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Österreichisches Museumsgütesiegel, © http://www.museumsguetesiegel.at

Schattenburg#

6800 Feldkirch/Vorarlberg, Burggasse 1 6800 Feldkirch/Vorarlberg, Burggasse 1


Die Schattenburg liegt auf einem Felssporn hoch über der Stadt Feldkirch. Der Name leitet sich von „schatte, schad“ ab, was soviel bedeutet wie „Schutz, Schirm“ oder „Beschützer, Beschirmer“. Am 22 m hohen Bergfried ist der anstehende Fels gut zu sehen. Bauherren der Burg waren die Grafen von Montfort, das bedeutendste Dynastengeschlecht Vorarlbergs im Hochmittelalter. Die Bauzeit des Bergfrieds wird nach jüngsten baugeschichtlichen Untersuchungen in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts vermutet, ebenfalls in einer frühen Bauzeit entstand der Palas. Der Pfandherr Graf Friedrich VII. von Toggenburg (1416-1436) ließ schließlich drei Flügelbauten errichten.1641 erfolgte auf der Westseite ein Anbau in Fachwerktechnik, in dem sich heute u.a. das Schattenburgmuseum befindet.

Nach der Zeit der Montforter und der Habsburgischen Vögte diente die Schattenburg nicht nur als Kaserne, sondern ebenso als Gefängnis oder als Armenhaus der Stadt. Einen drohenden Abbruch konnten die Feldkircher Bürger im 19. Jahrhundert nur mit Mühe verhindern. Mit der Unterbringung des Schattenburgmuseums (seit 1917) und dem weitum bekannten Schattenburg-Restaurant wurde das die Stadt prägende Gebäude zum viel besuchten Wahrzeichen von Feldkirch.

Burghof : gotische Sandsteinreliefs (vermutlich Chorschranke aus der Feldkircher Pfarrkirche St. Nikolaus); Original der Sandsteinfigur (16. Jh.) vom „Montforter Brunnen“ in der Neustadt, Glockenjoch (um 1700)

Im Veduten-Kabinett, dem ersten Raum des Museums befindet sich neben einem Modell der Schattenburg eine außergewöhnliche Sammlung von Ansichten. Diese Veduten bieten wichtige Informationen über 400 Jahre Bau- und Siedlungsgeschichte Feldkirchs. Die Hängung der Graphiken und Malereien erinnert an Gemäldegalerien des 17. und 18. Jahrhunderts.

Kemenate : Die mächtige Weichholzkassettendecke in diesem Raum stammt aus dem 1592 erbauten und 1911 abgebrochenen Schießstand, der sich an der Ill (im heutigen Ganahl-Areal) befand.

Alte Burgkapelle: Der Raum diente bis 1614 als Burgkapelle. Die Balkendecke stammt angeblich aus Liechtenstein. Die spätgotischen Fresken (um 1500) werden nach jüngsten Forschungen dem Feldkircher Hans Huber, Vater des bekannten Passauer Hofmalers Wolf Huber (Donauschule), zugeschrieben. Motive: rechts von der Tür: Adam und Eva am Baum der Erkenntnis, rechts daneben ein Mädchen mit spitzer Haube, die aus einem Turmfenster zu einem jungen Mann herabschaut. Darüber Simson und Dalila.

Die neue Burgkapelle wurde 1614/15 im Palas "mitten in den bewohnlichen Räumen" eingerichtet. Links vom Eingang: Grosses Altarblatt (1752) von Johann Joseph Kaufmann (1707-1782), dem aus Schwarzenberg stammenden Vater der berühmten Malerin Angelika Kaufmann (1741-1807).

Durchgangszimmer : Dieser Riegelbau vor der hofseitigen Palas-Wand gehört zu den jüngsten, im 17. Jahrhundert errichteten Bauten der Burg. Hier befindet sich eine Sammlung von Schlössern und Beschlägen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

In der Bürgerstube brach zur Renaissancezeit ein Brand aus. Danach erhielt der Raum eine neue Decke und sein mehrteiliges Fenster. Zwei Flügel mit Schnitzereien (Grotesken) bilden die Eingangstüre. Wichtigstes Inventar des bürgerlichen Zimmers ist eine intarsierte barocke Kommode deren Schubladen mit Brandmalereien verziert sind, u.a. mit einer Ansicht des Klosters Ottobeuren in Süddeutschland.

Palas : Die Decke des Kleinen Saals wird von mächtigen Unterzugsbalken getragen. Der Saal bildete vermutlich bis 1614 zusammen mit der neuen Burgkapelle und dem bürgerlichen Zimmer eine Einheit, die dann durch Riegelmauerwerk in drei Räume aufgeteilt wurde. Beheizt wurde dieser Raum früher durch den vollständig in der Wand liegenden, so genannten holländischen Kamin. An der Kaminwand sind Radierungen der letzten Vögte, Ulrich von Schellenberg (links) und Graf Jakob Hannibal von Hohenems (rechts) aus dem 16. Jahrhundert zu sehen.

Amtsraum des Vogtes: Die Vögte leiteten als Vertreter des Landesherrn die Verwaltung der Vogtei Feldkirch, die aus den heutigen Bezirken Feldkirch, Dornbirn und dem hinteren Bregenzerwald bestand. Sie übten auch die Gerichtsbarkeit in diesem Gebiet (mit Ausnahme des Stadtgebietes) aus. Der Amtsraum - in dem die ursprüngliche Decke sowie eine hölzerne Trennwand aus dem 15. Jahrhundert erhalten sind - befindet sich in einem turmartigen, zweistöckigen Anbau. Beherrscht wird dieser Raum von einer überregional bedeutsamen Holzbildschnitzerei (Hl. Georg mit Drachen), die um 1340 in Frankreich entstanden sein dürfte.

Gotisches Zimmer, ein ehemaliger Amtsraum. Bei der Täfelung fallen die profilierten Fugenleisten und die mit ihnen verbundenen gotischen Spitzbögen auf. Über dem Türsturz befindet sich ein Allianzwappen des 1667 hier amtierenden Vogteiverwalters Heinrich Walther von und zu Weissenberg (links) und seiner Ehefrau Maria Elisabetha von Furtenbach (rechts). Die Tür zum hölzernen Wehrgang zieren filigran gestaltete Schmiedeeisenbeschläge aus dem Kloster Altenstadt.

Waffenkammer im Bergfried: Mit einer Mauerdicke von 3,4 bis 3,55 Metern im untersten Stockwerk, einer Seitenlänge von 15,85 zu 11,6 Meter und einer Höhe von 22 Metern ist der Bergfried einer der mächtigsten Wehrtürme Vorarlbergs. Das Fenster auf der linken Stirnseite ist der Rest des zu Beginn des 20. Jh. zugemauerten alten Hocheinganges in den Turm, der im Kriegsfall als Rückzugsbau diente. Durch den Riemenboden verdeckt befindet sich in der Raummitte das "Angstloch", durch das Straftäter in das dunkle Verlies hinab gelassen wurden. Das Diorama in der Waffenkammer stellt den Verlauf der Schlacht um Feldkirch im 2. Koalitionskrieg (1799) dar.

Im Volkskunderaum wird der "Männerwelt" der Waffenkammer die "Frauenwelt" mit Heimarbeit, Wohnkultur und Trachten gegenüber gestellt: eine eingerichtete Kredenz, ein gedeckter Tisch, Küchengeräte, Hohlmaße für Getreide und Hülsenfrüchte usw. Im Herrgottswinkel steht ein schrankförmiges Hausaltärchen mit Anna, Franziskus und Marienkrönung. Das Porträt zeigt Anna Maria Blum, geb. Gehring mit einem für das Biedermeier typischen schwarzen Kleid mit blauem Halstuch und weißer Spitzenhaube. Im rückwärtigen Raumteil befinden sich Gerätschaften der vorindustriellen Textilverarbeitung.

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