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Die Farbe Braun#

von Peter Diem

Die Farbe Braun hat von allen Farben die kürzeste Symbolgeschichte. Sie ist wie Orange ein „Außenseiter" in der strengen Heraldik. In Schwarzweißdarstellungen erhält sie ein Strichmuster, das aus vertikalen Linien (= Rot) überlagert von schrägrechten Linien (= Grün) besteht. In der Tat ist das ja auch die Methode, Braun durch Farbmischung zu erhalten.

Zunächst wird Braun als Farbe des Erdbodens mit der Erde als dem fruchttragenden Element, aber auch dem Bestattungsort verbunden. Sie erhält dadurch einen bodenständigen, heimatverbundenen Charakter.

Das dunkle Braun als Farbe einiger katholischer Orden läßt sich als Symbol dafür interpretieren, dass die Welt, das Irdische, für den Ordensmann/die Ordensfrau „gestorben" ist oder dass er/sie zu einer besonders einfachen, urtümlichen Lebensart gefunden hat. Braun ist somit auch die Farbe der Buße und der Weltverleugnung.

Im Volkslied erhält die Farbe Braun hingegen einen erotischen Beigeschmack: das „braune" oder „schwarzbraune" Mägdelein wird dort gerne besungen. Wahrscheinlich galten unter den vielen blonden und blauäugigen Mädchen im germanischen Siedlungsraum die wenigen dunkelhaarigen, braun- bis schwarzäugigen als besonders attraktive Partnerinnen. Der dunkleren „Rasse" wird ja von der helleren in der Regel besonderer Reiz („rassige Südländerin") zugesprochen. Braun gilt als „kraftvoll, derb und gesund."
Man leitet aus dieser eher männlichen Farbe eine Assoziation zum „nicht durch Kultur Angehobenen", somit „Ursprünglichem, Inferioren" ab.

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Durch das Anfang 1925 eingeführte Braunhemd wurde Braun zur Grundfarbe des Nationalsozialismus: Parteifunktionäre und SA, Hitlerjugend und Arbeitsdienst trugen braune Uniformen. (Über die Entstehung des Braunhemdes vgl. den Beitrag über die faschistischen Symbole). Der Nationalsozialismus hat durch den Gebrauch des Braunhemdes die Farbe des (hellen) Braun in Österreich wahrscheinlich auf Generationen politisch belastet.

Nicht damit im Zusammenhang steht die dunkelbraune Tracht der Kärntner, der Kärntner Anzug, der das Erdnahe, Heimatverbundene ausdrücken mag. Der Kärntner Anzug wurde 1911 im Auftrag der Kärntner Landsmannschaft von Prof. Resch unter Beachtung der Gailtaler Trachtentradition entwickelt. Seine haselnussbraune Grundfarbe mit grünem Aufputz wurde vom Kärntner Heimatwerk über Jahrzehnte dem jeweiligen Zeitgeschmack maßvoll angepasst. Gemeinsam mit der schwarzen Blümchenweste ist er in Kärnten ein Teil gelebter Tradition. Quelle: Kärnter Heimatwerk

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