Ferdinand Krackowizer (Archivar)

Ferdinand Krackowizer (* 27. Mai 1844 in Wels; † 20. Oktober 1933 in Linz) war ein österreichischer Archivar, Schriftsteller, der erste oberösterreichische Landesarchivdirektor und Urgroßonkel vom Motorradprofessor Helmut Krackowizer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er kam in Wels als Sohn eines Magistratssekretärs und späteren Landesgerichtsrates zur Welt. 1850 bis 1854 besuchte er die Kreishauptschule in Steyr, da damals sein Vater als Assessor zum eben errichteten Landesgericht (später Kreisgericht) gekommen war. Danach bis 1862 war er am Stiftsgymnasium in Kremsmünster, Oberösterreich. Von 1862 bis 1865 studierte er Jus an der Universität in Wien und das folgende Jahr in Innsbruck. Am 26. März 1868 erlangte er dort das Doktordiplom. Schon zwei Jahre vorher, 1866, trat er in Salzburg in die Kanzlei des bekannten Rechtsanwaltes Dr. August Prinzinger ein und kam zu Beginn 1868 in die dortige Finanzprokuratur als Konzeptspraktikant. Nach wenigen Monaten übersiedelte er nach Linz in gleicher Eigenschaft, wo er bereits am 18. Juni gleichen Jahres beim Lande Oberösterreich Aufnahme fand. Da ihm aber die Tätigkeit im Konzeptsdienst nicht zusagt, schied er 1875 aus ihm aus und erhielt die Stelle eines Landesarchivars und Registrators.

1870 heiratete er Emma Würtenberger, eine Fabrikantenstocher aus Salzburg und Großnichte des Tiroler Freiheitshelden Josef Speckbacher. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, die mit Obermagistratsrat i. R. Innocenz Tallavania verheiratet war.

Ferdinand Krackowizer schrieb eine Reihe von landeskundlichen Studien wie eine kurze Geschichte des Linzer Theaters und gab auf Wunsch des oberösterreichischen Lehrervereines eine „Heimatskunde von Oberösterreich" heraus (1872), die nach der im Anschluss an das Reichsvolksschulgesetz erlassenen Unterrichtsordnung als „Handbüchlein zum Schulgebrauch" dienen sollte. Bemerkenswert bei diesem Buch ist die Verwendung des damals aufkommenden Namens „Heimatkunde" statt der bisher üblichen Bezeichnung „Landeskunde“.

Neben seinem Berufe und der Pflege der Geschichte seines Heimatlandes verfasste Krackowizer über seine Erinnerungen an Kremsmünster und an die Hochschule eine Reihe von Schriften, in denen seine Frohnatur zum hellen Ausdruck kommt; sie und andere Veröffentlichungen haben ihm als Humoristen einen Ruf verschafft, zumal seine ehedem viel gelesene „Naturgeschichte des österreichischen Studenten" im bekannten Verlage Reclam zu Leipzig erschien (1890). Sein handschriftliches Gedenkbuch „Aus meinem Leben und aus meiner Zeit" (1912/13) umfasst ebenfalls bloß die Jahre der Jugend bis 1870.

1893 begann in Österreich die staatliche Archivorganisation auf wissenschaftlicher Grundlage. Der oö Landesausschuss beschloss die Archive der Städte, Märkte und Kommunen des Landes verzeichnen zu lassen. Diese schwierige Aufgabe übernahm Krackowizer, der im Sommer 1895 jene Gemeinden aufsuchte, welche den Besitz von Archivalien gemeldet hatten. Am 1. September 1896 eröffnete das oberösterreichische Landesarchiv, dessen Leiter Ferdinand Krackowizer wurde.

Am 1. August 1903 trat er in den Ruhestand und erhielt 1921 anlässlich des 25jährigen Bestandes des Landesarchivs den Titel eines Landesarchivdirektors. Bei seinem Scheiden aus dem Amte gab er auf eigene Kosten eine Broschüre Das oberösterreichische. Landesarchiv zu Linz heraus, welche über dessen Zweck, Tätigkeit und Inhalt kurz berichtet. Während Krackowizer zu seinen Lebzeiten hauptsächlich als Humorist bekannt war, wird er im Gedächtnis der Nachwelt vorwiegend als Sammler weiterleben. Sein größtes Werk ist sein „Biographisches Lexikon des Landes Österreich ob der Enns“ (Gelehrte, Schriftsteller und Künstler Oberösterreichs seit 1800), 1931 erschienen. Er war Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde.

Werke

  • Biographisches Lexikon des Landes Österreich ob der Enns. Gelehrte, Schriftsteller und Künstler Oberösterreichs seit 1800. Passau und Linz a. Donau, Institut für Ostbairische Heimatforschung 1931. Online bei Austrian Literature Online

Literatur

Weblinks