Georg Wassilko von Serecki

Georg Graf Wassilko von Serecki
Elisa geb. von Ohanowicz (1909)
Die Söhne Alexander und Constantin Wassilko von Serecki (1903)

Graf Georg Wassilko von Serecki, (* 17. Februar 1864 auf Schloss Berhometh; † 24. März 1940 in Czernowitz), war K. u. K. Kämmerer und Wirklicher Geheimer Rat, ein österreichischer und rumänischer Politiker, Landeshauptmann des Herzogtums Bukowina, erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats, aus der Familie Wassilko.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Der älteste Sohn des Freiherren Alexander Wassilko von Serecki wuchs auf Schloss Berhometh auf und absolvierte das Gymnasium teils in Czernowitz, teils an der k. k. Theresianischen Akademie in Wien. Dort und in Czernowitz studierte er die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Schon als Student war ihm Chauvinismus und Standesdünkel fern und gehörte so an der Universität dem internationalen Korps "Danubia" an. Ferner stand er der liberalen rumänischen Verbindung „România Jună“ sehr nahe. Die von ihm veranstalteten Rumänenbälle, als deren Komiteepräsindent er häufig fungierte, waren legendär. Er wurde als solcher von Kronprinz Rudolf, anlässlich des Besuchs eines dieser Bälle in damals vielbemerkter Weise ausgezeichnet.[1].

Am 5. Oktober 1890 heiratete er auf Schloss Mendyk Elise von Ohanowicz (* 20. April 1874 auf Schloss Mendyk; † 15. Oktober 1943 in Czernowitz), mit der er zwei Söhne, Constantin (* 9. August 1891 auf Schloss Berhometh; † 25. Dezember 1932 in Czernowitz) und Alexander (* 17. November 1893 auf Schloss Berhometh; † 27. Mai 1972 in Dumbrăveni) hatte.[2]

Nach dem Tod seines Vaters wurde er Fideikommissherr (1893). Danach widmete er sich für Jahrzehnte der Politik, aber auch der Bewirtschaftung seines Besitzes.

Georg wurde bereits am 19. Dezember 1905 mit dem Titel eines k. u. k. Kämmerers geehrt[3], und durch Allerhöchste Entschließung vom 29. August 1918 zu Eckartsau (Diplom vom 19. Oktober zu Wien) von Kaiser Karl I. wegen seiner Treue zum Staat und seiner persönlichen Opfer in den Grafenstand erhoben.[4]

Der Graf hat die Folgen des Hitler-Stalin-Paktes und des Zweiten Weltkriegs nicht mehr erlebt.

Politisches Wirken

Innerhalb der neuen rumänischen politischen Gesellschaft begann 1885 ein Kampf zwischen dem konservatorischen Flügel des Großgrundbesitzes und den Jungintelektuellen mit George Popovici, Constantin Isopescul, Florea Lupul, T. V. Ştefanelli, Constantin Morariu, Johann von Flondor und anderen. Der junge Student schloss sich diesen Leuten begeistert an. Diese einigten sich schließlich mit den Konservativen und gründeten nach der Affaire um den Landespräsidenten Anton Graf Pace 1892 den politischen Verein, „Concordia“, einen Vorläufer der Rumänischen Nationalen Partei, der sich für eine Verbreitung der sozialen Basis durch die Einsetzung der Mittelstände und der Bauernschaft, als auch für eine politische Aktivität mit einem geprägtem nationalen Charakter äußerte.[5] Der Baron wurde bereits am 8. März 1895 als Nachfolger des Barons Viktor von Styrczea[6] gewählt (bis 1904), wo er sich dem Honewart’schen Klub bis zu dessen Zerfall anschloss. Danach gründete er in Wien, zusammen mit George Popovici, Alexander Freiherren von Hormuzaki und den anderen rumänischen Abgeordneten den Rumänen-Club (Clubul Parlamentar Român) innerhalb des Reichsrats , wo er Obmannstellvertreter war. Dessen Stimmen benötigte die Regierung für das Erreichen der Mehrheit bei derm Verabschiedung verschiedener Gesetzesvorlagen. Dafür erhielten die Rumänen einige Vorteile, wie zum Beispiel die Gründung einiger rumänischer Parallelklassen am deutschen Gymnasium in Czernowitz, u. a. Desgleichen setzte er sich vehement gegen die Verfolgung der Rumänen in Siebenbürgen ein. Er war auch Mitbegründer des politischen Sprachrohrs der Partei, der Zeitung „Gazeta Bucovinei“ (1898).[7]

1901, auf dem Höhepunkt der „Tschechenkrise“ und eines in sich zerrissenen Reichsrates, wo Wassilko während der Sitzung vom 6. März 1901 ein Wurfattentat mit einem vollen Tintenfass des tschechischen Nationalisten Klofač auf den Präsidenten verhindern konnte,[8][9], klagte Kaiser Franz Joseph I. kurze Zeit später in einem Gespräch ihm gegenüber: „Die parlamentarische Lage ist wieder sehr ernst. So geht es nicht weiter. Es ist zum Verzweifeln. Vielen Abgeordneten fehlt der gute Wille und sie Courage.“[10][11]

Im Oktober 1903 kam es zum Eklat in der sog. Flondoraffaire, in der der Abgeordnete Johann von Flondor übelste antisemitische Hetztiraden im "Bukowinaer Journal" hatte schreiben lassen. Dieser hatte sein Ehrenwort gegeben, mit der Sache nichts zu tun zuhaben, wurde jedoch der Unwahrheit überführt. Trotzdem hielt der Rumänenklub zu ihm, was den Freiherrn zum Austritt aus dieser Gesellschaft bewog. Er argumentierte, dass er einem Klub, der konfessionelle Hetze in einem Lande dulde und fördere, seiner politischen vorurteilsfreien Überzeugung nach nicht angehören könne. Viele Beobachter meinten, hiermit habe er seine politische Karriere beendet. Doch Wassilko gründete die „Mittelpartei“ und gewann mit ihr den Wahlkampf.[12]

Zuerst wurde er am 10. Juni 1904 zum ständigen, später (1907) Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats bestellt und am 14. September 1904 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph II. zum Landeshauptmann des Herzogtums Bukowina, ein Amt, das er bis Juli 1911 bekleidete.[13][1].

Nach dem Anschluss der Bukowina an Rumänien wurde er 1919 und 1922 mit großer Mehrheit als Abgeordneter in das rumänische Parlament gewählt und Vizepräsident des rumänischen Senats.[14]

Georg war vor und auch nach dem Krieg ein großer Förderer Förderer sowie Ehrenvorsitzender der rumänischen Gesellschaft „Junimea“, der einflussreichsten geistigen, kulturellen und politischen rumänischen Vereinigung des 19. Jahrhunderts.

Orden

Der Graf wurde u. a. mit dem Großkreuz des Franz-Joseph Ordens[15], Ritterkreuz des Österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens[16] und von König Carol I. von Rumänien mit dem Großkreuz des Ordens Stern von Rumänien (Steaua României) ausgezeichnet.[17]

Wappen (1918)

Wappen Grafen Wassilko von Serecki

Ein blauer Schild, in welchem ein aufgerichteter Pfeil von einem Halbmonde, dessen nach abwärts gekehrte Spitzen mit je einem sechsstrahligen Sterne besetzt sind, überstiegen wird, dies alles golden. Auf dem Hauptrande des Schildes ruht die goldene Grafenkrone mit neun sichtbaren Perlenzinken, überhöht von einem offenen gekrönten Turnierhelme, den beiderseits blaue, mit Gold unterlegte Decken umwallen. Aus der Helmkrone geht ein von einem goldenen Pfeil quer nach rechts durchschossener natürlicher Pfauenwedel von zwei Reihen zu je fünf Federn hervor. Unterhalb des Schildes verbreitet sich eine bronzefarbene Arabeske, auf welcher zwei als Schildhalter dienende, einander zugekehrte aufgerichtete natürliche Hirsche, die zwischen den Geweihen goldene Kreuze tragen, stehen.[15]

Die Regeln des Fideikomisses wurden nach des Grafen Ableben beibehalten. Infolge des frühen Todes des ältesten Sohnes, Constantin, trat sein jüngerer Bruder das Vermächtnis an.

Ab 1945 folgten Enteignung, Zwangsevakuierung und politische Verfolgung durch das kommunistische System. Heute leben die Nachfahren in Deutschland, Kanada und Rumänien.

Einzelnachweise

  1. a b „Bukowinaer Post“ vom 15. September 1904, Leitartikel, S. 1
  2. Gothaisches Genealogischen Taschenbuch der Gräflichen Häuser Teil B, 114. Jahrgang, S. 536-537, 1941
  3. Erich Prokopowitsch: Der Adel in der Bukowina, Südostdeutscher Verlag, München, 1983, S.130
  4. Adelsbrief 1918
  5. Mihai-Ştefan Ceauşu, Czernowitz 1892 in: Wladimir Fischer (Hg.), Räume und Grenzen in Österreich-Ungarn 1867-1918: kulturwissenschaftliche Annäherungen, Francke Verlag 2010, S. 36 ff
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Abgeordneten_zum_%C3%96sterreichischen_Abgeordnetenhaus_%28VIII._Legislaturperiode%29 in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats
  7. Ion Nistor, Istoria Bucovinei, Ed. Humanitas, Bukarest, 1991, S. 261, S. 262-263
  8. Rochester NY Democrat Cronical, Friday, March 8. 1901.
  9. Gustav Kolmer, Parlament und Verfassung in Österreich: Bd. 1900-1904, Verlag C. Fromme, 1914, S. 166
  10. Gustav Kolmer, Parlament und Verfassung in Österreich: Bd. 1900-1904, Verlag C. Fromme, 1907, S. 381
  11. Die Grenzboten, Band 61,Teil 2, Verlag. F.L. Herbig, München 1902, S. 177
  12. Die Flondoraffaire im Bukowinaer Landtage. Nach den stenographischen Protokollen. Czernowitz 1903. Verlag der „Bukowinaer Post“, Druck Isidor Wiehler, Czernowitz, S. 83, 88, 95-98
  13. Gustav Kolmer, Das Herrenhaus des österreichischen Reichsrats nach dem Bestande Ende des Jahres 1906, Verlag C. Fromme, 1907, S. 381
  14. Ionas Aurelian Rus, „Variables affecting nation-building: The impact of the ethnic basis, the educational system, industrialization and sudden shocks“, The State University of New Jersey, New Brunswick, 2008, S. 168
  15. a b Adelsbrief für Georg Graf Wassilko, 1918
  16. Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie: Band 33, 1907, S. 871
  17. Neamul românesc, Bände 2-3, Bucureşti, 1907, S. 338

Literatur

  • Die Gothaischen Genealogischen Taschenbücher des Adels S-Z, S. 606, GB 1919
  • Gothaisches Genealogischen Taschenbuch der Gräflichen Häuser Teil B, S. 536-537, 114. Jahrgang, 1941
  • Die Flondoraffaire im Bukowinaer Landtage. Nach den stenographischen Protokollen. Czernowitz 1903. Verlag der „Bukowinaer Post“, Druck Isidor Wiehler, Czernowitz, 256 S.
  • Ion Nistor, Istoria Bucovinei, Editura Humanitas , Bucureşti 1991
  • Erich Prokopowitsch, Der Adel in der Bukowina, Verlag "Der Südostdeutsche", München 1983
  • Ion Drăguşanul, Bucovina faptului divers, Vol. 1,2, Editura Bucovina Viitoare, Suceava, 2002
  • Mihai-Ştefan Ceauşu, Czernowitz 1892 in: Wladimir Fischer (Hg.), Räume und Grenzen in Österreich-Ungarn 1867-1918: kulturwissenschaftliche Annäherungen, Francke Verlag 2010

Weblinks

 Commons: Georg Wassilko von Serecki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Iancu von Lupul Landeshauptmann der Bukowina
1904–1911
Alexander Freiherr von Hormuzaki