Flugunfall auf dem Leopoldsberg von 1955

48.28095116.331005Koordinaten: 48° 16′ 51″ N, 16° 19′ 52″ O

Flugunfall auf dem Leopoldsberg von 1955
Convair 340.jpg

Die Convair 340 YU-ADC der JAT

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart CFIT
Ort Leopoldsberg, Wien, OsterreichÖsterreich Österreich
Datum 10. Oktober 1955
Todesopfer 7
Verletzte 17
Überlebende 22
Flugzeug
Flugzeugtyp Convair CV-340-58
Fluggesellschaft Jugoslovenski Aerotransport, Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien
Kennzeichen YU-ADC
Passagiere 25
Besatzung 4
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Beim Flugunfall auf dem Leopoldsberg von 1955 kollidierte eine Convair CV-340-58 der jugoslawischen Fluggesellschaft JAT beim Anflug auf den Flughafen Wien im dichten Nebel mit dem Gelände, wobei 7 der 29 Insassen getötet wurden[1].

Inhaltsverzeichnis

Flugverlauf

Die Maschine war um 13:30 Uhr vom Flughafen Belgrad gestartet, die Route sollte mit einem planmäßigen Zwischenstopp in Wien nach London führen. An Bord waren 25 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder. Der verantwortliche Pilot auf diesem Flug war Romeo Adun, sein Copilot Rista Kostic.

Der Anflug auf den Flughafen Wien war auf der Landebahn 11/29 mit einem Anflug über Süden, entlang der Donau stromaufwärts, um 15:30 geplant. Aufgrund des in Wien herrschenden dichten Nebels wurde eine verlängerte Warteschleife geflogen. Aufgrund des schlechten Wetters entschied sich lediglich eine weitere Maschine in Schwechat zu landen. Die anderen Maschinen wählten andere Flughäfen aus, so z. B. den Flughafen Linz-Hörsching. Die Maschine nahm um 15:25 Funkkontakt mit dem Tower in Wien auf und ersuchte um Landegenehmigung. Der Tower erteilte diese und gab Anweisung auf 3.500 Fuß (1.000 m) zu bleiben und bei Erreichen des Landekurssenders auf den Kurs der Landebahn einzudrehen und mit dem Sinkflug zu beginnen. Der Pilot drehte um 15:30 über eine eingeleitete Linkskurve auf den Landebahnkurs von 113° ein und erhielt nach neuerlichem Funkkontakt Landegenehmigung. Darauf wurde das Fahrwerk und die Landeklappen ausgefahren und mit dem Sinkflug begonnen.

In einer Höhe von knapp 400 Metern berührte die Maschine Baumwipfel des 425 m hohen Leopoldberges, worauf der Pilot den Fehler erkannte und noch versuchte die Maschine nach oben zu steuern. Augenzeugen berichteten den Einschlag um 15:42 in der Nähe der Josefinenhütte an der Wiener Höhenstraße.

Das Flugzeug zerbrach in zwei Teile, wobei der vordere Teil komplett zerstört wurde. Der Pilot und sechs weitere Insassen starben bei dem Aufprall, 17 weitere wurden verletzt. Der Copilot wurde aus dem Cockpit geschleudert und überlebte den Unfall schwer verletzt. Sechs Personen überstanden das Unglück unverletzt und konnten das Wrack mit eigenen Kräften verlassen.[2]

Fluggerät

Die CV 340-58 mit der Werknummer 178 war seit 1954 bei der JAT im Einsatz. JAT erhielt im selben Jahr zwei weitere CV 340, wobei eine am 22. Dezember 1956 beim Landeanflug auf den Flughafen München-Riem bei Grub und die andere am 4. Februar 1961 in Titograd verunglückte.

Unfallursache

Der Gedenkstein des ÖTK an der Wiener Höhenstraße

Der Unfall wurde vom Bundesamt für Zivilluftfahrt in Wien untersucht. Die Flugunfallkommission stellte fest, dass der Unfall auf einen zu weit gezogenen Bogen vor der Landung, mit einem damit verbundenen Orientierungsverlust und der daraus resultierenden Fehlinterpretation der Flughöhe zurückzuführen war. Der Pilot flog acht Minuten entlang der Donau stromaufwärts und geriet dabei nördlich des Kahlenberges und war somit weiter nördlich von seiner vermuteten Position. Beim Eindrehen auf den Landekurssender in der Verlängerung der Landebahn wurde mit dem Landeanflug begonnen und damit direkt auf den Berghang zugeflogen. Die Überlebenden berichteten, dass der Pilot kurz vor der Kollision die Maschine hochzog und damit Menschen rettete.

Das Wrack wurde drei Tage später von der Unglücksstelle abtransportiert und nach der Untersuchung durch die Behörden von einem Schrotthändler aus Wien aufgekauft und verwertet. Vom Österreichischen Touristenklub wurde am 21. April 1956 an der Absturzstelle ein Gedenkstein flankiert von zwei Zypressen errichtet.

Einzelnachweise

  1. aviation-safety.net: Beschreibung des Unfalls auf aviation-safety.net, abgerufen am 4. Juni 2012
  2. Flugzeugkatastrophe auf dem Leopoldsberg. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 11. Oktober 1955, S. 1.