Ernst Herbeck

Ernst Herbeck (* 9. Oktober 1920 in Stockerau; † 11. September 1991 in Maria Gugging) war 45 Jahre lang Patient in der Niederösterreichischen Landesnervenklinik Gugging. Unter Anleitung seines Arztes Leo Navratil begann Herbeck Gedichte zu schreiben.

Ernst Herbeck wurde mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren und hatte damit eine einhergehende Sprechstörung. Er absolvierte die Hauptschule und besuchte anschließend ein Jahr lang die Handelsschule. Mit 20 Jahren wurde er zum ersten Mal an der Wiener Psychiatrischen Universitätsklinik aufgenommen. Zwei Jahre später erfolgte ein zweiter Spitalaufenthalt. Nach seiner Entlassung aus der Klinik arbeitete Herbeck wieder als Hilfsarbeiter in einem Rüstungswerk. Im Herbst 1944 wurde er zum deutschen Militär einberufen, im März 1945 wurde er als kriegsdienstuntauglich entlassen. Im September des gleichen Jahres erfolgte die dritte Aufnahme in die Klinik. Im Mai 1946 wurde Herbeck zum vierten Mal aufgenommen. Er wurde ins Krankenhaus überstellt und war seit dieser Zeit mit einer einjährigen Unterbrechung hospitalisiert.

Bekannt wurde er ab 1977 mit Veröffentlichungen unter dem Pseudonym Alexander.

Anders als seine Künstlerkollegen in Gugging Johann Hauser, August Walla und Oskar Tschirtner, die mit ihrer Malerei zentrale Künstler der Art Brut wurden, hat Ernst Herbeck immer nur den künstlerischen Ausdruck in Gedichten gesucht. „Herbeck hat stets nur auf Wunsch und meist nur nach Angabe eines Titels geschrieben. Änderungen und Korrekturen an seinen Texten nahm er nur während deren Entstehung vor, nachher nicht mehr,“ schrieb Navratil über seine Arbeitsweise.

Einen 1980 unternommenen Besuch bei Ernst Herbeck schildert der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler W. G. Sebald in seinem (allerdings reale Erlebnisse und Fiktionen vermischenden) Prosaband "Schwindel. Gefühle." von 1990 [1]. Sebald hat sich auch in einigen Essays mit den Texten Herbecks beschäftigt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Veröffentlichungen

  • Alexanders poetische Texte. Hg. Leo Navratil. dtv, München 1977. ISBN 3-423-01304-4
  • Bebende Herzen im Leibe der Hunde – Ernst Herbeck / Oswald Tschirtner. Hg. Leo Navratil. Rogner und Bernhard, München 1979. ISBN 3-8077-0128-1
  • Alexander. Ausgewählte Texte. 1961−1981. Residenz, Salzburg 1982. ISBN 3-7017-0319-1
  • Im Herbst da reiht der Feenwind. Gesammelte Texte 1960 - 1991. Residenz, Salzburg 1992. ISBN 3-7017-0762-6
  • Ernst Herbeck: Die Vergangenheit ist klar vorbei. Hgg. Carl Aigner & Leo Navratil. Brandstätter, Wien 2002. ISBN 3-85498-164-3. [3]

Literatur

  • Gisela Steinlechner: Über die Ver-Rückung der Sprache. Analytische Studien zu den Texten Alexanders. Wiener Arbeiten zur deutschen Literatur 14. Braumüller, Wien 1989. ISBN 3-7003-0827-2

Weblinks

Notizen

  1. S. 44-57 der Taschenbuchausgabe
  2. siehe im Ausstellungband Krems
  3. Begleitende Publikation zur Ausstellung in der Kunsthalle Krems 2002. Auswahl aus Herbecks Lyrik, ergänzt durch Autographen, Oswald Tschirtners Illustrationen zu den Gedichten sowie Texte, die Herbeck zu Bildern August Wallas verfasst hat. 2. Teil des Bands: Texte befreundeter Autoren, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Gerhard Roth, Sebald, u. a.