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Weltmuseum Wien#

1010 Wien, Hofburg

Das Weltmuseum Wien (vormals Museum für Völkerkunde) ist ein Bundesmuseum im KHM-Museumsverband (Generaldirektorin: Sabine Haag, Geschäftsführer: Paul Frey) Im Mai 2012 wurde der Niederländer Steven Engelsman neuer Direktor und Christian Schicklgruber Vizedirektor. Das Weltmuseum Wien zählt mit seinen umfassenden Sammlungen von ethnografischen Objekten, historischen Fotografien und Büchern zu außereuropäischen Kulturen zu den bedeutendsten ethnologischen Museen der Welt.

Buddha Shakyamuni (573 KB) China, Qing Dynastie (1644 – 1911), dat. Periode Kangxi 1681 Bronze vergoldet, Lack, Pigment ©KHM mit MVK und ÖTM

Das Weltmuseum Wien umfasst 200.000 ethnografische Gegenstände, 100.000 historische Fotografien sowie 146.000 Druckwerke. Die Sammmlungen gliedern sich geographisch in: Afrika südlich der Sahara - Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien - Ostasien: China, Korea, Japan - Insulares Südostasien - Süd-, Südostasien, Himalaya - Ozeanien und Australien - Nord- und Mittelamerika - Südamerika. Dazu kommen Fotosammlung, Museumsbibliothek und Archiv.

Die Architektur des Saals „Ein Dorf in den Bergen“ ist ein Modell, das die Beziehungen zwischen den Orten darstellt, an denen im ländlichen Himalaya gehandelt wird. Erst so wird die Bedeutung von Objekten sichtbar. Visualisierung: © ARGE Ralph Appelbaum Associates/Hoskins Architects

Am 8. Februar 2016 startete das "Projekt Neueinrichtung" mit einem symbolischen Spatenstich. Das Architektenkonsortium für Bau und Einrichtung besteht aus Ralph Appelbaum Associates, Berlin - Hoskins Architects, Berlin - Vasko+Partner Ingenieure, Wien. 3.127 Objekte werden in der neuen Dauerausstellung präsentiert.

Die Geschichte des Museums

Federkopfschmuck (390 KB) Mexiko, Azteken, frühes 16. Jahrhundert, Federn von Quetzal, Kotinga, Rosalöffler, Cayenne-Fuchskuckuck, Eisvogel; Holz, Fasern, Papier, Baumwolle, Leder, Gold, Bronze, vergoldet ©KHM mit MVK und ÖTM

Seine frühesten ethnographischen Objekte lassen sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. In den Kunst- und Wunderkammern der Renaissance waren Exotica beliebt und so fanden sich in der „Ambraser Sammlung“ von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol auch zahlreiche bedeutende Ethnographica, wie vorspanische und kolonialzeitliche Federarbeiten, Kostbarkeiten aus Mexiko oder afro-portugiesische Elfenbeinkunst. Im Zuge der Napoleonischen Kriege gelangte die „Ambraser Sammlung“ nach Wien, wo sie zusammen mit den 1806 in London erworbenen fast 250 Objekten von den Reisen James Cooks (1728–1779), den Sammlungen der österreichischen Brasilien-Expedition (1817–1836), vor allem denjenigen des Naturforschers Johann Natterer, und jenen, die während der Weltumsegelung der österreichischen Fregatte „Novara“ in den Jahren 1857 bis 1859 zusammengetragen wurden, zum Grundstock der „k. k. Ethnographischen Sammlung“ wurde.

Im Zuge der Schleifung der Befestigungsanlagen Wiens und der daraus folgenden Stadterweiterung wurde die Institution der alten Hof-Cabinette 1876 durch die Gründung des „K. K. Naturhistorischen Hofmuseums“ abgelöst. Ferdinand von Hochstetter, der erste Intendant, teilte die Sammlungen auf fünf Abteilungen auf, wobei er als fünfte eine eigene „AnthropologischEthnographische Abtheilung“ gründete, die Vorgängerinstitution des Museums für Völkerkunde. Ab 1889, dem Eröffnungsjahr des „K. K. Naturhistorischen Hof-Museums“, war Franz Heger Leiter der Abteilung. Hegers rege Sammeltätigkeit, die Erwerbungen vieler Forscher und Reisenden die Fahrten der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine und das großzügige Mäzenatentum der Donaumonarchie ließen die Bestände rasch anwachsen. Bald wurde der Platzmangel untragbar, und zwar spätestens zu dem Zeitpunkt, da die 14.000 Ethnographica und mehr als 1100 Fotografien umfassende Sammlung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este von seiner Weltreise 1892/93 der ethnographischen Abteilung eingegliedert wurde. Die „Sammlung Este“ war bereits ab 1912 in dem neu erbauten, ursprünglich als Wohntrakt gedachten Corps de Logis der Neuen Burg aufgestellt. Im Jahr 1928 erfolgte schließlich die feierliche Eröffnung des „Museums für Völkerkunde“.

Neuer Museumsshop in der Säulenhalle des Corps de Logis. Visualisierung: © ARGE Ralph Appelbaum Associates/Hoskins Architects

2001 wurde das Museum im Zuge der Ausgliederung der Bundesmuseen Teil des Museumsverbandes „Kunsthistorisches Museum mit Museum für Völkerkunde und Österreichisches Theatermuseum“. 2004 bis 2007 führten umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen zur teilweisen Sperre des Museums. In der Folge konzentrierten sich die Aktivitäten auf Sonderausstellungen. Mit der Bestellung von Steven Engelsman zum Direktor erfolgte ein Konzept für die Neuausrichtung des Museums und dessen Umbenennung in „Weltmuseum Wien“. Ende 2017 soll es nach der Neugestaltung der Dauerausstellung und der öffentlichen Bereiche wieder zur Gänze geöffnet sein.

Der Entwurf von Hoskins Architects umfasst alle Räumlichkeiten des Weltmuseums Wien. Der Weg beginnt im Außenbereich mit einem multifunktionalen Kubus, der Informationen und eine Projektionsfläche für Museumsinhalte bietet, als Bühne für Veranstaltungen nutzbar ist und in den Sommermonaten als Erweiterung des Museumscafés gastronomisch bespielt werden soll. Die - frei zugängliche - Säulenhalle bleibt als Veranstaltungsraum und erhält an den Rändern ein Museumscafé und einen Museumsshop. Rund um die Säulenhalle liegen 1.400 m Sonderausstellungsfläche, im Mezzaningeschoss die neue Dauerausstellung mit einer Fläche von 2.500 m. Ein Veranstaltungsbereich im Segmenttrakt der Neuen Burg wird von der Säulenhalle durch eine zusätzliche Verbindung erschlossen und ist auch direkt vom Heldenplatz erreichbar. Die architektonischen Elemente orientieren sich an der Materialpalette des historischen Bestandes. So werden die historischen Vitrinen, die seit 1912 zur Präsentation der Sammlung dienen, technisch aufgerüstet und gemeinsam mit neuer, heller Austellungsarchitektur verwendet.

Im Ausstellungssaal 1873 – Japan kommt nach Europa steht das Modell einer Daimyo-Residenz im Mittelpunkt. Bewegliche Screens an der Längsseite der Vitrine geben Einblicke in das Innere und die Geschichte der Residenz.Visualisierung: © ARGE Ralph Appelbaum Associates/Hoskins Architects

In den Sälen steht jeweils ein Highlight-Exponat aus der Sammlung im Mittelpunkt, dazu komme interaktive Medien und Grafik. So steht im Saal "1873 - Japan kommt nach Europa" das Modell einer Daimyo-Residenz im Zentrum, während die flankierenden historischen Vitrinen die Rezeption japanischer Kultur in Österreich zeigen.



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