Alfred Rosche

Dr. Alfred Rosche

Alfred Rosche (* 2. August 1884 in Schluckenau; † 31. Januar 1947 in Prag) war sudetendeutscher Jurist, Politiker (NSDAP) und SA-Führer. Rosche war nationalsozialistischer Politiker in seiner Heimat, der nach der Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich in den nationalsozialistischen Reichstag einzog.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rosche, aufgewachsen in der Familie eines Kaufmanns, hatte mindestens acht Geschwister. Nach dem Abschluss der gymnasialen Schullaufbahn studierte Rosche ab 1906 Rechtswissenschaft an der Universität Graz und in Prag. Im März 1911 promovierte Rosche zum Dr. jur.. Danach war er Rechtsreferendar am Oberlandesgericht sowie dem Landesgericht in Graz. Zwischen 1912 und 1914 betätigte sich Rosche als Rechtsanwalt in Schluckenau. Nach einer militärischen Ausbildung nahm Rosche von 1915 bis 1918 als Kriegsfreiwilliger der k.u.k. Armee am Ersten Weltkrieg teil. Während des Krieges war Rosche an der Italienfront und auf dem Balkan eingesetzt. Aufgrund einer schweren Granatverletzung im Juni 1916 war Rosche 13 Monate lang gelähmt. Trotz seiner Kriegsuntauglichkeit meldete sich Rosche erneut zum Kriegsdienst und wurde bis Kriegsende mehrfach ausgezeichnet. Nach Kriegsende wurde Rosche im Rang eines Oberleutnants entlassen und kehrte in seine Heimat zurück. Von 1919 bis 1920 arbeitete Rosche als niedergelassener Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht in Graz und danach in Nixdorf. Rosche betätigte sich in völkischen Verbänden, so auch im Turnverband.[1]

Zwischen 1926 und 1938 gehörte Rosche als Abgeordneter im Prager Parlament der Tschechoslowakei. Zunächst war Rosche von 1926 bis 1928 Mitglied der Deutschen Nationalpartei und widmete sich als einer der führenden Politiker im deutsch-bürgerlichen Lager in der Parlamentsarbeit im Wesentlichen den Bereichen Wirtschaft und Finanzen. 1927 bis 1928 war er auch Fraktionsvorsitzender der Deutschen Nationalpartei im Abgeordnetenhaus. Rosche schied nach Differenzen um die Zusammenarbeit seiner Partei mit regierungsnahen deutschen Parteien aus der Deutschen Nationalpartei aus. Zwischen 1928 und 1935 gehörte Rosche der neu gegründeten Partei Deutsche Wirtschafts- und Arbeitsgemeinschaft an, die aus Abspaltungen anderer deutscher Parteien in der Tschechoslowakei entstand.[2]

Ab 1935 gehörte Rosche der SdP an, die im November 1938 in der NSDAP aufging. Als Vertreter der SdP war Rosche maßgeblich an den Verhandlungen mit tschechischen Regierungsvertretern zum Münchner Abkommen beteiligt. Rosche schloss sich noch vor der Angliederung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich dem Sudetendeutschen Freikorps an und bekleidete dort die Position eines Nachrichtenkommandanten. Nachdem das Sudetenland als Reichsgau Sudetenland dem Deutschen Reich angegliedert wurde, war Rosche nach der Ergänzungswahl am 4. Dezember 1938 Mitglied des nationalsozialistischen Reichstages für die sudetendeutschen Gebiete.[2] Rosche wurde Mitglied der Internationalen Schadenskommission zum Ausgleich zwischen dem Deutschen Reich und der Tschechoslowakei sowie Beauftragter des Stillhaltekommissars.[1] In der SA erreichte Rosche 1942 den Rang eines Brigadeführers.[2] Zwischen März 1939 bis 1945 war er Präsident des Sparkassen- und Giroverbands für das Sudetenland in Reichenberg.[3]

Nach Kriegsende wurde er im August 1945 in Liberec von tschechischen Behörden verhaftet und interniert.[3] Im Oktober 1945 wurde er ins Gefängnis Pankrác überführt, wo er sich vor dem Prager Volksgericht wegen des Republikschutz- und Retributionsgesetzes verantworten sollte.[2] Während des Verfahrens starb Rosche an einem Herzanfall.[3]

Einzelnachweise

  1. a b Alfred Rosche in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
  2. a b c d He. Slapnika: Alfred Rosche in:Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 9, S. 242.
  3. a b c  Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4 (S.523-524).

Literatur

Weblinks