Christian Schiester

Christian Schiester, 2009

Christian Schiester (* 12. Mai 1967 in Mautern in Steiermark) gilt als einer der besten Extremläufer der Welt. Bemerkenswert ist neben seinen zahlreichen Wettkämpfen durch Wüsten, Dschungel, Antarktis und Bergmassive vor allem der Umstand, dass er bis etwa zum 20. Lebensjahr schwerer Trinker und Raucher war. Erst sein bedrohlicher Gesundheitszustand und die ernüchternde Diagnose seines Hausarztes brachten ihn Schritt für Schritt auf den Weg zum Extremsportler. Er lebt derzeit in Mautern in der Steiermark.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Schiester in seiner Jugend

Christian Schiester wurde von seinem Stiefvater streng erzogen. Von seinem leiblichen Vater wusste er bis zu seinem 18. Lebensjahr nichts. In seiner Kindheit absolvierte er die Volksschule und Hauptschule, wechselte danach an die Handelsschule. Im Anschluss folgten die Berufsweiterbildungen zum Postbeamten und der Wechsel zum Außendienstmitarbeiter für Verkehrssicherheit. Schon in der Jugendzeit konsumierte Schiester regelmäßig Alkohol und Zigaretten. Mit Sport hatte er bis dahin, abgesehen vom verhassten Turnunterricht, nichts zu tun, umso lieber stopfte er aber fettiges Essen in sich hinein. Mit 20 Jahren konnte sich Schiester nicht mehr im Stehen die Socken anziehen und brachte 100,7 Kilogramm auf die Waage. Der Weg zum Hausarzt offenbarte Besorgniserregendes: „Wenn du so weiterlebst, bist du vielleicht mit 30 tot“, lautete die ernüchternde Diagnose. Es folgte eine radikale Änderung seines Lebens. Schiester begann, sich gesund zu ernähren und in regelmäßigen Abständen Sport zu betreiben, verzichtete außerdem auf Alkohol und Zigaretten. Anfangs war der Weg mühsam und von Rückschlägen geprägt.

Sportliche Karriere

In den ersten Wochen musste Schiester alle drei Minuten eine Gehpause einlegen. Der erste 10-Kilometer-Lauf endete bei Kilometer acht vollkommen erschöpft am Straßenrand. Doch der von seinen vormaligen Kneipenbrüdern belächelte Ehrgeizler gab nicht auf. Bei einem 7-Kilometer-Wettkampf kam er erstmals ins Ziel, wurde im Zielsprint aber von einem 72-Jährigen überholt. Eineinhalb Jahre nach seinem radikalen Wandel absolvierte der ehemalige Risikopatient den New-York-City-Marathon in gut drei Stunden. Danach geht es mit der Karriere als Läufer steil bergauf. Es folgen Titel bei Halbmarathons, Marathons, Berg- und Crossläufen. Schließlich wird der „Volkslauf“, wie er es nennt, für Schiester zu langweilig.

Schiester läuft 250 km durch Chile, 2009

Der Marathon des Sables, einer der bekanntesten Ultramarathons der Welt, sollte den Abschluss der Sportlerkarriere bilden. Doch es kam anders. In sechs Tagen kämpfte sich Schiester durch 243 Kilometer der marokkanischen Sahara und überquerte die Ziellinie als Zwölfter unter knapp 700 Teilnehmern. Obwohl er die bis dato härteste Herausforderung soeben erst hinter sich gebracht hatte, hatte der Österreicher eine Lust verspürt. „Die Anstrengung war unglaublich, aber die Erfahrung ebenso. Der Körper funktioniert auf Hochtouren, die Sinne schärfen sich, die Wahrnehmung wird unglaublich tief und der Geist entwickelt eine Art der Freiheit wie nie zuvor“, beschrieb er den Reiz des Ultramarathons.

Profisportler

Mit dem Motto „Quäle deinen Körper, sonst quält er dich!“ durchlief Schiester in den kommenden Jahren einige der unwirtlichsten Gegenden der Welt: das Gebirgsmassiv des Himalaya 2004, den Dschungel am Amazonas 2006, die Antarktis, die Sinai-Halbinsel als Trainingseinheit und den Desert Cup in der trockenen Atacamawüste 2009. Dazu gesellten sich nach und nach Vorträge, Seminare und Medienauftritte. Dort erzählte er von Fleischwunden auf den Sohlen, Halluzinationen, unvorstellbaren Qualen, hungernden Kindern, im Wasser lauernden Krokodilen und sturen Kamelen. 2007 schließlich hing Schiester seine Karriere im Außendienst an den Nagel und betreibt seitdem seinen Sport professionell. Es folgte die Gründung seiner eigenen Firma „extreme sport management“, 2009 erscheint sein erstes autobiografisches Buch mit dem Titel „Lauf ins Leben“.

Erfolge

  • 26-facher Steirischer Landesmeister und zweifacher Österreichischer Staatsmeister
Marathon New York, 1990 42 Kilometer Rang 952 (3:02:36)
Marathon Wien, 1991 42 Kilometer Rang 603 (2:55:29)
Marathon Graz, 1993 42 Kilometer Rang 5 (2:29:07)
Marathon des Sables Marokko, Sahara, 2003 243 Kilometer Rang 12
Himalaya Stage Race Indien, 2004 162 Kilometer Rang 1
Dschungel Marathon Brasilien, Amazonas, 2006 202 Kilometer Rang 3
Antarktis Race Antarktis, 2007 100 Kilometer Rang 1
Atacama Crossing Chile, 2009 250 Kilometer Rang 6

Werk

Weblinks

Quellen