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Bürokratie auf handgeschöpftem Papier#

Bhutan pflegt uraltes Handwerk#

von Günther Jontes

Alle Fotos wurden vom Verfasser in den Jahren 2004 und 2005 aufgenommen. Sie sind Teil des Archivs „Bilderflut Jontes“

Papier
Handgeschöpftes Papier
Papier ist heute eines der wichtigsten Kulturgüter der Welt. Seine Geschichte hat zwei Zweige.

Der Name sagt schon etwas über seine westliche antike Herkunft aus. Papyrus eine Sumpfstaude lieferte für Ägypter, Griechen und Römer und in der Folge alle anderen mediterranen Völker den landläufigen Beschreibstoff, während das nach dem antiken Pergamon benannte Pergament bis in die neuzeitlichen Epochen für kostbare und rechtlich wichtige schriftliche Urkunden und künstlerische Ausfertigungen für die Miniaturmalerei zur Verfügung stand.

In Mitteleuropa wurde Papier erst ab dem 14. Jahrhundert auch für Urkunden durch das aus vorerst Textilfasern erzeugte Lumpenpapier verwendet, um dann im 19. Jahrhundert vom Holzschliff für das Rotations- oder Zeitungspapier überrundet zu werden.

Heute gibt es die traditionelle Erzeugung von höchstwertigen, „handgeschöpften“ Papieren nur mehr am Rande und bringt spezielles Brief- und Urkundenpapier hervor.

Nicht so in Asien, wo es im Vorland des Himalaya noch immer das handgemachte traditionelle Papier auf pflanzlicher Basis gibt, das einerseits für die als Souvenir begehrten Blockdrucke Nepals und Nordindiens gebraucht, im letzten der einstigen Himalaya-Königreiche, in Bhutan aber für offiziellen Schriftverkehr zwingend verwendet werden muss.

Die Kenntnis dieser Technik dürfte aus China gekommen sein.

Die Erfindung des Papiers geschah dort während der Han-Dynastie, also im 3. vorchristlichen Jahrhundert. Die erste Beschreibung seiner Erzeugung erfolgte im 2.Jahrhundert n. Chr. Zuvor hatte man auf Bambusstreifen oder für Orakelzwecke auf Schildkrötenpanzern geritzt.

Papier aber beschreibt man seitdem mit Pinsel und Tusche und hat damit auch eines der ästhetisch schönsten Schriftsysteme geschaffen. In Südasien hatte man auch die Blätter der Talipotpalme verwendet, diese ritzend beschrieben, getrocknet und die Schriftzüge eingefärbt. In Indien existieren noch sehr alte Palmblattbibliotheken.

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In solchen Werkstätten wird das Papier hergestellt
Vor allem für die Buddhisten erübrigte sich die Verwendung von Pergament, denn dafür hätte man ja Tiere töten müssen

In der konstitutionellen Monarchie Druk Yul („Land des Donnerdrachens“, Bhutan) sind viele Bereiche des öffentlichen Lebens von oben her reguliert.

Dazu zählt nicht nur der einheitliche Dresscode für die gesamte Bevölkerung, sondern auch die Vorschrift, jeglichen Schriftverkehr mit der Obrigkeit auf dem heimischen und somit handgeschöpften Papier abzuwickeln.

Das führt auch dazu, dass nicht nur eine alte Handwerkstechnik nach wie vor in Blüte steht, sondern die Erzeugung von Papier keinerlei umweltschädliche Folgen hat.

In Bhutan ist alles und jedes der Bewahrung der ungestörten Natur untergeordnet. Das ist auch der Grund, dass dieses Land zu den am wenigsten bedrohten Naturzonen der Erde zählt.

Bhutanesisches Papier ist heute weltberühmt. Es wird auch exportiert, da im Westen besonders Künstler, die sich der Aquarellmalerei widmen, die Struktur dieses Naturproduktes besonders schätzen.

In Thimphu Thimphu, Bhutan , der Hauptstadt Bhutans, befindet sich eine der wichtigsten Produktionsstätten dafür.

Bei uns würde man diese Werkstatt als Kleinbetrieb einstufen. In Bhutan mit seinen nur 800.000 Einwohnern hat dieser aber einen wesentlichen Anteil an der Herstellung dieses Kulturproduktes ersten Ranges.

Dieses Papier wird aus dem Bast des Daphnestrauches erzeugt, der eine Art Papiermaulbeerbaum ist.

Seine Rinde wird abgezogen, die rauhen äußeren Teile entfernt und die Innenteile in Streifen geschnitten. Dann werden diese so lange gestampft, bis eine grobfaserige Masse entsteht.

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Diese Grundmasse wird in der Folge etliche Stunden lang unter stetem Umrühren in Wasser, das mit Asche versetzt ist, gekocht, bis ein feinfaseriger Brei entsteht.

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Aus diesem wird nun eine gleichmäßig dünne Schicht auf ein feinmaschiges Sieb in einem Holzrahmen geschöpft.

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Die noch nassen Blätter werden dann gebündelt und unter Druck halbwegs entwässert.

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Nach weiterem Trocknen kommen die Blätter dann auf stoffbespannte Rahmen, wo ihnen vollends jede Feuchtigkeit entzogen wird.

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Nun ist das Papier fertig und kann seiner Bestimmung zugeführt werden. Wie man sieht, wurde bei der Herstellung keine einzige Maschine verwendet und bis auf das Kochen keinerlei Energie benötigt.

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