die sonst keine Stimme haben“. In den letzten Jahren ist der Heilige für den jungen Vorarlberger ein großes Vorbild geworden: „Ich will wie Johannes Bosco ein Hoffnungsträger für junge Menschen sein. Ich bin froh, dass wir Salesianer so klar im Geiste Don Boscos leben und seine Maximen hochhalten.“ Sr. Maria Maul ist begeistert von der Nähe Don Boscos zu den Menschen: „Don Bosco war und bleibt einzigartig. Sein Wirken gestaltete sich so nachhaltig, dass es auch heute Menschen bewegt, in seinem Geist für Kinder und Jugendliche da zu sein.“

Auch wenn die Ordensgemeinschaften, die von Don Bosco gegründet wurden, versuchen, dessen Lehre bis heute in der Praxis zu verwirklichen, müssen sie sich an die Gegebenheiten der Zeit anpassen: „Heute würde Don Bosco anstelle von Briefen E-Mails verschicken und in den sozialen Netzwerken präsent sein. Er würde trotzdem die persönlichen Begegnungen mit Menschen – vor allem jungen – pflegen und auf die Straßen gehen, um zu sehen, wie junge Menschen heute leben, und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten.“

DIE FURCHE, Donnerstag 13. August 2015