Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien

Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien ist ein im Jahre 1996 erschienener Reisebericht von Peter Handke. Hintergrund des Buches ist Auseinandersetzung mit dem Land Serbien, das während der Jugoslawienkriege weithin als „Aggressor“ wahrgenommen wurde.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Im ersten Drittel des 136 Seiten umfassenden Buches befasst sich Peter Handke mit den Hintergründen der Reise und der medialen Darstellung des Jugoslawienkonflikts, wobei er besonders auf die antiserbische Haltung französischer Philosophen wie Alain Finkielkraut und Bernard-Henri Lévy eingeht. Anschließend beschreibt er seine Eindrücke von Land, Landschaft und Leuten einer Reise nach Serbien im Spätherbst 1995. Das Buch verfasste der Autor innerhalb von drei Wochen in Chaville bei Paris, wo er sich nach der Scheidung von seiner ersten Frau Libgart Schwarz mit Sophie Semin zum zweiten Mal verheiratete.[1] Das Buch beginnt mit den Worten: „Schon lange, nun fast vier Jahre lang, seit dem Ende des Krieges in Ostslawonien, der Zerstörung von Vukovar, seit dem Ausbruch des Krieges in Bosnien-Herzegowina, hatte ich vorgehabt, nach Serbien zu fahren.“ Im Anschluss an die Veröffentlichung des Buches entwickelte sich eine bis heute andauernde kontroverse Diskussion über das Buch.

Resonanz

Alain Finkielkraut titulierte Handke nach dem Erscheinen des Buches als ein "ideologisches Monster". Susan Sontag wollte seine Bücher nicht mehr lesen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erteilte ihm den Ratschlag, sich in die Psychiatrie einweisen zu lassen.[2]

Einen weiteren Nachhall fand die Diskussion um Inhalte des Buches, als Handke 2006 auf den Heinrich-Heine-Preis (Stadt Düsseldorf) verzichtete, nachdem bezweifelt wurde, ob er die vorgeblich in Heines Sinn formulierte Bedingung der Satzung erfülle, die vom Preisträger verlangt „den sozialen und politischen Fortschritt zu fördern, der Völkerverständigung zu dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen zu verbreiten“. Handke trat im gleichen Jahr auf der Beerdigung von Slobodan Milošević als Grabredner auf, nachdem er schon im Jahre 1996 aus den Händen von Radovan Karadžić den Verdienstorden der Republika Srpska erhielt.

Ausgaben

  • Peter Handke: Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien, 1996

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Spiegel: Dichters Winterreise - Peter Handkes Serbien-Reportage und die Intellektuellen eingesehen am 9. Dezember 2010
  2. literaturkritik.de: Land ohne Gerechtigkeit – Peter Handke bereist den Balkan eingesehen am 9. Dezember 2010