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Der Himmel und sein Licht über der Mongolei#

von

Günther Jontes


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Die Mongolei mag vielleicht wegen der im kollektiven Wissen verankerten Wüste Gobi den Eindruck vermitteln, sie sei ein Tiefland. Dem ist aber nicht so, denn dieser zweitgrößte Binnenstaat der Erde wird von Gebirgen durchzogen und die mittlere Seehöhe liegt 1580 m. Es gibt Berggipfel von 4000 m Höhe und zahlreiche, wenngleich kleine Gletscher. Es herrscht ein extrem kontinentales Klima mit durchschnittlichen Tagestemperaturen im Winter von minus 25° und plus 20° im Sommer. Die Jahresniederschläge liegen um 200-220 mm, in den Wüstengebieten der Gobi bei weniger als 100 mm. 80-90% des Regens fällt zwischen Mai und September. Von ihnen hängt für die nomadisierenden Viehzüchter die Vegetation des Graslandes ab. An Oberflächenformen gibt es außer den alpinen Zonen Gras-, Wiesen- und Sandsteppen. Überall kann auch Permafrost beobachtet werden.

Es nimmt daher nicht Wunder, dass die Mongolen dem Himmel in ihrem kosmischen Weltbild ein besonderes Augenmerk zuwenden. Der im Mittelalter gezielt eingeführte Buddhismus tibetischer Prägung konkurriert bis heute mit einem Denken, das die Religionswissenschaft nach dem Himmelsgott Tengri als Tengrismus bezeichnet und das sich durch animistische und schamanistische Vorstellungen, Praktiken und Rituale äußert. Den Sinn des Lebens sieht man darin, mit seiner Umwelt und allem „was unter dem Himmel ist“ in Einklang zu leben. Der Mensch steht zwischen dem „ewig blauen Himmel“ (mong. mönkh kökh tengri) und der „Mutter Erde“ (mong. gazar eje). „Oben“ hat der Himmelsgott Tengri seinen Sitz in einem Paradies, das in vielem der Erde gleicht. Schamanen können ihn in seiner Himmelsregion besuchen, wo sie mit den Ahnen der Fragenden zusammentreffen und Botschaften übermitteln können. Die Himmelserscheinungen wie Blitz und Donner, Regenbogen, Wolken werden auch als Botschaften der Himmelsgottheiten um Tengri gedeutet.

Kaum ein Land kann mit solch schönen Himmelsszenerien aufwarten wie die Mongolei. Eine naturhafte, tief berührende Ästhetik erschließt sich hier denjenigen, die mit offenem Auge und Herz die Einsamkeiten und die Stille dieses Landes aufsucht, wo der Mensch zu tieferen Eingriffen in das Wirken der Natur noch nicht fähig ist.