Ferdinand von Rezniček

Ferdinand von Reznicek, Czardas-Tänzer. Aus "Simplicissimus" 1906

Ferdinand Freiherr von Rezniček (* 16. Juni 1868 in Sievering bei Wien; † 11. Mai 1909 in München) war ein österreichischer Maler, Zeichner und Illustrator.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Er entstammte einer böhmischen Familie und wurde als Sohn des k.u.k. Generals Joseph Rezniček geboren, der am 4. Januar 1853 in Wien in den österreichischen Ritterstand und am 2. Januar 1860 mit Diplom vom 1. Februar 1860 in Wien in den österreichischen Freiherrnstand erhoben worden war,[1] ein Halbbruder des Komponisten Emil Nikolaus Freiherr von Rezniček (1860-1945).

Leben

Rezniček sollte wie sein Vater eine militärische Laufbahn einschlagen, wurde Offizier der Kavallerie, ging dann aber bald seinen künstlerischen Neigungen nach. 1888 begann er ein Studium bei Paul Hoecker an der Akademie der Bildenden Künste München mit Schwerpunkt Freiluftmalerei. Rezniček arbeitete zunächst als Gebrauchsgrafiker, später für die Zeitschriften Jugend, Simplicissimus und Fliegende Blätter. Er spezialisierte sich auf die Darstellung der eleganten, mondänen Welt, für die er einen liebevoll-kritischen Blick bewies. Seine großformatigen, farbigen Zeichnungen hatten stets einen Hauch zarter Erotik. Sie trugen maßgeblich zum Verkaufserfolg des Simplicissimus bei.

Werk

„Reznicek zeigt in seinen Zeichnungen fast ausschließlich jugendliche elegante Frauen in duftigen feinen Kleidern und mit vornehmen, häufig auch recht geziert wirkenden Gesten. Diesen zarten, verspielt und kokett aussehenden Frauengestalten stellt er meist ziemlich plump wirkende, ältere, offensichtlich jedoch wohlbetuchte Männer kontrastierend gegenüber, entweder die Liebhaber oder die betrogenen Ehemänner. In einem seltenen Fall übernimmt eine Frau die gewichtige "fordernde" Rolle, was entschieden komischer dargestellt wird als die lächerliche Rolle, die die alten Männer spielen. ... Da gibt es Frauen in phantastischen duftigen Ballroben, tanzende Paare und den Faschingsflirt - Motive und Themen, die Reznicek mit unnachahmlicher Leichtigkeit umzusetzen verstand. ... Reznicek hat für den "Simplicissimus" ganz selten Akte gezeichnet. Die unbekleidete Frau war zu diesem Zeitpunkt, was ganz charakteristisch ist, noch kein "Simpl"-Thema - jedoch zeigt er häufig Frauen, von deren Schultern das Gewand im nächsten Augenblick herabzugleiten droht. ... Der einheitliche Stil seiner Arbeiten und der einfach zugängliche, niemals fordernde oder gar schockierende Inhalt seiner Darstellungen ließen Reznicek in den vierzehn Jahren seiner Tätigkeit für den "Simplicissimus" beim breiten Publikum zu einem der beliebtesten Mitarbeiter der Zeitschrift werden. “

SIMPLICISSIMUS Eine satirische Zeitschrift. Ausstellungskatalog (vgl. Literatur)

Sonstiges

Anlässlich einer Ausstellung von Zeichnungen Rezniceks für den Simplicissimus in den Räumen von Georg Hulbe im Hamburger Hof wurde gegen Hulbe durch Rudolf Mönckeberg, den Bruder des Bürgermeisters Mönckeberg, ein Gerichtsverfahren wegen "Erregung eines öffentlichen Ärgernisses" angestrengt. Dr. Rudolf Mönckeberg kritisierte (vorgeblich?) die Zeichnungen Rezniceks als obszön. Hulbe wurde vom Gericht zu 50 Mark Strafe verurteilt und "rächte" sich durch ein Steinrelief an seinem neuen Kunstgewerbehaus in der Mönckebergstraße 21, dem Hulbe-Haus. Hulbe muss diesen Vorgang als sehr verletzend und erniedrigend empfunden haben. Er war ein in Hamburg höchst angesehener Kunsthandwerker und Kunstmäzen, der sich Kaiserlicher Hoflieferant nennen konnte und unter anderem sowohl für den Reichstag wie auch für das Hamburger Rathaus die kostbaren Ledertapeten und Ledersitze angefertigt hatte.

Literatur

  • O. Matulla: Rezniček Ferdinand (Franz) Frh. von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 9, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, ISBN 3-7001-1483-4, S. 110.
  • Gerhard Flügge (Hrsg.): Ferdinand von Resnicek. Reihe Klassiker der Literatur im Eulenspiegel-Verlag, (Ost-)Berlin 1972.
  • Eva Chrambach: Chronist der Bal parés und der demi-monde in: Bayerische Staatszeitung vom 17. Januar 2003.
  • SIMPLICISSIMUS Eine satirische Zeitschrift. München 1896-1944. Ausstellungskatalog. Haus der Künst München. 19. November 1977 bis 15. Januar 1978. S. 419 f

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XI, Seite 366, Band 122 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2000, ISSN 0435-2408