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Orden und Ehrenzeichen - einst und heute  #

von Peter Diem

Buchtext S. 213ff. (Quelle der Abbildungen)

Der Begriff „Orden" besitzt folgende Bedeutungen:

  • Klösterliche Gemeinschaften innerhalb der katholischen Kirche, deren Mitglieder nach den Gelübden des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit leben.
  • Religiöse Bruderschaften/Schwesternschaften protestantischen Glaubens.
  • Im 18. Jahrhundert entstandene, geheime studentische Verbindungen, die sich die Durchsetzung des Gedankengutes der Aufklärung zum Ziel setzten.
  • Weltliche Vereinigungen, die nach bestimmten Regeln leben und bestimmte Aufgaben übernommen haben. Ursprünglich Ritterorden, dann elitäre, um den Souverän als Oberhaupt gebildete nationale Vereinigungen; schließlich meist mehrklassig als Verdienst- und Tapferkeitsorden.
  • Von den Orden als Gemeinschaften abgeleiteten Auszeichnungen und Ehrenzeichen.
  • Die Auszeichnungen und Ehrenzeichen der Gebietskörperschaften.

Hiezu gehören nicht jene Dekorationen, die nur zur Erinnerung an die Ableistung von Dienstzeiten oder die Teilnahme an bestimmten Aktionen verliehen werden, ohne dass damit besondere Leistungen gewürdigt werden. Mag man auch zu Orden als Auszeichnungen für Stand und/oder Verdienste kritisch stehen - wie zu allen staatlichen Symbolen -, so muss man dennoch anerkennen, dass die meisten der Ordensgemeinschaften in der Geschichte Österreichs eine wichtige Rolle gespielt haben, während wiederum der für außergewöhnliche persönliche Leistungen, für Tapferkeit im Krieg oder Verdienste im Frieden verliehene Orden demjenigen, der ihn errungen und angenommen hat, sehr viel bedeuten kann. Selbst wenn sich die Symbolkraft des an die moderne Frackbrust gehefteten Ordens von einem Beutestück eines in grauer Vorzeit im Zweikampf getöteten Feindes herleiten sollte, muss der Gedanke der Auszeichnung für persönliche Verdienste durch den vom Volk gewählten obersten Repräsentanten einer demokratischen Gemeinschaft nicht nur als legitim, sondern auch als nützlich anerkannt werden, weil er im Idealfall Leistung belohnt und damit auch zur Leistung anspornt. Und dass ein Orden oder ein Ehrenzeichen gelegentlich auch so etwas wie Trost im Unglück sein kann, sollte ebenfalls nicht vergessen werden.

Das Kaisertum Österreich kannte einige Orden mit großer Tradition. Es kann hier natürlich nur auf einen kleinen Teil aller Ehrenzeichen eingegangen werden, vor allem aus Gründen der Ästhetik der in ihnen verarbeiteten Symbolik. Da die Orden - und besonders ihre Kleinode - geradezu „Zeichenkonzentrate" sind, d. h. auf kleinstem Raum zu einer harmonischen Einheit verdichtete „Symbolbündel", die sehr viel über die Symbolkultur ihrer Epoche aussagen, sei hier auf die wichtigsten Auszeichnungen Österreichs kurz eingegangen.

--> Der Leser, der sich aufgrund dieser Ausführungen für ordenskundliche („phaleristische" - von lat.phalerae = militärische Ehrenzeichen) Fragen zu interessieren beginnt, sei auf folgende Publikationen hingewiesen:

--> Maximilian Gritzner, Handbuch der Ritter- und Verdienstorden aller Kulturstaaten der Welt. Leipzig 1893
      (Faksimile-Nachdruck der DDR, Leipzig 1981)
--> Roman (Freiherr von) Prochazka, Österreichisches Ordenshandbuch. München 1974.
--> Günter Erik Schmidt, Ehrenzeichen und Medaillen der Republik Österreich und der Bundesländer ab dem Jahre 1945. Wien 1960
--> Vaclav Mericka, Das Buch der Orden und Auszeichnungen. Prag 1976 (dt.: Hanau 1990)
--> Vaclav Mericka, Orden und Ehrenzeichen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Wien - München 1974
--> Hermann Dikowitsch/Walter A. Schwarz, Katalog zur Ausstellung „Orden und Ehrenzeichen der k. u. k. Monarchie". In: Unser
      Währing, 28. Jg., 3. Heft, Wien 1993
--> Mario Laich, Altösterreichische Ehrungen - Auszeichnunge des Bundes, Tyrolia, Wien-Innsbruck, 1993
--> Johann Stolzer/Christian Steeb (Hg.), Österreichs Orden vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Graz, 1996

ORDEN VOM GOLDENEN VLIES (DE LA TOISON D'OR)

Bild 'goldenes_vlies'
Zu Ehren der Jungfrau Maria und des Apostels Andreas, seines Schutzpatrons, zur Verteidigung des katholischen Glaubens und zur Verbreitung der Tugenden stiftete Philipp der Gute, Herzog von Burgund (1396-1467), am 10. Jänner 1430, dem Tag seiner Hochzeit mit Isabella von Portugal, in Brügge den wohl vornehmsten Orden unseres engeren Kulturkreises. Ähnlicher Glanz wie den Orden vom Goldenen Vlies umgibt nur den englischen Hosenbandorden und den dänischen Elefantenorden. Der Name soll von der Idee eines Kreuzzuges nach Syrien herrühren, wobei der Herzog seinen Rittern die Argonauten, die das Goldene Vlies nach unzähligen gefährlichen Abenteuern errangen, als Vorbild hingestellt habe.

In Wirklichkeit dürften kluge machtpolitische Überlegungen das Hauptmotiv gewesen sein. Das erste Statut setzte die Mitgliederzahl auf dreißig Ritter fest; später wurde die Zahl erweitert. Die Gemeinschaft nahm für sich den höchsten Rang unter den christlichen Orden in Anspruch, sie hielt sich für „incomparable". Der Nimbus, der den Orden umgab, und die Distinktion seiner Mitglieder, die dem Ordensoberhaupt durch einen feierlichen Eid verbunden waren, vermehrten das politische Gewicht des „großen Herzogs des Westens". Doch durch den Tod Karls des Kühnen, der bei dem Versuch fiel, dem burgundischen Reich auch noch Lothringen einzugliedern, erlosch das Haus im Mannesstamm (an den letzten Burgunderherzog erinnert das sogenannte „Ainkhürn-Schwert" in der Wiener Schatzkammer, eine prächtige Waffe mit einem Griff aus Narwalhorn, reich verziert mit dem burgundischen Feuerstahl). Durch ihre Heirat mit Maximilian I. von Österreich am 19. August 1477 in Gent brachte Maria, die Erbtochter von Burgund, das  Großmeistertum des Ordens an das Haus Habsburg. Der Erwerb der reichen burgundischen Provinzen stärkte das Haus Österreich nicht nur wirtschaftlich und politisch, sondern brachte auch entscheidende kulturelle Impulse. So geht das spätere spanische Hofzeremoniell auf die glanzvolle Hofhaltung der burgundischen Herzöge zurück.

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger (1700) beanspruchten sowohl die Habsburger als auch die Bourbonen die  Souveränität über den Orden. Karl VI. konnte im Spanischen Erbfolgekrieg den Besitz der Niederlande behaupten und damit 1713 das Erneuerungsfest des Ordens in Wien feiern. Maria Theresia übertrug das Großmeistertum auf ihren Gemahl Franz I. Das Statut von 1757 setzte unter anderem fest, dass das Oberhaupt die Mitglieder frei bestimmen konnte, soferne sie von altem Adel und katholischer Religion waren (die Aufnahme von Protestanten war an eine päpstliche Dispens gebunden).

Als „Hausorden" hat der Orden vom Goldenen Vlies den Untergang der Habsburgermonarchie überlebt, da er vom Oberhaupt des „Hauses Österreich" selbst vergeben werden kann. Als Stiftung besitzt der Orden Rechtspersönlichkeit, die von der Republik Österreich am 8. 9. 1958 anerkannt wurde.



Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia
Das Kleinod des Ordens enthält drei Objekte: das goldene Widderfell, eingehängt in einen weißgetupften Feuerstein, aus dem rote, goldbordierte Flammen schlagen. Dieser wieder hängt an einem blaubordierten, goldenen Feuerstahl, der eine Reliefdarstellung von Jasons Kampf mit dem Drachen enthält. Sein blauer, goldbordierter Griff trägt in Goldbuchstaben die Devise: „Pretium laborum non vile" („Die Belohnung für die Leistung ist nicht gering"). Feuerstein und Feuerstahl sind die heraldischen Wahrzeichen von Burgund. In der Regel wird der Orden an einem fünf Zentimeter breiten roten Band mit goldbordiertem blauem Schieber („Agraffe") getragen. Bei besonderen Anlässen hingegen wird die aus stilisierten Feuerstahlen und Feuersteinen bestehende goldene Ordenskette („Collane" - Bild rechts) angelegt. Der Herold des Ordens trägt bei großen Feierlichkeiten die „Potence", eine ebensolche Kette, der aber noch die Wappen der Ordens- mitglieder auf 26 Gold-Emailplatten hinzugefügt sind. In der Ordenskleidung dominiert der rote Samt mit weißer Fütterung. Der Mantel ist mit den Ordensmotiven bestickt.

Der Schatz des Ordens wird im Wiener Kunsthistorischen Museum, das Ordensarchiv im Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrt. Einer der kuriosen, aber nicht ausgeführten Pläne Napoleons ging dahin, 1809 in Schönbrunn einen „Orden der Drei Toisons" zu schaffen. Seine Dekoration sollte aus einem Adler bestehen, der je ein Widderfell in den Fängen und eines im Schnabel tragen sollte - als Zeichen der Herrschaft über Burgund, Spanien und Österreich.

Das mit Rubinen und Saphiren besetzte burgundische Schwurkreuz trägt keinen Hinweis auf den Orden, ebenso wie der achtteilige Meßornat. Diese Paramente, die ebenfalls in der Wiener Schatzkammer aufbewahrt werden, sind besonders eindrucksvolle Kunstwerke aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Gewänder, die einen kompletten Satz für ein Hochamt bilden („Chapelle entiere"), sind in feinem „Lasurstich" mit biblischen Motiven besonders starker Leuchtkraft ausgeführt, wobei Goldfaden als Kette und vielfarbige Seidenfäden als Schuss verwendet wurden. Sie wurden höchstwahrscheinlich schon vor der Ordensgründung für die herzogliche Kapelle begonnen und gehören zum Schönsten, das die Wiener Schatzkammer zu bieten hat.

DER MILITÄRISCHE MARIA THERESIEN-ORDEN

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Kaiserin Maria Theresia stiftete diesen Orden am 18. Juni 1757 - nach der siegreichen Schlacht von Kolin - für ausgezeichnetes Verhalten vor dem Feinde, insbesondere auch für die Ausführung von „besonders herzhafter That", die jeder Offizier von Ehre ohne Vorwurf auch hätte unterlassen können. Daraus hat sich die manchmal zu hörende fälschliche Meinung entwickelt, der Maria Theresien-Orden sei auch für heldenhafte Taten verliehen worden, die gegen einen gegebenen Befehl ausgeführt wurden. Zuletzt bestand der Orden aus Großkreuzen, Commandeurs und Rittern, die ohne Rücksicht auf Standesunterschiede aufgenommen wurden. Die Aufnahme verlieh bürgerlichen Offizieren den Ritterstand bzw. auf Antrag den erblichen Freiherrnstand.

Der bedeutendste österreichische militärische Verdienstorden wurde insgesamt nur 1240mal verliehen. Der letzte Besitzer dieses Ordens, k. u. k. Linienschiffsleutnant Gottfried Freiherr von Banfield, als Marineflieger auch „Der Adler von Triest" genannt, starb im September 1986.

Das Kleinod des Ordens ist ein weißes, goldbordiertes Kreuz, dessen Arme durch Wellenlinien abgeschlossen werden („Theresianisches Kreuz"). Das rote Medaillon trägt einen weißen Balken und ist von einem weißen Reifen mit der goldenen Inschrift „FORTITUDINI" („Der Tapferkeit") umgeben. Alle Teile sind goldbordiert. Der Revers trägt die Initialen M(aria) T(heresia) und F(ranz). Das Band ist rot mit weißem Mittelstreif. Der Stern der Großkreuze (seit 1765) wird an der linken Brust getragen und hat dieselbe Form wie das Kreuz, ist aber silbern und reich mit Diamanten und Goldperlen besetzt. Durch die vier Winkel zieht sich ein goldbordierter, befruchteter grüner Lorbeerkranz.

--> Mario Laich, Altösterreichische Ehrungen - Auszeichnungen des Bundes. Innsbruck 1993, 18

DER KÖNIGLICH UNGARISCHE HOHE RITTERORDEN VOM HEILIGEN STEPHAN, DEM APOSTOLISCHEN KÖNIG

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Maria Theresia, die der ungarischen Nation viel verdankte, stiftete am 5. Mai 1764 zur Belohnung von Talent und besonderen Verdiensten im Zivilleben den nach dem Schutzpatron Ungarns benannten Orden. Die Anzahl der Ritter wurde mit hundert begrenzt. Der Orden wurde in drei Klassen verliehen: Großkreuz, Commandern und Kleinkreuz. Das Großkreuz war dem hohen Adel vorbehalten. Das Kleinod entspricht in der Form dem Theresianischen Kreuz, nur ist es in Dunkelgrün ausgeführt. Es wird von der Stephanskrone überhöht. Das rote Medaillon enthält das weiße Patriarchenkreuz auf gekröntem grünem Dreiberg sowie die Buchstaben M und T in Gold. Der weiße Reif trägt die goldene Inschrift „PUBLICUM MERITORUM PREMIUM" („öffentlicher Dank für Verdienste"). Der Revers enthält die Initialen S(ancto) St(ephano) R(egi) Ap(ostolico).

Das Band ist dunkelgrün mit rot. Neben einem eichenbekränzten, diamantierten Stern ist auch eine goldene Ordenskette (Collane) vorgesehen. Sie besteht aus dem Namenszug der Stifterin und König Stephans sowie der ungarischen Krone. Eine fliegende goldene Lerche symbolisiert das Erzhaus, die Devise „stringit amore" sollte wohl die besondere Verbundenheit der Stifterin mit den Ungarn ausdrücken.

DER ÖSTERREICHISCH-KAISERLICHE LEOPOLDS-ORDEN

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Dieser Orden geht auf Franz I. von Österreich zurück, der ihn am 8. Jänner 1808, dem Tag seiner dritten Vermählung, zum Andenken an seinen Vater Leopold II. stiftete. Eigentlicher Anlass war die Eingliederung Galiziens, wo bis 1806 noch der ehemalige polnische Stanislaus- und Adlerorden weitergetragen wurde. Der neue, später vierklassige österreichische Orden - zunächst war an die Bezeichnung „Rudolfs-Orden" oder „Franzens-Orden" gedacht - sollte sowohl für militärische als auch für zivile Verdienste, insbesondere auch für Gelehrsamkeit und gemeinnützige Unternehmen verliehen werden.

Das Kleinod besteht aus einem klassischen Templerkreuz in Dunkelrot und einem roten Medaillon mit der goldenen Chiffre F(ranciscus) I(mperator) A(ustriae). Die goldene Devise im schon traditionellen weißen Reifen lautet „INTEGRITATI ET MERJTO" („Für  Unbescholtenheit und Verdienste"). Im Revers besagt die Inschrift im goldenen Eichenkranz: „OPUS REGUM CORDA SUBDITORUM" („Die Könige sorgen sich um die Herzen ihrer Untertanen"). Das Kreuz hängt an der purpurgefütterten österreichischen Kaiserkrone. Das Band ist scharlachrot mit weißer Einfassung. Der Stern ist analog gestaltet, die Kette der Großkreuze enthält goldene Eichenkränze, Kronen und die Initialen F und L.





DER KAISERLICH-ÖSTERREICHISCHE ORDEN DER EISERNEN KRONE

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Franz I. von Österreich schuf auch in Anlehnung an einen gleichnamigen Orden Napoleons aus dem Jahre 1805 den Orden der Eisernen Krone. Napoleon hatte sich ja mit der alten Langobardenkrone zum König von Italien krönen lassen. Nach seinem Sturz wurde der Orden am 1. Jänner 1816 in Mailand für Zivil und Militär erneut ins Leben gerufen, um die „Vereinigung des lombardo-venetianischen Königreiches mit den k. k. Erbstaaten zu verewigen". Der Orden wurde für Anhänglichkeit an Kaiser und Staat sowie für gemeinnütziges Wirken verliehen. Die in drei Klassen geteilten Ritter sollten die Zahl hundert nicht überschreiten.

Das Kleinod ist nur in der Größe abgestuft und zeigt die Ansicht der lombardischen Königskrone in Gold mit roten Edelsteinen besetzt. Auf dem Reif dieser „Eisernen Krone" stand der beidköpfig gekrönte Doppeladler mit Schwert, Zepter und Reichsapfel, ein goldenes F(ranz) im dunkelblauen Brustschild, überhöht von der rotgefütterten Kaiserkrone. Das Band ist goldgelb mit dunkelblauer Bordüre (ein einprägsames Beispiel dafür, dass in der Heraldik und Phaleristik im italienisch-französischen Sprachraum die Farben Blau und Gelb, im deutschen Sprachraum die Farben Rot und Weiß dominieren). Die Devise lautet „AVITA ET AUCTA" („altherkömmlich und vermehrt"). Die Goldkette des Ordens der I. Klasse besteht aus ovalen Eichenkränzen und den verschlungenen Buchstaben F(ranciscus) und P(rimus).

--> Laich, a. a. O., 17

DER KAISERLICH-ÖSTERREICHISCHE FRANZ JOSEPH-ORDEN

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Am 2. Dezember 1849, dem ersten Jahrestag seines Regierungsantrittes, stiftete Franz Joseph I. einen Orden, der für Verdienste im Krieg und im Frieden in den Klassen Großkreuz, Komtur und Ritter (später ergänzt durch den Komtur mit Stern und das Offizierskreuz) verliehen wurde. Die wichtigen Dienste im Interesse des Allgemeinwohls, für die er vergeben werden sollte, lassen schon deutlich die moderne Handels- und Industriegesellschaft ahnen, in die das Kaiserreich eingetreten war.

Das Kleinod ist ein goldbordiertes scharlachrotes Rupertkreuz (konvex abschließende Arme), das einem schwarzen, golden gewaffneten Doppeladler aufgelegt ist, darüber die Kaiserkrone. Das weiße Medaillon in der Mitte weist die Goldbuchstaben F und J auf, darunter befindet sich die Devise des Kaisers „VIRIBUS UNITIS" („Mit vereinten Kräften").

Der Orden wurde an hochrotem Band getragen. Die Miniaturkette für das Großkreuz enthält schwarz emaillierte Doppeladler, die den österreichischen Bindenschild auf der Brust tragen und von der Kaiserkrone überhöht sind.



DER HOCHADELIGE STERNKREUZ-ORDEN

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Darunter ist ein Damenorden zu verstehen, der von Kaiserin Eleonore von Gonzaga, der Mutter Kaiser Leopolds I., 1668 gestiftetwurde, angeblich aus Freude über die Wiederauffindung einer nach einem Brand in der Hofburg vermissten Kreuzesreliquie.

Die Mitgliedschaft war Damen alten Adels vorbehalten, die sich verpflichten mußten, Werke der Nächstenliebe zu vollbringen.

Das Kleinod mit der Devise „SALUS ET GLORIA" („Erlösung und Ruhm") zeigte einen schwarzen, golden bewehrten Doppeladler in blauem, ovalem Reifen, dem ein rotes, gold und blau gerändertes griechisches Kreuz aufgelegt war. Als Band diente eine schwarze Schleife.









DER DEUTSCHE RITTERORDEN

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Gestiftet am 19. November 1190 (Jahr der Belagerung Akkons) durch Herzog Friedrich von Schwaben auf der Grundlage der Bruderschaft des 1128 in Jerusalem gegründeten St. Marienhospitals, hatte der Orden eine wechselvolle und zum Teil alles andere als rühmliche Geschichte. Nach dem Verlust des Heiligen Landes wandte sich der zur Bekämpfung der „Ungläubigen" wie zur Krankenpflege bestimmte Ritterorden nach Venedig und errichtete von Wien bis Südtirol Kommenden. Das älteste erhaltene Bauwerk von Graz, die Leechkirche, wurde 1275-1293 vom Deutschen Orden errichtet. Noch aus dieser Zeit stammt die eigenwillige Tympanonmadonna über dem Portal, die von dem Wappenschild des Ordens rechts und links flankiert wird.

Im Verlaufe des 13. Jahrhunderts wurde der Orden von Herzog Konrad von Masowien in das damals noch heidnische Preußen gerufen. In der Zeit zwischen 1226 und 1466 sollte sich das Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens vom Westufer der unteren Weichsel bis nach Estland erstrecken.

1308 wurde das Herzogtum Pomerellen mit der Stadt Danzig erworben; 1309 verlegte der „Hochmeister" seinen Hauptsitz von Venedig auf die Marienburg, die zu einer gewaltigen Wehrburg ausgebaut wurde. An die Stelle des Kampfes gegen die Moslems war nun der Kampf gegen die Pruzzen getreten, der mit Hilfe von westeuropäischen Rittern und Söldnern geführt wurde. Der Marien- und Georgskult des Ordens verdrängte die lokale Naturreligion. Das schwarze Kreuz auf weißem Grund („deutsches Kreuz") gab der Provinz Ostpreußen und dem späteren Königreich Preußen seine Farben: schwarz und weiß. Durch die ausgedehnte Gutswirtschaft und den Bernsteinhandel gelangte der Orden zu großem Reichtum und Einfluss. Alles eroberte und urbar gemachte Land wurde dem Orden als Reichslehen übertragen; dadurch erwarb das Oberhaupt des Ordens die Reichsfürstenwürde. Symbol dafür war der dem einfachen schwarzen Kreuz hinzugefügte schwarze Adler.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts verbanden sich zugewanderte und heimisch gewordene Untertanen des Ordens mit den Polen und den mittlerweile getauften Litauern und erhoben sich gegen die Ordensritter. Nach der Niederlage von Tannenberg (polnisch: Bitwa pod Grunwaldem) verlor der Orden im 2. Frieden von Thorn (1466) seine wichtigsten Besitztümer in Preußen. Die Schlacht von Tannenberg (15. Juli 1410) war mit mehreren Tausenden Gefallenen eine der größten Ritterschlachten des Mittelalters. Bis heute gilt der polnische Sieg bei Tannenberg als einer der bedeutendsten Einschnitte in der polnischen Geschichte, der immer wieder auch propagandistisch ausgeschlachtet wurde und bis in die jüngste Zeit Sinnbild des deutsch-polnischen Gegensatzes war. Tannenberg war übrigens Ende August 1914 ein zweites Mal in der Geschichte Austragungsort einer großen Schlacht zwischen Slawen und Germanen: 191.000 Russen standen 153.000 Deutschen gegenüber, die unter Hindenburg in einer Einkreisungsoperation den Sieg davontrugen.  

Durch die Reformation und die Umwandlung Preußens in ein erbliches Herzogtum (Albrecht von Brandenburg leistete 1525 den Lehenseid auf die polnische Krone) ging dem Orden der nach 1466 verbliebene Rest seiner Macht im Norden verloren, die er mit Feuer und Schwert fast zweieinhalb Jahrhunderte verteidigt hatte. Im Süden Deutschlands konnte er sich unter einem „Deutschmeister" mit Sitz in Mergentheim noch etwas länger halten (die Bezeichnung „Deutsches Eck" bei Koblenz geht auf diese Zeit zurück).

Durch den Frieden von Preßburg 1805 ging die Großmeisterwürde des Deutschen Ritterordens auf den Mannesstamm des Hauses Habsburg-Lothringen über. Napoleon hob den Orden 1809 in allen Staaten des Rheinbundes auf, sodass er nur noch in Österreich und in den Niederlanden (protestantische Ballei Utrecht) bestehen blieb. Gemäß den neuverfassten Ordensstatuten von 1840 wurde der Orden zu einem selbständigen geistlich-ritterlichen Institut mit einem Erzherzog als Oberhaupt, der in Wien residierte und den Titel „Hoch- und Deutschmeister" führte. Hochmeister Erzherzog Wilhelm (1863-1896) verlegte das Schwergewicht des Ordens auf das Feldsanitätswesen.

Nachdem Hochmeister Erzherzog Eugen 1923 abgedankt und an seiner Statt Ordenspriester als Nachfolger eingesetzt hatte, wurde der Deutsche Ritterorden 1929 von Papst Pius XI. in einen rein geistlichen Orden umgewandelt. Von den Nationalsozialisten 1938 aufgehoben, trat der Deutsche Orden 1945 wieder in Funktion. Seine Tätigkeit erstreckt sich heute auf Österreich, Deutschland und Südtirol. Er erfüllt bis heute seelsorgerische und karitative Aufgaben.

An den Orden erinnern nicht nur die Deutschordenskirche (1326) in der Singerstraße und das „Deutsche Haus" (1667) am Wiener Stephansplatz, sondern auch das 1864-1868 von Theophil Hansen erbaute und in den Besitz des Ordens übergegangene Deutschmeisterpalais am Parkring. Das Gebäude diente nach 1945 als Polizeidirektion, seit 1975 ist es Sitz des OPEC-Funds.

Nur am Rande verwandt mit dem Orden ist das legendäre Infanterieregiment „Hoch und Deutschmeister" (seit 1769 mit der Bezeichnung „Nr. 4"). Der Truppenkörper wurde 1695 gegründet und erhielt seine Bezeichnung deshalb, weil seine Werbebezirke in den Besitzungen des Ordens lagen, der auch die Kosten zu tragen hatte. Die „Hoch- und Deutschmeister" erhielten ihre Feuertaufe am 6. September 1697 gegen türkische Reiterei auf der Szireger Heide und wenige Tage später in der siegreichen Schlacht von Zenta. Auch in der gegen die Preußen erfolgreichen Schlacht von Kolin 1757 standen sie ihren Mann. Das Regiment existierte bis 1918 und stand im Ruf besonderer Tapferkeit. Zwischen 1920 und 1938 wurde eine Nachfolgetruppe aufgestellt. Das 1896 errichtete Deutschmeisterdenkmal am Wiener Deutschmeisterplatz ist das erste Monument, das nicht einen Feldherrn, sondern die Mannschaft ehrte. Am 9. September 1994 wurde die Tradition der „Wiener Edelknaben" vom Jägerregiment 2 des Bundesheeres wieder aufgenommen.

Die eigentlichen Mitglieder des Deutschen Ordens teilen sich in Hoch- und Deutschmeister, Großkomture, Großkapitulare, Komture und Ritter; sie müssen katholisch und von altem Adel sein.

Während Hals- und Brustkreuz des Großmeisters den einköpfigen schwarzen Adler in Gold und ein goldenes Lilienkreuz auf dem charakteristischen schwarzen, weiß geränderten „deutschen Kreuz" aufweisen, ist das Halskreuz der niedrigeren Ränge schmucklos, wird aber von einem stahlblauen Helm mit zwei schwarzen zwischen drei weißen Straußenfedern überhöht. Priesterliche Mitglieder führen an Stelle des Helms einen schwarz-weißen Knauf. Das Ordenskreuz wird an schwarzem Band getragen.

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Adelige Nichtmitglieder, die die Krankenpflegetätigkeit des Ordens tatkräftig unterstützen („Marianer" oder „Familiaren"), tragen das Marianerkreuz, dem ein Medaillon mit dem Zeichen der Genfer Konvention und der Devise „ORDO TEUT. HUMANITATI" („Deutscher Orden für die Menschlichkeit") aufgelegt ist.Die deutsche Kriegsauszeichnung von 1813, in allen Kriegen danach verliehen, das „Eiserne Kreuz", lehnt sich eng an das deutsche Ordenskreuz an. Wegen der großen symbolischen, aber auch sehr problematischen Bedeutung dieser Auszeichnung für Österreich wird ihr ein eigener Beitrag gewidmet, der auch eine Darstellung des so genannten "Mutterkreuzes" enthält.



DER ORDEN DER RITTER VON ST. JOHANN VON JERUSALEM (MALTESERORDEN kath., JOHANNITERORDEN evang. ,)

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Um 1070 als Hospitalorden in Jerusalem gegründet, breitete sich der Johanniterorden im gesamten Mittelmeerraum aus. Neben den Dienst an den Kranken, der durch die Beschäftigung syrischer und jüdischer Ärzte zur Übernahme von Kenntnissen aus der damals schon hochentwickelten orientalischen Medizin führte, trat die Aufgabe, Pilger und Pilgerwege zu schützen. So griff der Orden bald aktiv in die Kreuzzüge ein und wurde dadurch zum wehrhaften Ritterorden. Einige Jahrzehnte konnten die stark befestigten Burgen wie „Crac de Chevalier" gegen die Sarazenen verteidigt werden, doch ging 1187 Jerusalem verloren. Der Orden zog sich nach Akkon zurück, das 1291 fiel; nur sieben Johanniter konnten sich mit ihrem schwer verwundeten Großmeister retten. Über Zypern gelangten die Johanniter nach Rhodos, wo ein souveräner Ritterstaat entstand. Nach wie vor fühlten sich die Johanniter als Vasallen Christi und drückten dies auch durch ihre Münzprägungen aus, auf denen sie die Belehnung ihres Großmeisters durch den hl. Johannes als Vertreter Jesu Christi darstellten. In Rhodos verfügte der Orden auch über eine beachtliche Flotte.

Der Orden kam auch in Frankreich zu hohem Ansehen und profitierte stark vom Vermögen des 1312 aufgelösten Templerordens. 1522 ging Rhodos verloren, außerdem litt der katholische Orden unter den Folgen der Reformation, die den Verlust zahlreicher Priorate und Kommenden zur Folge hatte. Karl V. sprach dem Orden 1530 die Insel Malta zu. Sie wurde erfolgreich gegen die Türken verteidigt und blieb bis nach ihrer Einnahme durch Napoleon 1814 als Stützpunkt im Kampf gegen die nordafrikanische Seeräuberei im Besitz des Ordens. Um diese Zeit war der Orden beinahe am Ende seiner Kräfte, doch wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch adelige Vereine die Ordensgemeinschaft wieder hergestellt.

Seit 1834 siedeln die Großmeister in Rom. Die Souveränität des Ordens wurde von einer großen Zahl von Staaten anerkannt. 1953 wurden die Malteser Ritter auch kirchlicherseits als religiöser und souveräner Orden bestätigt, der sich heute vor allem der  Krankenpflege widmet. Seit Leopold VI. ist der Orden auch in Wien angesiedelt; seine Ordenskirche ist die aus dem 14. Jahrhundert stammende Malteserkirche in der Kärntnerstraße.

Der Orden hatte ursprünglich bis zu zehn Klassen aus dem Kreis alten katholischen Adels. Heute gehören 40 Prozent der rund zehntausend Mitglieder dem europäischen Hochadel an. Ein Museum des Ordens befindet sich in Schloß Mailberg im Weinviertel. Das nach der Größe abgestufte Halskreuz besteht aus einem goldbordierten, weiß-emaillierten Malteserkreuz, in dessen Winkeln goldene Doppeladler mit Kaiserkrone stehen und das von einer Bügelkrone überhöht wird. Das Brustkreuz ist ebenfalls achtspitzig und aus Leinen oder weißemailliert ausgeführt. Die acht Spitzen des Kreuzes gelten übrigens als Symbol der acht Seligpreisungen der Bergpredigt.



ALTÖSTERREICHISCHE TAPFERKEITSAUSZEICHNUNGEN

Schon Joseph II. stiftete 1789 die goldene und silberne Erinnerungs- und Ehrenmedaille, die spätere Tapferkeitsmedaille, für den einfachen Soldaten, der sich persönlich durch Mut, Umsicht und Kameradschaftlichkeit ausgezeichnet hatte.

Auf dem Avers war das Brustbild des regierenden Kaisers, auf dem Revers sechs gekreuzte Fahnen mit einem Lorbeerkranz und der Inschrift „Der Tapferkeit" (bzw. „FORTITUDINI") abgebildet. Das Ehrenzeichen wurde an einem roten „gewasserten" Band mit zwei schmalen weißen Streifen getragen.

Kaiser Franz Joseph stiftete 1849/50 mehrere militärische Verdienstkreuze und 1873 die Kriegsmedaille zur Erinnerung an die Teilnahme an militärischen Auseinandersetzungen.


EHRENZEICHEN FÜR VERDIENSTE UM DIE REPUBLIK ÖSTERREICH - ERSTE REPUBLIK

Bild 'erster_Orden_1922'
Dieses erste von einer österreichischen Bundesregierung gestiftete Verdienstzeichen bestand aus einem großen, muschelförmigen goldenen Strahlenstern mit fünf nur angedeuteten Spitzen (offiziell: „zwei einander überlappende konvexe fünfblättrige Blütenkelche"), darauf ein wuchtiges, schwarzemailliertes Kruckenkreuz mit schmalem Goldrand. Es kann als ziemlich sicher angenommen werden, dass die Symbolik der am 4. 11. 1922 (genau zur Mitte des Kabinetts Seipel I) gestifteten Auszeichnung auf den Prälaten-Kanzler selbst zurückgeht. Ignaz Seipel weigerte sich 1923, das Staatswappen als Halsdekoration zuzulassen, da er einen negativen Eindruck der „bolschewistischen Attribute Hammer und Sichel" im Ausland befürchtete (vgl. hiezu den Beitrag über das Bundeswappen). Dem priesterlichen Staatsmann erschien wohl der Rückgriff auf ein einfaches, einprägsames Kreuzritterzeichen als der beste Weg,nach dem Untergang der Habsburgermonarchie und ihres neuzeitlich-feudalen Symbolsystems die höchste Auszeichnung der Republik zu gestalten. Schließlich war 1918 auch der rot-weiß-rote Bindenschild wieder zu Ehren gekommen: obwohl bis zuletzt Teil des genealogischen Wappens, war der rote Schild mit silberner Binde ja ein von den Babenbergern eingeführtes „urösterreichisches" und damit „vor-habsburgisches" Zeichen.
Als Vorbild wird Seipel wohl das Zeichen des Orden des heiligen Grabes zu Jerusalem gedient haben. Dieser wahrscheinlich von Alexander VI. um 1496 gestiftete päpstliche Orden trug ursprünglich rein militärischen Charakter und diente dem Schutz des heiligen Grabes. Das Kleinod des dreiklassigen Ordens (Großkreuz, Komtur, Ritter) ist ein rotemailliertes, goldbordiertes Kruckenkreuz, bewinkelt von vier einfachen Kreuzchen gleicher Ausführung („Jerusalemer Kreuz"). Ein von diesem alten christlichen und ritterlichen Symbol abgeleitetes Zeichen, noch dazu in sattem Schwarz, mußte Ignaz Seipel sehr passend erscheinen, wenn es galt, jemanden zu ehren, zu belohnen und zu weiterem aufrechtem Dienst am Staat und an der Gemeinschaft anzuspornen. Das Motiv hatte überdies noch nie für einen weltlichen Orden Verwendung gefunden.

--> Vgl. hierzu auch den mit reinen Kruckenkreuzen besäten Wappenrock für den Herold Franz' I. Stephan von Lothringen in der Wiener Schatzkammer (um 1740).

Bild 'zweiter_Orden_1923'
Zwischen 1924 und 1938 wurden u. a. folgende Ordensformen verwendet:

1. Der Großstern des Ehrenzeichens, ein fünfarmiges, zur Mitte zu ganz schmales, silbernes, geschopptes Tatzenkreuz mit ausgebogenen Kanten und leicht konkaven Enden. Die Balkenränder besetzt mit anliegenden Palmblättern, in der Mitte aufgesetzt ein kleines, rotemailliertes Kruckenkreuz.

2. Zum Großen Goldenen Ehrenzeichen am Bande ein achtstrahliger brillantierter goldener Bruststern mit dem aufgelegten schwarzemaillierten Kruckenkreuz.

Während die Erste Republik den Wappenadler nur sehr bescheiden auf einer Verdienstmedaille zeigte, erschien im Bundesstaat Österreich der doppelköpfige, nimbierte, aber ungewaffnete Adler entweder einem schwarzen Kruckenkreuz aufgelegt oder im Kreise der neun Länderwappen auf einem achtspitzigen Strahlenstern.

Das Kruckenkreuz als zentrales Symbol des Ständestaates trat in insgesamt sechs verschiedenen Formen und Farben auf: schwarz-, rot- und weißemailliert sowie golden, silbern und bronzen. Dazu kam ein bewusst an den Militär-Maria Theresien-Orden gemahnendes Militärverdienstkreuz (weißemailliert mit rotemaillierten Rändern, goldenem Lorbeerkranz und Medaillon mit nimbiertem Doppeladler) und ein Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft (ein dünnes weißes Kruckenkreuz auf rotemailliertem griechischem Kreuz, verziert mit goldenen Palmzweigen).

EHREN- UND VERDIENSTZEICHEN DER ZWEITEN REPUBLIK

1945 mussten zunächst die deutschen Orden, Ehrenzeichen und Waffenabzeichen aufgehoben werden, die bis 1938 verliehenen und 1941 verbotenenen österreichischen Auszeichnungen konnten wieder getragen werden, durften aber nicht mehr weiter verliehen werden.

Bild 'befreiung'
Unter dem Eindruck des Kriegsendes wurde mit Bundesgesetz vom 12. April 1946 eine „Österreichische Befreiungsmedaille" geschaffen, die an Staatsbürger verliehen werden sollte, die mit der Waffe in der Hand für die Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gekämpft hatten. Aus nie ganz geklärten Umständen - der Leser dieser Beiträge ist an derlei gewohnt - wurde lange Zeit kein Entwurf für die Medaille angefertigt. Mit Gesetz BGBl. 79/1976 vom 27. 1. 1976 wurde die ineffektive Nachkriegsbestimmung aufgehoben und ein Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft („Befreiungs-Ehrenzeichen") geschaffen, das auch posthum verliehen werden kann. Das Ehrenzeichen wird vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung unter Mitwirkung eines elfköpfigen Kuratoriums verliehen. Näheres über Aussehen und Trageart bestimmt die Verordnung BGBl. 193/1976 vom 14. 5. 1976

Das Ehrenzeichen ist kreisrund, versilbert, mit einem Durchmesser von 42 mm. Es trägt die Umschrift „Für Österreichs Befreiung". Die Rückseite zeigt das Bundeswappen.

Mit Bundesgesetz vom 2. April 1952 (BGBl. Nr. 89 vom 17. Mai 1952) wurde das gesamte Ordenswesen der Republik auf eine neue Grundlage gestellt. Es wurden in einem Statut näher auszuführende Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geschaffen, die nach Größe und Art der Verdienste abgestuft sein können. Nach zwei Verordnungsnovellen (1954 und 1956) wurden insgesamt fünfzehn derartige Abstufungen geschaffen, beginnend beim Großstern des Ehrenzeichens und endend bei der bronzenen Medaille für Verdienste um die Republik Österreich.

1955 wurden zusätzlich Ehrenzeichen und Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst eingeführt. 1957 wurde bestimmt, dass Ehrenzeichen für die Rettung von Menschenleben an einem besonderen Band (45 Millimeter breit, rot mit weißem Vorstoß) zu tragen seien. Derjenige, dem eines dieser Ehrenzeichen verliehen wird, kann dieses tragen und sich als dessen „Besitzer" bezeichnen, genießt aber keinerlei andere Vorrechte.

Bild 'grosses_goldenes'
Bild 'Ehrenzeichen_1952'

Das Grundmotiv für die Kleinode der geltenden österreichischen Verdienstzeichen ist das rotemaillierte, in den Achsen mit einem dünnen, weißemaillierten Streifen versehene achtspitzige Kreuz. Dieses Motiv ging aus einem Wettbewerb mit über hundert Einsendungen hervor und stammt von Prof. Oswald Haerdtl von der Akademie für angewandte Kunst, der den 1. Preis gewann.

Ähnlich wie sich die Erste Republik an das rote Jerusalemer Kreuz des päpstlichen Ordens vom heiligen Grabe anlehnte und daraus das Kruckenkreuz-Motiv entnahm, beziehen die Auszeichnungen der Zweiten Republik ihre Form vom Kleinod des ehemals religiösen Malteser-(Johanniter-)Ordens, dessen charakteristisches weißemailliertes achtspitziges Kreuz das Vorbild für das rot-weiß-rote „Malteserkreuz" ist, welches die Festkleidung österreichischer Ordensträger ziert.

Die österreichischen Verdienstzeichen messen je nach Abstufung 50-45 Millimeter in der Höhe und Breite. Sie werden an aus den Farben Rot und Weiß zusammengesetzten Bändern getragen. Die niedrigsten drei Abstufungen - die goldene, silberne und bronzene Medaille - besitzen einen Durchmesser von 40 Millimeter. Sie zeigen das Bundeswappen im Kreise der durch Lorbeer verbundenen Länderwappen auf der Vorderseite und im Revers die Inschrift „Für Verdienste um die Republik Österreich".

Wird das achtspitzige Kreuz vom Bundeswappen überhöht, ist dieses U-förmig von den Länderwappen umgeben. Der nach der Verfassung schwarze Adler kommt dabei in Gold und in Silber vor. Die Bruststerne in Gold oder Silber zeigen die Wappen der neun Bundesländer kreisförmig angeordnet und durch Lorbeerreiser verbunden. In beiden Fällen stehen die Wappen reihenweise alphabetisch (also Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich etc.)

--> Beachte: Dabei fehlen nicht nur die traditionellen Schildbekrönungen (sie sind, wie wir wissen, nach den Landeswappen-Gesetzen integrierende Bestandteile von fünf Länderwappen), sondern es werden auch andere heraldische Fehler begangen. Allein das Wappen Burgenlands ist korrekt dargestellt.

  • Das Kärntner Wappen sollte eigentlich in seiner Vollform verwendet werden, doch geht natürlich auch nur der Schild, der aber in der Praxis anders aussieht.
  • Bei Oberösterreich fehlt der Herzogshut.
  • Dieser fehlt auch bei der Steiermark, die den Schild auch anders geformt darstellt. Die Attribute des Panthers sollten rot dargestellt werden.
  • Das offizielle Vorarlberg betont immer wieder, dass die Enden des Montfort‘schen Banners horizontal abgeschnitten darzustellen sind. Außerdem ist der Untergrund Silber und nicht Gold - also gleich zwei schwere Fehler.
  • Wien ist ebenfalls eine Katastrophe, da die gewählte Darstellung das Wappen des ersten Bezirks ist.
  • Der Tiroler Adler sieht im Landesgesetzblatt total anders aus und ist ebenfalls in Silber darzustellen.
  • Bei Salzburg fehlt der Fürstenhut.
  • Bei Niederösterreich fehlt die Mauerkrone.

Hier finden sich die korrekten, den Landesgesetzblättern entnommenen Wappendarstellungen

Man muss sich fragen, warum nicht die Zeichnungen aus den 1952 ja längst vorliegenden Landesgesetzblättern übernommen wurden, wie dies bei den neuen Kraftfahrzeug-Kennzeichen der Fall war (diese sind alle korrekt, viellicht mit der Ausnahme Kärntens). Vergleicht man die Ehrenzeichen der Bundesländer, so findet sich überall die heraldisch vollständige und korrekte Darstellung des jeweiligen Wappens.

Bild 'salzburgorden'
Die Verdienstkreuze der Bundesländer halten sich meist an die Form des Malteserkreuzes oder an jene des Leopoldskreuzes, bei dem die Enden nur leicht eingekerbt sind. Die Kreuzarme sind in den jeweiligen Landesfarben emailliert, während das Medaillon das Landeswappen (im Falle Wiens das Siegel und/oder das Wappen) trägt. Das goldene Ehrenzeichen Salzburgs hat aber eine eigenwillige Kreuzform (Lilienkreuz - siehe links).

Bild 'wissenschaft'
Ehrenzeichen und Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst unterscheiden sich auf interessante Weise von den allgemeinen Verdienstkreuzen, ohne jedoch die formale Verwandtschaft mit jenen zu verleugnen (Entwurf akad. Maler Prof. Alfred Pirkhert): Das Ehrenzeichen besteht aus einem 58 Millimeter hohen und breiten, achtspitzigen, rotemaillierten Kreuz mit einem schmaleren achtspitzigen, weißemaillierten Mittelkreuz mit etwas längeren Armen. Beide Kreuze sind goldbordiert. Das goldene Medaillon trägt die Inschrift „LITTERIS ET ARTIBUS" („Der Wissenschaft und der Kunst") und ist von einem goldenen Lorbeerkranz umsäumt. Während das Ehrenzeichen an der Öse zum roten Band noch zwei aufstrebende goldene Lorbeerzweige trägt, fehlen diese beim etwas kleineren (44 Millimeter), aber sonst gleich gestalteten Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

Der Umstand, dass das 1955 geschaffene Ehrenzeichen eine relativ starke Ähnlichkeit mit dem Verdienstkreuz des Dritten Reiches („Deutscher Adler-Orden") besitzt, scheint niemandem aufgefallen zu sein. Auch ist natürlich die Zahl der geometrischen Formen, die man einem neu geschaffenen Orden geben kann, beschränkt.

Man hat dies schon ein wenig am Elisabeth-Orden gemerkt, wo allerdings in der weicheren Linie des rot-weiß-roten Lilienkreuzes eine doch sehr ansprechende „weibliche" Lösung gefunden wurde.