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Quartett Nr. 16 in B-Dur, op. 133 (Große Fuge)
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Ludwig van Beethoven

Aufführungsdauer: ca. 15 Minuten
Entstehungszeit: November 1825
Uraufführung: 21. März 1826 durch Ignaz Schuppanzigh mit seinem Streichquartett, der ein Freund Beethovens war.
Widmungsträger: Kardinal, Erzherzog Rudolf von Österreich
Orchester: 2 Violinen, Viola, Violincello (oder Streichorchester)

Historisches

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Dieses Quartett, das nur aus einem Satz besteht, war ursprünglich der Schlusssatz des Quartetts op. 130 in B-Dur. Auf Wunsch des Wiener Verlegers Artaria (siehe "Österreich-Lexikon") wurde ein neues Finale komponiert. Beethovens Zeitgenossen lehnten das Werk ab, selbst Hugo Wolf (siehe "Österreich-Lexikon") äußerte sich noch im Jahre 1884: "Die große Fuge ist mir ein unverständliches Tonstück." Erst dieses Jahrhundert fand Anerkennung und einen Zugang zu diesem Werk. Dies geschah auch dadurch, weil das Werk in einer Streichorchesterfassung gespielt wurde. Diese folgt der Streichquartettfassung, wenn man von den Bassverdopplungen durch die Kontrabässe absieht. Der Klang im Streichorchester verliert so an Schärfe, Intervallreibungen werden als milder empfunden, der polyphone Charakter des Werkes präsentiert sich überzeugender, der Gesamtklang wird weicher.

Das Finale hat Beethoven - nach Angabe Schindlers - im November 1825 komponiert (siehe auch: Lebensumstände Beethovens 1825/26).

Bearbeitungen

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Die Bearbeitung für Streichorchester stammt nicht von Beethoven, eine Bearbeitung der Fuge für Klavier, vierhändig, erschien von Beethoven als op. 134.

Widmungsträger

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Das selbstständig gewordene Werk wurde dem Kardinal, Erzherzog Rudolf von Österreich, Erzbischof von Olmütz gewidmet.

Hinweise Beethovens zum Werk

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Beethovens einziger Hinweis zum Werk lautet: "Grande Fugue tantôt libre, tontôt recherchée" = Große Fuge ebenso frei wie kunstvoll. Das Wort "frei" bezieht sich auf die souveräne Handhabung der Form, das Wort "kunstvoll" auf die Stilmittel der großen Fuge.

Die "Große Fuge" ist ein schwierig zu hörendes Werk. Tschaikowsky meinte: "Es ist ein Schimmer da, aber nicht mehr. Der Rest ist Chaos über dem der Geist dieses musikalischen Jehova schwebt." Das "Chaotische" des Werks wird empfunden durch

  • die permanenten großen Intervallsprünge einzelner Instrumente,
  • durch bizarre Rhythmen,
  • durch die konsequente Polyphonie,
  • durch krasse dynamische Angaben - meist nur fortissimo oder pianissimo.

Diese Mittel führen den aufmerksamen und aufmerksam gemachten Hörer zu neuen Klangerfahrungen, die Goethe in das Wort fasst: "Gestaltung, Umgestaltung, des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung". Die Musik erscheint losgelöst von Materiellen, sie erschließt Grenzregionen der Musik. Er greift, wie man ohne Vorbehalt sagen kann, der musikalischen Entwicklung um ein Jahrhundert voraus. Das Werk repräsentiert ein Alterswerk eines Komponisten, der auf ein Lebensoeuvre zurückblicken kann.

Musikalische Deutung

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Beethoven schwebte nicht eine Stilkopie Bachs vor, sondern er wollte eine Problemlösung aufzeigen, wie man Musik durch Polyphonie zu einer einheitlicheren, durchgeistigteren Sprache führen kann. Die "Große Fuge" ist typisch für das Klangbild des längst ertaubten Beethovens. Das Quartett sucht mit größtem Tonumfang der einzelnen Stimmen einen großen Klangraum zu erfüllen. Die Harmonie des Klanges wird der klaren Profilierung der eigenständigen Einzelstimme und deren musikalischer Bedeutung untergeordnet. Ein Höhepunkt expressiver Musik in Beethovens letzten Quartetten ist erreicht.

Musikbeispiele aus dem Streichquartett, op. 133

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