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Kahlenberg #

Mit Klick vergrößern: F. Geffels: Entsatzschlacht 1683 © Wien Museum

Der 484 m hohe hohe Kahlenberg Wien, Kahlenberg , ein Ausflugsberg im 19. Wiener Gemeindebezirk, an der Stadtgrenze zu Klosterneuburg, war bis ins 17. Jahrhundert unbewohnt. Bis 1780 hieß er Schweins- oder Sauberg nach den dort vorkommenden Wildschweinen. Den Namen Kahlenberg (1231 "Chalenperg") trug bis dahin der benachbarte Leopoldberg. Um 1630 entstand auf dem Kahlenberg eine Eremitage der Kamaldulenser. Um das Kloster entwickelte sich eine Ansiedlung, die 1784 zu Ehren Kaiser Josef II. die Bezeichnung Josefsdorf erhielt. In den 1870er- Jahren ließ die Kahlenberg-Aktiengesellschaft ein Hotel errichten, zu dem (1874-1920) die erste Zahnradbahn Österreichs führte. Ihre Endstation markierte die 22 m hohe Stephaniewarte. 1953 bis 1956 trug sie Rundfunksendeantennen, 1974 errichtete der ORF daneben einen 165 Meter hohen Sendemast. In den 1930-er Jahren plante Architekt Erich Boltenstern das Kahlenberg-Restaurant mit einer Aussichtsterrasse. 2007 wurde das denkmalgeschützte Objekt teilweise abgerissen und ein Appartementhaus gebaut, in dem sich ein Restaurant, Festsäle und die "Modul University Vienna" für Tourismus und Hotelwirtschaft befinden. Historisch bekannt ist der Kahlenberg durch die Türkenkriege

Auf dem Kahlenberg erhebt sich die St. Josefs-Kirche, deren Grundstein die Kamaldulenser legten. Seit 1906 wird sie von polnischen Resurrektionisten betreut, die eine Kopie des Gnadenbildes "Schwarze Mutter Gottes von Tschenstochau" anbrachten. Die "Sobieski-Kapelle" erinnert an die Zweite Türkenbelagerung. Der päpstliche Nuntius Marco d'Aviano (1631-1699) soll vor der entscheidenden Schlacht hier einen Gottesdienst gefeiert haben - die Messe wurde jedoch in der Kirche auf dem Leopoldsberg zelebriert.

Die Vorgeschichte der Zweiten Türkenbelagerung geht auf den für 20 Jahre vereinbarten Friedensvertrag von Vasvar/Eisenburg zurück, den Kaiser Leopold I. (1640-1705) im Jahr 1664 mit der Hohen Pforte schloss. Jedoch begann die Türkei 1682 den Krieg und betraute Großwesir Kara Mustapha (um 1635-1683) mit der Führung der Armee von 200.000 Mann. Leopold I. schloss Bündnisse mit Bayern, Polen und Sachsen und erhielt Unterstützung vom Papst. Der kaiserliche Hof flüchtete (nach Linz) aus Wien, das die Türken eine Woche später, am 14. Juli 1683 erreichten und wo sie bis Anfang September Minensprengungen und Sturmangriffe durchführten. Am 11. September rückte das Entsatzheer von Klosterneuburg aus vor, das polnische Entsatzheer kam vom Tulbinger Kogel. Am 12. September standen sich am Kahlenberg 75.000 Mann der Verteidiger und 100.000 Osmanen gegenüber. Die Schlacht endete mit der Flucht der Türken, die 15.000 Zelte, 300 Geschütze und Waffen zurückließen. Auf ihrem Weg nach Wien hatten die Angreifer, z.B. in Perchtoldsdorf mehr als 31.000 Erwachsene sowie 50.000 Kinder als Sklaven mitgenommen und hunderte dieser Kriegsgefangenen erschlagen. 10.000 Soldaten der Osmanen und 2.000 der Verbündeten fanden den Tod.

hmw

Literatur:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 5. Wien 1997
Walter Kleindel: Österreich. Zahlen, Daten, Fakten. Wien 2007
Helmut Kretschmer: Bezirkskulturführer XIX. Wien 1982
Johannes Sachslehner: Schicksalsorte Österreichs. Wien, Graz, Klagenfurt 2009