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Bis 30. Oktober 2011
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

Alt-Österreich. Menschen, Länder und Völker in der Habsburgermonarchie#

Die Habsburgermonarchie bestimmte über lange Zeit hinweg das Selbstverständnis Österreichs. Verschiedene Nationen und Ethnien lebten mit den unterschiedlichsten Sprachen, Religionen und kulturellen Traditionen zusammen. Große künstlerisch-wissenschaftliche Projekte dienten der systematischen Beschreibung der Gebiete und Völker.

Erstmals wurden die Länder und die BewohnerInnen des Habsburgerreiches um 1800 genau beschrieben und in großen Bildersammlungen präsentiert. Naturforscher und Maler wanderten damals durch die Länder der österreichischen Monarchie. Ihre Beobachtungen und Aufzeichnungen in schriftlicher und bildlicher Form zählen zu den Pioniertaten einer neuen, vom Geist der Aufklärung durchdrungenen Wissenschaft. Das Interesse an den Menschen und seiner Stellung in der Natur und der Geschichte bestimmte auch die Erziehung der Prinzen aus dem Hause Habsburg. So beauftragte etwa Erzherzog Johann die Kammermaler Karl Ruß, Jakob Gauermann, Matthäus Loder und Thomas Ender mit einer ethnografische Bestandsaufnahme der Steiermark und der Alpenländer.

Karl Ludwig Viehbeck (1769-1827), ein künstlerisch begabter Autodidakt und Hauptmann der österreichischen Armee, setzte sich zum Ziel, mit einer Mahlerischen Reise durch die schönsten Alpengegenden des österreichischen Kaiserstaates ein patriotisches Werk zu schaffen. Er beschäftigte dafür unter anderem so bekannte Künstler wie Johann Adam Klein, Carl Heinrich Rahl, Jakob Gauermann und Jakob Alt als Illustratoren.

Eduard Gurk schuf beeindruckende Bilder von Carlsbad. Karl Ludwig Viehböck malte den Achensee im Unterinntal in Tirol, Jakob Alt das Stift Admont. Thomas Ender, der Kammermaler von Erzherzog Johann begleitete diesen auf der Reise durch die Hohen Tauern und schuf Landschaftsaquarelle von besonderer Qualität. Die Darstellung der Pasterze des Großglocknermassivs, die Thomas Ender zugeschrieben wird, ist die bedeutendste und früheste naturalistische Darstellung dieser imposanten Naturlandschaft. Zu den wichtigsten Bildern sind auch die Werke von Franz Jaschke zu zählen, der Erzherzog Ludwig und Erzherzog Rainer auf Reisen begleitete. Originale, wie "Hungarische Bauern", werden zum ersten Mal ausgestellt.

Das "Kronprinzenwerk" unter dem Titel "Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild" war Ende des 19. Jahrhunderts das größte publizistische Unternehmen seiner Zeit. Die landeskundliche Enzyklopädie über die Kronländer, Völker und Landschaften in 24 Bänden wurde 1883 von Kronprinz Rudolf in Auftrag gegeben. Mehr als 430 Autoren, 260 Künstler sowie die besten Wissenschaftler aus allen Teilen des Vielvölkerstaates beteiligten sich an dem Werk. 4.500 Illustrationen und 587 Beiträge in deutscher und ungarischer Sprache sind das außerordentliche Ergebnis. Sie veranschaulichen die damaligen Lebensverhältnisse, Alltag, Leben, Wirtschaft, Technik und Verkehr, Orts- und Landschaftsbilder, Religion und Bräuche. Die Sonderschau "Alt-Österreich" zeigt erstmals Originalfotografien, die die Arbeitsgrundlage für die Maler und Autoren des Kronprinzenwerks bildeten. Dazu wird ein Einblick in das umfangreiche Redaktionsarchiv und die originalen Bildvorlagen gewährt. Eine Auswahl von Originalzeichnungen aus der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest, die einen Teil der Bildvorlagen für die ungarische Ausgabe der Enzyklopädie verwaltet, sind exklusiv in Österreich zu sehen. Die Zeitspanne der Sonderschau reicht von 1790, dem Regierungsantritt Kaiser Leopolds II., bis 1916, dem Todesjahr Kaiser Franz Josephs.

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