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Bundeshymne - Symbole - Alltagskultur

"Land der Berge, Land am Strome ..."#

von Peter Diem

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieb Österreich rund eineinhalb Jahre ohne Hymne; man hatte andere Sorgen. Als am 29. April 1945 anlässlich der Proklamation der Unabhängigkeit Österreichs vor dem Parlament Musik erklang, musste der Donauwalzer als „heimliche Hymne" Österreichs herhalten.

„Ein Lied hymnischen Charakters, das den neuen österreichischen Bundesstaat und seine Menschen im In- und Ausland sowohl textlich als auch musikalisch würdig zu repräsentieren vermag" - das war der Gegenstand des Preisausschreibens, das der Ministerrat ein Jahr nach Kriegsende, am 9. April 1946, inmitten einer zerstörten Stadt, in einem geteilten Land, veranstaltete.
Man hatte offenbar aus der Geschichte gelernt und die Wichtigkeit dieses nationalen Symbols erkannt. Unterrichtsminister Dr. Felix Hurdes, erster Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), berichtete, dass die Weiterverwendung der Haydn-Melodie im Ausland als Provokation empfunden werden müsse und daher eine neue Volkshymne notwendig sei. Teilnahmeberechtigt waren alle Bundesbürger mit Ausnahme der ehemaligen NSDAP-Mitglieder (ungefähr 524.000 Personen). Als erster Preis waren 10.000 Schilling ausgesetzt, angestrebt wurde eine dreistrophige Hymne. Einsendeschluss war der 30. Juni 1946.
Innerhalb der zehn zur Verfügung stehenden Wochen langten etwa 1800 Vorschläge ein, aus denen 200 in die nähere Wahl gezogen wurden. Sehr viele der eingesandten Texte hatten stark religiös bestimmten Charakter. 29 Vorschläge wurden am 14. Oktober 1946 im Kammersaal des Wiener Musikvereins unter Mitwirkung von Staatsopernsängern und Burgtheater-Schauspielern zur Entscheidung vorgetragen. Die 24-köpfige Jury bestand aus Vertretern von Kunst und Wissenschaft sowie der Bundesländer. Die zu vergebende Höchstzahl an Punkten betrug 120. Das Freimaurer-Bundeslied „Brüder reicht die Hand zum Bunde" 'erhielt 107 Punkte, gefolgt von Kompositionen mit 76 und weniger Punkten. Unter den eingesandten Texten führte der abgeänderte Text Ottokar Kernstocks „Sei gesegnet ohne Ende . . ." mit 78 Punkten.

Aufgrund der Jury-Entscheidung beschloss der Ministerrat am 22. Oktober 1946, das „Bundeslied", das man ohne Einschränkung als Werk Wolfgang Amadeus Mozarts auffasste, zur neuen Bundeshymne zu erklären.

Die „Wiener Zeitung" berichtete am 23. Oktober 1946 in einem redaktionellen Einspalter auf Seite 1 unter anderm über:

Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Bulgarien.
Schwierigkeiten bei der Versorgung der Zeitungen mit Rotationspapier.
Gesetz über die Verwertungsgesellschaften.
Einführung des Kulturschillings bei der Rundfunkgebühr.
Mozarts Bundeslied wird künftige Volkshymne..


So beiläufig erfuhren die Österreicher, was sie in der Zweiten Republik zu feierlichen Anlässen hören und singen würden. Über den Text war man noch nicht einig und trat daher am 20. November 1946 an neun Teilnehmer des Preisausschreibens, darunter Paula Grogger, Alexander Lernet-Holenia und Paula von Preradović, heran, nochmals einen Text vorzulegen. Man entschied sich für eine leicht veränderte Version des ursprünglichen Vorschlages von Paula von Preradović.

Bild 'bundeshymne_700h'

Der ursprüngliche Text lautete wie folgt:

Land der Berge. Land am Strome,
Land der Äcker, Hämmer, Dome,
Arbeitsam und liederreich.
Großer Väter freie Söhne,
Volk, begnadet für das Schöne,
Vielgerühmtes Österreich.

Heiß umfehdet, wild umstritten
Liegst dem Erdteil du inmitten,
Einem starken Herzen gleich.
Hast seit frühen Ahnentagen
Hoher Sendung Last getragen,
Vielgeprüftes Österreich.

Aber in die neuen Zeiten
Sieh uns festen Glaubens schreiten,
Stolzen Muts und hoffnungsreich.
Laß in brüderlichen Chören,
Vaterland, dir Treue schwören,
Vielgeliebtes Österreich.


Die Textmodifikationen haben in der Tat eine entscheidende Verbesserung gebracht.

Die „Wiener Zeitung" vom 26. Februar 1947 berichtete darüber auf Seite 2, am Ende ihres Berichtes über den Ministerrat des Vortages (nach Beschlüssen über den Beginn der Sommerzeit, und die Neufestsetzung der Salzpreise u.a.) imit folgenden Worten:

Text der Bundeshymne genehmigt.

Vor Beginn des Ministerrates war im Bundeskanzleramt ein kleiner Chor der Wiener Sängerknaben unter der Leitung von Hofrat Schnitt erschienen, der den versammelten Regierungsmitgliedern die neue österreichische Bundeshymne nach den beiden Texten von Paula Preradović und Dr. Siegmund Guggenberger vortrug. Der Ministerrat beschloss, den Text der Dichterin Paula Preradović nach Vornahme einiger kleiner textlicher Änderungen als offiziellen Text der österreichischen Bundeshymne zu genehmigen.



Land der Berge, Land am Strome,
Land der Äcker, Land der Dome,
Land der Hämmer, zukunftsreich!
Heimat bist du großer Söhne,
Volk, begnadet für das Schöne,
Vielgerühmtes Österreich,
Vielgerühmtes Österreich.


Heiß umfehdet, wild umstritten,
Liegst dem Erdteil du inmitten
Einem starken Herzen gleich.
Hast seit frühen Ahnentagen
Hoher Sendung Last getragen,
Vielgeprüftes Österreich,
Vielgeprüftes Österreich.
Mutig in die neuen Zeiten,
Frei und gläubig sieh uns schreiten,
Arbeitsfroh und hoffnungsreich.
Einig lass in Brüderchören,
Vaterland, dir Treue schwören.
Vielgeliebtes Österreich,
Vielgeliebtes Österreich.

Mit dem Musikarrangement wurde 1947 Max Schönherr beauftragt (siehe diesen und Musikbeispiel).

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Österreichische Bundeshymne (drei Strophen, Tag der Fahne 1956, Parlament/Musikrechte Sessler-Verlag) abspielen(info)

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--> Österreichische Bundeshymne (erste Strophe, künstlerische Version - zwei Soprane):

Erste Strophe der Bundeshymne (Chor Jung Wien):

Zur Melodie unten
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Musikalisch ist die österreichische Bundeshymne wie folgt zu qualifizieren: Der feierliche Charakter der siebenzeiligen Melodie entsteht durch den langsamen Dreiertakt, besonders durch die halbe Note, mit der jede neue Phrase beginnt. Die kurze Modulation in C-Dur an der Textstelle „Land der Hämmer, zukunftsreich!" (3. Melodiezeile) drückt die Hoffnung auf die Zukunft aus - im Text des ursprünglichen Bundesliedes hieß es an dieser Stelle: „führ uns hin zu lichten Höh'n", das ist ebenfalls eine zukunftsgerichtete Aussage. Die Dur-Tonart unterstreicht den positiven Inhalt.

Paula von Preradović, die Textdichterin, wurde am 12. Oktober 1887 in Wien als Tochter eines Marineoffiziers und Forschers geboren. Ihr Großvater war der kroatische Nationaldichter und k. u. k. General Petar von Preradović. Paula wuchs in Istrien und Dalmatien auf. 1914 nach Wien zurückgekehrt, heiratete sie den späteren Wiederbegründer und Herausgeber der „Presse", Dr. Ernst Molden. Paula von Preradović trat schon 1929 mit dem Lyrik-Band „Südlicher Sommer" hervor. Sie veröffentlichte zahlreiche Werke - Lyrik, Romane, Novellen. Gemeinsam mit ihrem Mann geriet die strenge Katholikin wegen ihrer kritischen Einstellung zum Nationalsozialismus in den letzten Kriegsmonaten in Gestapo-Haft. Die Dichterin starb am 21. Mai 1951; ihr Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof liegt in Gruppe 32C/42.

Einer ihrer beiden Söhne, Fritz P. Molden, berichtete über die näheren Umstände der Entstehung der österreichischen Bundeshymne:

"Mama war von diesem Hymnenauftrag nicht sonderlich begeistert. Nicht nur hatte sie nie an irgendwelchen Wettbewerben teilgenommen, sie hatte auch keine Beziehung zu dem getragenen Versmaß, das für die vorliegende Melodie notwendig
war. Überdies hatte sie genügend anderes zu tun, arbeitete an ihrem neuen Romanzyklus und dachte, es würde schon jemand anderer einen geeigneten Text einschicken. Aber Hurdes ließ nicht locker und nach mehrmaligem Urgieren setzte sich Mama hin und verfaßte eines Nachmittags einen Entwurf. Diesen las sie uns am selben Abend vor, und die männlichen Familienmitglieder befanden ihn fiir geeignet, obwohl weder Mama noch wir der Meinung waren, dass er ausgewählt werden würde..."


--> Fritz Molden, Fepolinski und Waschlapski auf dem berstenden Stern, a. a. O., 445 f.

--> Vgl. hiezu auch die Darstellung bei Hugo Portisch, Österreich II - Der lange Weg zur Freiheit. Wien 1986. Portisch weist darauf hin, dass beim Fußball-Länderspiel 1946 gegen Frankreich noch „O du mein Österreich" als „Ersatzhymne" intoniert wurde.

Als die Dichterin von Unterrichtsminister Hurdes persönlich erfahren hatte, dass ihr Text ausgewählt worden war, improvisierten der Gatte und die Söhne ein kleines Fest, denn „man hat ja nicht alle Tage jemanden in der Familie, der den Text der Bundeshymne geschrieben hat". Frau Preradović setzte sich ans Klavier und sang den Ihren die erste Strophe vor. Darauf fiel den beiden Söhnen Otto und Fritz Molden nichts Besseres ein, als den Text sogleich zu persiflieren. Schon nach zehn Minuten hatte der spätere Zeitungszar und Erfolgsverleger Fritz Molden sein Spottgedicht fertiggestellt (wir vergessen nicht: kein österreichisches Staatssymbol ohne wenigstens eine kleine Herabsetzung!):

Land der Erbsen, Land der Bohnen,
Land der vier alliierten Zonen,
Wir verkaufen dich im Schleich,
Vielgeliebtes Österreich!
Und droben überm Hermannskogel
Flattert froh der Bundesvogel.


In den Wiener Schulen war in den Jahren darauf der Text „Land der Erbsen, Land der Bohnen, Land der vier alliierten Zonen" sehr populär, wie der Verfasser, Maturajahrgang 1955, aus eigener Erinnerung weiß.

Grabstätte Paula von Preradović – Foto P. Diem
Ehrengrab der Dichterin
auf dem Wiener Zentralfriedhof
Die neue Bundeshymne hatte beträchtliche Anlaufschwierigkeiten. Obwohl ihr Text zweifellos auf die Situation der Zweiten Republik passte und das Wesen Österreichs gut umschrieb, konnte sich die Melodie nur schwer durchsetzen. Haydn-Nostalgie machte sich breit. Aufgrund zahlreicher Stimmen, insbesondere aus den westlichen Bundesländern, die sich für die Wiedereinführung der Haydn-Hymne aussprachen, machte Felix Hurdes am 2. Mai 1951 einen Vorstoß im Ministerrat. Derselbe Felix Hurdes, der 1946 die Haydn-Melodie als „Provokation" bezeichnet hatte, verwies darauf, dass sich der damals bereits verstorbene Bundespräsident Dr. Karl Renner schon im Februar 1946 für die Haydn-Melodie ausgesprochen hatte. Sechs Jahre nach dem Krieg könne man die Reminiszenz des „Deutschlandliedes" als überholt betrachten. Außerdem sei bekannt geworden, dass die deutsche Bundesregierung auf die Wiedereinführung der Haydn-Melodie verzichten werde. Diese Information war insofern nicht ganz falsch, als das Bundespräsidialamt am 19. April 1950 erklärt hatte, die Bestimmung einer Nationalhymne gehöre zum Prärogativ des Bundespräsidenten. Diese Erklärung war abgegeben worden, weil Bundeskanzler Konrad Adenauer am Tag davor in Berlin die dritte Strophe des Deutschlandliedes angestimmt hatte, Bundespräsident Theodor Heuss aber für ein anderes Lied eintrat (vgl. den Beitrag über das Deutschlandlied). Hurdes setzte sich mit seinem Antrag im Ministerrat nicht durch. Die neue Hymne wurde zwar im Haydn-Jahr 1959 erneut in Frage gestellt, doch zeigten die Regierungsparteien keinerlei Lust mehr, die Frage neu aufzurollen.
Ein von den Erben der Dichterin des Hymnentextes, Otto und Fritz Molden, 1992 gegen die AKM (Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger) angestrengter Prozess, in dem Tantiemen in Millionenhöhe gefordert wurden, ging Mitte 1994 mit einem abschlägigen Urteil zu Ende. Das Gericht wies darauf hin, dass Paula von Preradović ein Preisgeld von S 5.000.- mit der Auflage erhalten habe, damit „sämtliche Urheberrechte dem österreichischen Bundesstaat abzutreten". So begann sich „Land der Berge" weiter durchzusetzen. Es gibt auch einen slowenischen Text, von dem allerdings nur die erste Strophe aufzutreiben war:

Hrabro v novi čas stopimo,
prosto, verno, glej, hodimo;
upa polrti, delavni.
Bratski zbor prisega hkrati,
domovini zvestobo dati.
Ljubljena nam Avstrija,
ljubljena nam Avstrija.


Eine halboffizielle Übersetzung ins Englische

Land of mountains, land of rivers,
Land of tillage, land of churches,
Land of iron, land of promise.
Motherland of valiant sons,
People blessed with beauty's grace.
Austria of fair renown!

Place of feuds and bitter strife
At the very heart of Europe;
Heart that beats with courage high.
You have born since times ancestral
Burdens of a noble mission,
Austria, sorely tried and tested!

See towards the new age dancing
Firm in faith and free with march,
with joy in work and hopeful hearts.
To thee, oh fatherland united,
Loyalty we pledge as brothers.
Austria, our much beloved!

Der Komponist der österreichischen Bundeshymne heißt Johann Holzer#

Den Siegeszug der neuen Hymne konnte auch der Umstand nicht bremsen, dass sich immer mehr herausstellte, dass die Melodie nicht von Mozart, sondern weit eher von dem 1753 in Korneuburg geborenen und 1818 in Wien verstorbenen bescheidenen „Ciaviermeister" Johann Hol(t)zer stammt, der so etwas wie „Hauskomponist" seiner Freimaurerloge „Zur Wahren Eintracht" war. W. A. Mozart war seit 5. Dezember 1784 Angehöriger der Loge „Zur Wohltätigkeit" und als solcher häufig Gast in der „Wahren Eintracht", jener Loge, die unter Ignaz von Born und Joseph von Sonnenfels vor allem bedeutende Gelehrte und Künstler, darunter Joseph Haydn, anzuziehen vermochte. In der „Wahren Eintracht" erlangte Mozart auch am 7. Jänner 1785 den Gesellengrad. Neunzehn Tage vor seinem Tod am 5. Dezember 1791 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes vollendetes Werk, die bekannte „Freimaurerkantate", KV 623. Sie wurde aus Anlass der Tempelweihe für die Loge „Zur neugekrönten Hoffnung" - eine der beiden nach dem Freimaurerpatent Josephs II. vom 11. Dezember 1785 noch zulässigen Wiener Logen - unter Mozarts Stabführung aufgeführt. Die Partitur dieser Kantate wurde am 14. November 1792 vom „k. k. privil. Buchdrucker Joseph Hraschansky, Wien, Strauchgässel", „zum Vorteil seiner Witwe und Waisen" in zwei unterschiedlichen Varianten herausgebracht. Die erste Ausgabe besteht nur aus der Freimaurerkantate, anderen Exemplaren ist aber noch das Kettenlied „Lasst uns mit geschlungnen Händen" (KV 623 a) beigebunden. Die erste Ausgabe war offenbar für die breite Öffentlichkeit bestimmt, die zweite wohl für einen engeren Kreis von Logenbrüdern. Eine Originalhandschrift Mozarts für das spätere „Bundeslied" (1805, Text: Franz Gerhard Wegeier) existiert nicht, es findet sich diesbezüglich auch keine Eintragung in Mozarts eigenhändigem Werkverzeichnis. Beide Umstände gelten als wichtige Indizien dafür, dass die Melodie der Bundeshymne nicht von Mozart stammt. Johann Holzer hinterließ eine Anzahl Lieder überdurchschnittlicher Qualität. Sein Freimaurerlied „Im Namen der Armen" (um 1784) zeigt eine so starke strukturelle Ähnlichkeit mit dem ebenfalls dreiteiligen „Kettenlied" (ca. 1791) - also der Melodie der heutigen österreichischen Bundeshymne -, dass für Experten kaum mehr ein Zweifel an seiner Autorenschaft besteht.

Musikwissenschaftliche Beweise: #

Nach einer Mitteilung des Musikwissenschaftlers Rudolf Klein vom 6. 12. 1985 an den Verfasser ist auch folgendes besonders auffällig: Harmonisch und melodisch völlig gleichartig tritt im jeweils achten und neunten Takt des „Armenliedes" wie des „Kettenliedes" ein „Querstand" der Töne „es" und „a", also eine in der strengen Harmonielehre verpönte verminderte Quint auf. Das spricht durch die Parallele sehr für Holzer und durch den Regelverstoß sehr gegen Mozart. Weiters spricht gegen eine Autorenschaft Mozarts, dass im „Armenlied" zweimal zwei, im „Kettenlied" sogar einmal vier Instrumentaltakte zur Überbrückung von Textlücken eingeschoben werden, bei so kurzen Stücken ein „Unding" für ein musikalisches Genie wie Mozart. Schließlich hätte sich Mozart - wäre er der Komponist gewesen - einem sehr gängigen 3/4-Liedstil anschließen müssen, was man bei seiner sonstigen Meisterschaft in der musikalischen Wiedergabe freimaurerischen Gedankengutes praktisch ausschließen kann.

Auch der Wiener Musikpädagoge Helmut Reichenauer führt einen musikwissenschaftlichen Indizienbeweis gegen Mozart und für Holzer:
Der Übergang von Takt 8 zu Takt 9 ("Land der Hammer...") konfrontiert den Hörer bzw. den Sänger mit einem großen Sekundschritt, der das harmonische Geschehen drei Takte lang quälend beherrscht, bis er endlich von der ursprünglichen Tonika in die Dominante wechselt. Ein solcher Sekundschritt ist kompositionstechnisch bestenfalls als kurzer Vorhalteton im Rahmen einer Modulation sinnvoll, nicht jedoch als bestimmendes Element drei Takte lang (noch dazu auf einem schweren Taktmetrum!). Natürlich kann man so komponieren, wenn man keine besonderen musikästhetischen Ansprüche stellt, aber Mozart, der unbestrittene Meister vollendeter Harmonien, hätte so etwas sicherlich nie geschrieben. Daher glaube auch ich, dass der brave und bemühte Liederschreiber Holzer als Urheber des Bundesliedes zu bezeichnen ist.
Wirklich beweisen kann man es nicht. Aber man kann die Probe aufs Exempel machen: Man ersuche eine beliebige Person, die Bundeshymne etwas länger als 8 Takte vorzusingen. Der Vortragende (wenn er nicht zufällig Opernsänger oder geschulter Chorsänger ist) wird garantiert bei Takt 9 einen falschen Ton singen, weil der große Sekundschritt an dieser Stelle nicht hineinpasst.

--> Originalbrief von Prof. Rudolf Klein(info)
--> Originalbrief von Prof. Helmut Reichenauer(info)

Trotz immer wieder auftauchender Vorschläge, zur alten Haydn-Hymne zurückzukehren, hat sich die Bundeshymne der Zweiten Republik durchgesetzt. Das ORF-Fernsehen begann seinen Sendetag bis zur Einführung des 24-Stundenbetriebs am 6.3.1995 mit der Bundeshymne. Auch das Radioprogramm Österreich 1 (Ö1) beendete sein Programm von 1.10.1967 bis 1.5.1990 mit der Bundeshymne. Nicht nur Schüler und Politiker können den Text zumindest der ersten Strophe auswendig singen, sondern auch schon Fußballer und Fußballfans, wie sich bei der EURO 2008 gezeigt hat. Dennoch bleibt festzuhalten, dass das Staatssymbol „Nationalhymne" im gesamten deutschen Sprachraum bis auf den heutigen Tag nicht ohne Probleme ist:

- In Westdeutschland dürfen zwei von drei Strophen der offiziellen Nationalhymne nicht gesungen werden.
- In der ehemaligen DDR war der Text der eigenen Nationalhymne von 1972 bis 1990 verboten.
- In Österreich stand der Komponist lange Zeit nicht fest. Weiter war der gesetzliche Status der Bundeshymne bis 2011 nicht geklärt, ihr Schutz war daher ohne wirkliche Grundlage.
- In der Schweiz ist die Hymne wegen der zahlreichen religiösen Elemente ihres Textes umstritten.

--> Eine ausführliche Darstellung des Werdens der österreichischen Bundeshymne finden Sie hier

Sollen die Töchter in die Hymne?#

Immer wieder kommt es zu Diskussionen, ob nicht auch die Töchter Österreichs in der Hymne genannt werden sollten.

Bundesministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) trat im September 2005 mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, die Bundeshymne abzuändern. Sie sehe darin eine Diskriminierung der Leistungen der Frauen. Diesen Vorschlag wollte sie in ihrem letzten Parlamentsauftritt am 8. Juli 2011 wiederholen, wurde aber durch einen Filibuster ihrer eigenen (männlichen) Klubkollegen daran gehindert. Sie brachte den Antrag mit Hilfe von Kolleginnen aus SPÖ und Grünen schriftlich ein.

Statt "Heimat bist Du großer Söhne" solle es künftig "Heimat großer Töchter, Söhne" heißen. Statt "Einig lass in Brüderchören, Vaterland Dir Treue schwören" solle in Zukunft folgendes gesungen werden: "Einig lass in freud'gen Chören, Heimatland Dir Treue schwören".

Frauenministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) griff das Thema auf und trat im Jänner 2009 mit Ihrem Wunsch an die Öffentlichkeit, die Österreichische Bundeshymne "zu gendern", also den männlichen und weiblichen Teil gleich zu erwähnen. Diesen Wunsch zog Heinisch-Hosek am 26.1.2010 vor dem Ministerrat wieder zurück, da es seitens des Regierungspartners ÖVP keine Zustimmung gab.

In der Folge wurde die aus Oberösterreich stammende Popsängerin Christina Stürmer von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) beauftragt, als Werbegag für eine Bildungskampagne eine kurze Rock-Version der Bundeshymne unter Einschluss eines Hinweises auf die Töchter zu singen. Obwohl von manchen begrüßt, wurde dieser Versuch doch mehrheitlich abgelehnt.

Rockversion der Bundeshymne, gesungen von Christina Stürmer, abspielen (3,7 MB)(info)

Das OLG Wien wies die gegen die Textänderung erhobene Klage ab --> Urteil
Der Oberste Gerichtshof hat dieses Urteil bestätigt.

Antrag - Beilage Gesetzestext

Antrag - Beilage Notenblatt

Der Gesetzwerdungsprozess der Bundeshymne mit dem neuen Text "Töchter und Söhne"#

Eine Textänderung nach sechs Jahrzehnten wäre keine Tragik gewesen! (Essay)#

Prinzipiell war gegen eine Änderung des Hymnentextes nichts einzuwenden. Allein die Modifikationen des Originaltextes (siehe oben) nach der grundsätzlichen Annahme des Textes von Paula von Preradović sind ein Beweis dafür, dass ein Gedicht- oder Hymnentext nicht sakrosankt ist. So wurde ja auch die altösterreichische "Volkshymne" des Öfteren den jeweiligen dynastischen Gegebenheiten angepasst. Doch müsste eine Änderung inhaltlich passen, dem Rhythmus des Liedes entsprechen, vor allem aber auch sprachlich/grammatikalisch einwandfrei sein. Das war beim obigen Gesetzsbeschluss vom 7.12.2011 und der Mehrzahl der Sommer bis Hebst 2011 vorgebrachten Änderungen nicht der Fall.

Sprachlich korrekter Änderungsvorschlag#

Ein Beispiel für eine diesen Grundsätzen folgende Änderung wäre gewesen:

Land der Berge, Land am Strome,
Land der Äcker, Land der Dome,
Land der Hämmer, zukunftsreich!
Großer Töchter, großer Söhne
Volk, begnadet für das Schöne,
Vielgerühmtes Österreich,
Vielgerühmtes Österreich.

Oft umfehdet, wild umstritten
Liegst dem Erdteil du inmitten,
Einem starken Herzen gleich.
Hast seit frühen Ahnentagen
Hoher Sendung Last getragen,
Vielgeprüftes Österreich.

Mutig in die neuen Zeiten
Frei und einig sieh uns schreiten,
Arbeitsfroh und hoffnungsreich.
Freudig lass' in Jubelchören,
Vaterland, dir Treue schwören,
Vielgeliebtes Österreich.

1. Strophe
Mit dem obigen Text wären die Geschlechter voll gleichgestellt. Es leuchtet ein, dass man in die Zeile eines gereimten und vertonten Textes nicht einfach ein Wort aufnehmen kann, ohne den Sprachrhythmus empfindlich zu stören. Man kann ja auch nicht in ein Kugellager eine Kugel hineingeben, ohne eine andere zu entfernen. Deshalb wurde hier das Wort "Heimat" herausgenommen, passt der Begriff "Heimat" ohnedies eher in eine Landeshymne, da er die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, einem Viertel, vor allem aber zu einem Bundesland ausdrückt (vgl. den Beginn der niederösterreichischen Landeshymne: "O Heimat, dich zu lieben ..."). Dazu kommt, dass ein loyal zur Republik Österreich stehender Neubürger bei "Heimat" wohl an einen anderen Ort denkt - und denken darf! - als an Österreich. Das moderne Zuwanderungsland Österreich wird von seinen Bürgern immer mehr den auf gemeinsame Werte wie Staat und Demokratie gründenden "Verfassungspatriotismus" (Jürgen Habermas) und nicht eine auf die ethnische Abstammung beruhende Vaterlandsliebe zu fordern haben. Damit werden auch doppelte kulturelle Identitäten aktuell, wie sie ja etwa ein länger in Österreich lebender Niederländer durchaus kennt.

Die Formulierung "Großer Töchter, großer Sohne Volk ..." ist jedenfalls grammatikalisch und stilistisch einwandfrei. In einem feierlichen Text ist der dabei verwendete Genetiv auch durchaus angebracht.

Auf eine Änderung der "Hämmer" wurde verzichtet, weil dieser Begriff trotz dem Verschwinden vieler Handwerke und der meisten "Schornsteinindustrien" immer noch als Arbeits- und Industriesymbol gelten kann. Sonst müsste man ja den Hammer auch aus dem Bundeswappen entfernen.

2. Strophe
Mit Recht wurde eingewendet, dass Österreich zurzeit und wohl auch in der Zukunft kaum "heiß umfehdet, wild umstritten" sein wird, da es von EU-Nachbarn umgeben ist. Eine kleine Korrektur ("Oft" oder "Einst" statt "Heiß") könnte hier wohl Sinn machen .

3. Strophe
Der Ersatz des Wortes "gläubig" nimmt auf die Trennung von Staat und Kirche und die heutige gesellschaftliche Wirklichkeit Rücksicht. Das Wort wird durch den Begriff "einig" ersetzt, der in der Bundeshymne jedenfalls vorkommen sollte. Wenn man schon eine Gleichstellung der Geschlechter durch Aufnahme der "Töchter" vornimmt, wäre es unlogisch, die "Brüderchöre" stehen zu lassen. Dem wird hier durch "freudig" gesungene "Jubelchöre" Rechnung getragen.

Man könnte natürlich so weit gehen, und auch den Begriff "Vaterland" in Frage zu stellen. In diesem Fall böte sich an, die Formulierung "Heimatland, dir Treue schwören" zu wählen, wodurch der in der ersten Strophe entfallene Heimatbegriff wieder in den Text käme. Gleichzeitig zeigt sich aber an dieser Überlegung die ganze Problematik einer nur teilweise "gendergerechten" Textänderung, um nicht zu sagen "Textmanipulation". Vergleiche hiezu auch die Ausführungen des österreichischen Literaturwissenschaftlers Herbert Zemann - lesen

Die hier als sprachlich vertretbar bezeichnete Textänderung in der ersten Strophe ("Großer Töchter, großer Söhne Volk ...") kann auf YouTube zusammen mit den sprachlich unschönen Umformulierungen und den Originaltexten in einem Vortrag von Kammersängerin Ildiko Raimondi angehört werden: http://www.youtube.com/watch?v=-41gi_vlH98.

Vorgangsweise#

Im Hinblick auf die absehbare Gefahr, dass eine stümperhafte Textänderung vorgenommen werden würde, wäre eine offizielle Ausschreibung zweckdienlich gewesen. Die Suche nach einem komplett neuen Text hätte allerdings kaum Sinn gemacht - die heutige österreichische Bundeshymne ist allen vorangehenden Versuchen, aber auch der Mehrzahl ausländischer Hymnen in ihrer inhaltlichen Aussage weit überlegen.

--> Auch der Wiener Sprachforscher Robert Sedlaczek hat sich ausführlich mit dem Thema Bundeshymne auseinandergesetzt: "Wiener Zeitung", 22.10.2011(info)

--> Essay zur Problematik der Textänderung: "Mussten die Töchter in die Hymne?" - veröffentlicht im Jahrbuch für Politik 2012 - lesen(info)

Eine neue Kontroverse 2014 über die "Töchter"#

Bei der Eröffnung des Grand Prix der Formel 1 in Spielberg/Steiermark am 22. Juni 2014 sang der volkstümliche Musiker Andreas Gabalier die Bundeshymne in alter Fassung. Das löste eine wochenlange Debatte aus, die in den Zeitungen, im ORF-Fernsehen und im Internet ausgetragen wurde. ("Shitstorm" gegen die Unterrichtsministerin). Dabei wurde der Ruf nach einer Volksbefragung laut. Immerhin Sie mündete schließlich in eine generelle Diskussion über das "Gendern" des österreichischen Deutsch. Dazu wurde ein Offener Brief von 800 Personen geschrieben.

Gabalier singt die Bundeshymne mit ursprünglichem Text:

Version 1 (Originalaufnahme vom Grand Prix)

Version 2 (mit Bildern aus Österreich unterlegt)

In einer von "Heute" am 3. 7. 2014 veröffentlichten Hajek-Umfrage sprachen sich 52 Prozent für die Rückkehr zur alten Textversion aus, 10 Prozent wünschten sich eine neue Hymne, 11 Prozent gaben keine Antwort und nur 27% fanden die Textänderung OK.

--> Essay zur Problematik des neuen Texts
--> Bürgerinitiative für die Wiederherstellung der Originalbundeshymne

Inoffizielles#

I am from Austria#

Das Lied "I am from Austria" schrieb Rainhard Fendrich 1989. Es wird zuweilen als "inoffizielle Bundeshymne" bezeichnet.

Eine schöne Version davon findet sich auf YouTube:

Dei' hohe Zeit ist lang vorüber
und auch die Höll' hast hinter dir,
vom Ruhm und Glanz ist wenig über,
sag' mir wer zieht noch den Hut vor dir,
ausser mir..

I kenn' die Leut',
I kenn' die Ratten,
die Dummheit,
die zum Himmel schreit,
i steh' zu dir bei Licht und Schatten,
jederzeit

Chorus:

Da kann ma' machen was ma' will,
da bin i her, da g'hör i hin,
da schmilzt das Eis von meiner Seel',
wie von an Gletscher im April.
Auch wenn wir's schon vergessen hab'n,
i bin dei Apfel, du mein Stamm.
So wie dein Wasser talwärts rinnt,
unwiderstehlich und so hell,
fast wie die Tränen von an Kind,
wird auch mein Blut auf einmal schnell,
sag' ich am End' der Welt voll Stolz
und wenn ihr wollt's auch ganz alla
I'm from Austria
I'm from Austria

Er war'n die Störche oft zu beneiden,
heut' flieg' i noch viel weiter fort,
i seh' di' meist nur von der Weiten,
wer kann versteh'n
wie weh das manchmal tut.

2. Chorus

Da kann i machen was i will,
da bin i her, da g'hör i hin,
da schmilzt das Eis von meiner Seel',
wie von an Gletscher im April.
Auch wenn wir's schon vergessen hab'n,
i bin dei Apfel, du mein Stamm.
So wie dein Wasser talwärts rinnt,
unwiderstehlich und so hell,
fast wie die Tränen von an Kind,
wird auch mein Blut auf einmal schnell,
sag' ich am End' der Welt voll Stolz
und wenn ihr wollt's auch ganz alla
I'm from Austria
I'm from Austria

Quelle: lyricsmode.com