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Kopfleiste


Symphonie Nr. 8, h-moll ("Die Unvollendete")
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1. Satz: Allegro moderato
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Aufführungsdauer: ca. 11 Minuten

Formschema  --> Bild
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Schubert verwendet hier eine Sonatenhauptsatzform mit leichten Abwandlungen. Weil das 1. Hauptthema in der Durchführung häufig verwendet wird, erklingt es in der Reprise - die ideenmäßige Wiederholung der Exposition - nicht mehr.


Der erste Satz der "Unvollendeten" wird pianissimo in h-Moll durch ein einstimmig in den Violincelli und Kontrabässen vorgetragenes Hauptthema eröffnet. Dadurch, dass das Thema auf dem Ton Fis verklingt, also das Themenende nicht auf der Grundstufe von h-Moll erfolgt, ergibt sich ein seltsam offenes, in eine Frage mündendes Themenende. Die Antwort auf diese Fragestellung erfolgt mit musikalischen Mitteln mit diesem Hauptthema am Beginn der Durchführung.


Oboe und Klarinette stimmen in großer Gesangslinie das 2. Hauptthema, ebenfalls in h-Moll, an. Schubert, der große Liedkomponist, bleibt auch als Instrumentalkomponist ein großer Melodiker.


Der Hauptthemenkopf, vorgetragen in den Oboen, imitiert im Horn, führt zur Fortführung des Hauptthemas.


Die Haupthemenfortführung wird primär aus dem 6. Takt des 2. Hauptthemas gestaltet.


Die äußerst knappe Überleitung zum Seitenthema moduliert von h-Moll nach G-Dur.


Die große Popularität der h-Moll Symphonie rührt, musikalisch gesehen, vor allem vom Seitenthema des ersten Satzes her. Die Violincelli stimmen dieses Thema an. Es ist eine Ländlerweise, volksliedhaft im Ton, und von leiser Wehmut bestimmt. Es ist eine Melodie, abgeleitet aus einem bis in die neuere Zeit in Wien und Niederösterreich gesungenen Liedes.


Aus der zweiten Stimme der Ländlermelodie gewann Schubert sein Seitenthema. Schubert empfängt seine Inspiration hier aus der bodenständigen, volkstümlichen, wienerischen Ländlermusik. Diese Melodie wurde jedoch nicht wörtlich übernommen, sondern in einen Vorder- und Nachsatz gegliedert. Dem tonartlich geschlossenen Vordersatz von vier Takten folgt ein sechstaktiger Nachsatz, weil Schubert von G-Dur nach E-Dur moduliert und dadurch eine neue Klanglichkeit gewinnt, eine Klanglichkeit, die ihrerseits bewirkt, dass die Melodie von der Sphäre der Volksmusik auf die Höhe der Kunstmusik gehoben wird. Die volkstümliche Sphäre wäre die symmetrische Anordnung einer Taktgruppe von zwei mal vier Takten, etwa so: Das Seitenthema in der Wiederholung von 1. und 2. Violine, das in einer Generalpause endet: Nach der Generalpause gestaltet Schubert einen kurzen dramatischen Zwischensatz mit einer Dreiklangszerlegung, wobei der Fortissimohöhepunkt in aufsteigenden Halbtonschritten erreicht wird.


Dem schließt sich eine Episode an, wo der 3. Takt des Seitenthemas die melodische Substanz der musikalischen Fortführung bildet.


Die Seitenthemenfortführung führt zum Epilog, der die Exposition abschließt.


Der Epilog der Exposition wird mit dem Seitenthema mit kontrapunktierenden Nachahmungen, sowie durch eine Wiederholung auf höherer Klangebene ausgeführt.


Die Durchführung, der Mittelteil des Symphoniesatzes, wird durch das erste Hauptthema des Satzes und seine vielfältigen und bedeutenden Verwandlungen eben dieses Themas bestimmt. Das erste Hauptthema führt in leicht veränderter Form zum Contra-C. Dieser Ton fungiert nun als Orgelpunkt, d.i. eine liegende Stimme im Bass. Darauf wird ein viertaktiges Motiv, gestaltet aus dem Hauptthemenkopf, gesetzt, welches auch in anderen Stimmen imitiert wird. Wurde das Hauptthema am Beginn des Werkes als Frage gedeutet, so erfährt der Hörer nun eine musikalische Antwort darauf, eine Antwort, die sich rationalen Aussagen notgedrungen verschließen muss, nicht jedoch emotionellen.


Der Themenkopf erklingt neben der Grundgestalt auch in seiner Umkehrung.


Der vom Pianissimo zum Fortissimo geführte Durchführungsteil erfährt seine Lösung in den abwärtsführenden Dreiklangszerlegungen des Zwischensatzes. Der Rhythmus dieser Phrase wird vom Rhythmus des ersten Hauptthemas der ersten beiden Takte bestimmt. Getrennt werden die Phrasen durch trennende Einschübe aus der Seitenthema-Begleitung.


Die musikalische Ausleuchtung des eröffnenden 1. Hauptthemas wird nochmals aufgenommen. Das Hauptthema erklingt im Fortissimo, Taktteile werden verselbständigt, auch erklingt die Umkehrung des Hauptthemenkopfes. Die Reprise ist die ideenmäßige Wiederholung der Exposition, nur verzichtet Schubert hier auf das erste Hauptthema, bildet doch dieses Thema die musikalische Substanz der gesamten Durchführung.


Das Seitenthema erklingt in der Reprise in D-Dur. In der Coda scheint nochmals das erste Hauptthema auf. Der Bogen schließt sich zum Beginn des Satzes. Das Thema wird sowohl in der Urgestalt, als auch in der Gestaltsform des Durchführungsteiles der Symphonie gespielt.

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