Österreichischer Ingenieur- und Architekten-Verein

Der Österreichische Ingenieur- und Architekten-Verein (ÖIAV) ist ein klassischer und sehr alter Ingenieursverein. Zeitweise besaß diese Institution großen Einfluss auf die Baukunst sowie die Technologiepolitik von Österreich-Ungarn bzw. der Republik Österreich.

Der Verein wurde im Zuge der Liberalisierung des Vereinswesens im Zuge der Revolution am 8. Juni 1848 zunächst als „Österreichischer Ingenieur-Verein“ gegründet. Im Jahr 1864 tagte in Wien die XIV. Versammlung deutscher Architekten und Ingenieure tagte. Danach wurde der Verein zum „Österreichischen Ingenieur- und Architektenverein“ erweitert. Im Lauf seiner Geschichte gehörten ihm eine sehr große Zahl der prominentesten Ingenieure und Architekten Österreichs an.

Sein Sitz ist in der Eschenbachgasse im 1. Wiener Gemeindebezirk, das im Vereinsbesitzt stehende Gebäude ist in Wien als Palais Eschenbach bekannt.

Ausschüsse des Vereines befassen sich mit Fragen der Ausbildung der Ingenieure bzw. allgemeiner technischer Ausbildung, mit den „Europaingenieuren“, mit der Öffentlichkeitsarbeit und mit der Thematik „Jungakademiker“. Bereits 1897 hatte der ÖIAV auf Veranlassung des k. u. k. Ministeriums für Kultur und Unterricht die Regelung des Prüfungs- und Zeugniswesens der Technischen Hochschulen (heute Universitäten) einer Revision zu unterziehen. Kaiserlich-ministerielle Vorgabe war schon damals u.a. eine Verkürzung der Studiendauer. Der ÖIAV setzte sich ab 1891 auch intensivst dafür ein, dass die Technischen Hochschulen der k. u. k. Monarchie das Recht zur Verleihung des akademischen Grades „Doktor der technischen Wissenschaften“ erhielten. Dieses wurde mit kaiserlichem Erlass vom 13. April 1901 etabliert.

Die Vereinzeitschriften des ÖIAV stellen einen Spiegel der technologischen und baukünstlerischen Entwicklungen im Zeitverlauf darf und sind eine wichtige Quelle für historische Forschungsarbeiten. Digitalisate befinden sich sowohl im Anno-System der österreichischen Nationalbibliothek sowie auch bei anderen Forschungseinrichtungen. Die aktuelle Zeitschrift des Vereines trägt die Bezeichnung Österreichische Ingenieur- und Architekten-Zeitschrift.

Eine Vielzahl namhafter österreichischer Ingenieure waren Mitglieder des ÖIAV, z.B. die Automobilpioniere Siegfried Marcus, Ferdinand Porsche, der Turbinentechniker Viktor Kaplan, der Bodenmechaniker Karl Terzaghi, Tunnelbauer Leopold Müller oder Peter von Rittinger (Erfinder der Wärmepumpe). Als bedeutende nichtösterreichische Mitglieder gelten etwa der aus Altösterreich stammende Elektrizitätspionier Nikola Tesla sowie die Architektin Zaha Hadid, London.

Die offizielle Vereinsgeschichte nennt Carl von Ghega als namhaftes Mitglied. Dessen technische Überlegungen zum Bau der Semmeringbahn wurden aber vor der Inbetriebnahme der Semmeringbahn vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein nicht geteilt und seine Person sowie sein Werk teilweise polemisch angefeindet.

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