Gerhard Schwarz (Journalist)

Gerhard Schwarz (* 19. April 1951[1] in Hard, Österreich[2]; heimatberechtigt in St. Gallen[3]) ist ein österreichisch-schweizerischer Journalist und Direktor der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse. Zuvor war er von 1981 bis 2010 Wirtschaftsjournalist der Neuen Zürcher Zeitung.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach der Matura am humanistischen Gymnasium in Bregenz begann Schwarz 1969[4] ein Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule St. Gallen, das er mit einer Diplomarbeit zur Anwendbarkeit der Kybernetik auf Probleme der Volkswirtschaftslehre (abgegeben Herbst 1972) abschloss. Er war mehrere Jahre lang Assistent bei Walter Adolf Jöhr und absolvierte Studienaufenthalte in Great Barrington, USA, und Bogotá, Kolumbien. 1980 promovierte er mit einer entwicklungsökonomischen Arbeit zum Thema Mikroindustrialisierung über Handwerk und Angepasste Technologie in Kolumbien. Nach kurzer Tätigkeit für die Hilti AG in Schaan trat Schwarz 1981 in die Wirtschaftsredaktion der Neuen Zürcher Zeitung ein. Von 1982 bis 1986 war er Wirtschaftskorrespondent in Paris. Ab Anfang 1987 war er Wirtschaftsredaktor in Zürich, 1994 übernahm er die Leitung der Wirtschaftsredaktion. 1995 absolvierte Schwarz das Advanced-Management-Programm der Harvard Business School in Cambridge, USA. 2008 wurde Schwarz stellvertretender Chefredaktor der NZZ. Seine Arbeitsschwerpunkte waren Konjunkturpolitik, Ordnungspolitik und Geldpolitik. Am 1. November 2010 übernahm Schwarz als Nachfolger von Thomas Held die Direktion der Denkfabrik Avenir Suisse.[5] Seit dem Wintersemester 1989/90 ist er ausserdem Lehrbeauftragter an der Universität Zürich.

Schwarz ist Mitglied der Mont Pelerin Society[6], mehrerer Stiftungsräte – darunter der St. Galler Stiftung für Internationale Studien[7] – und war bis im Sommer 2011 Vorsitzender der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. Weiter ist er Vizepräsident der Progress Foundation.[8] Er war bis 2010 Vorstandsmitglied des Vereins zur Herausgabe der Schweizer Monatshefte, für die er zahlreiche Aufsätze verfasste und weiterhin verfasst.

Jürgen Nordmann zählt Schwarz zu den herausragenden neoliberalen Journalisten («second hand dealers in ideas» sensu Hayek) im deutschsprachigen Zeitungssektor.[6]

Gerhard Schwarz wurde 1996 (zusammen mit Juergen B. Donges) mit dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik und 2009 mit dem Jahrespreis der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur[9] geehrt.

Gerhard Schwarz ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in Zürich.[10] Er wurde 1982 in der Schweiz eingebürgert und ist heute österreichisch-schweizerischer Doppelbürger.[4]

Publikationen

  • Zeigen Sie grundsätzlich und an ausgewählten Beispielen die Anwendbarkeit der Kybernetik auf Probleme der Nationalökonomie. Diplomarbeit, Hochschule St. Gallen, Herbst 1972.
  • Hemmnisse und Hindernisse bei der Verwirklichung des Konzeptes der Angepassten Technologie in Entwicklungsländern (Angepasste Technologie. Nr. 6). St. Gallen 1978.
  • Mikroindustrialisierung: Handwerk und Angepasste Technologie als Elemente einer alternativen Entwicklung – Kolumbien als empirischer Bezug. Dissertation, Hochschule St. Gallen, 1980. Rüegger, Diessenhofen 1980, ISBN 3-7253-0111-5.
  • Ausländische Direktinvestitionen und Entwicklung: Eine umfassende Evaluierung – Das Beispiel der Zementfabrik INCSA in Costa Rica. Rüegger, Diessenhofen 1980, ISBN 3-7253-0104-2.
  • Ordnungspolitische Sorglosigkeit als Wettbewerbsnachteil: Schwindender Vorsprung der Schweiz (Schriftenreihe Zeitthemen. Nr. 6). Arbeitskreis Kapital und Wirtschaft, Zürich 1990.
  • Die «soziale Kälte» des Liberalismus: Versuch einer Klärung. Comdok, St. Augustin 1992, ISBN 3-89351-074-5.
  • Zuviel Marktwirtschaft? (= Zeitfragen der schweizerischen Wirtschaft und Politik. Nr. 146). Redressement National, Zürich 1997.
Als Herausgeber
  • Wo Regeln bremsen… Deregulierung und Privatisierung im Vormarsch. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1988, ISBN 3-85823-216-5.
  • Das Soziale der Marktwirtschaft. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1990, ISBN 3-85823-276-9.
  • (mit Robert Nef) Neidökonomie: Wirtschaftspolitische Aspekte eines Lasters. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2000, ISBN 3-85823-859-7.
  • (mit Uwe Justus Wenzel) Lust und Last des Liberalismus: Philosophische und ökonomische Perspektiven. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2006, ISBN 978-3-03823-249-0.
  • (mit Gerd Habermann und Claudia Aebersold) Die Idee der Freiheit: Eine Bibliografie von 111 Werken der liberalen Geistesgeschichte. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2007, ISBN 978-3-03823-329-9.
  • Vertrauen: Anker einer freiheitlichen Ordnung. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2007, 978-3-03823-330-5.
  • (mit R. James Breiding) Wirtschaftswunder Schweiz. Ursprung und Zukunft eines Erfolgsmodells, Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2011, ISBN 978-3-03-823645-0.
  • Das Ringen um die Freiheit. Hayeks Verfassung der Freiheit nach 50 Jahren, hrsg. mit Michael Wohlgemuth, NZZ Libro, Zürich 2011, ISBN 978-3-03823-712-9.

Literatur

  • Gerd Habermann, Marcel Studer (Hrsg): Der Liberalismus – eine zeitlose Idee: Nationale, europäische und globale Perspektiven. Festschrift für Gerhard Schwarz zum 60. Geburtstag. Olzog, München 2011, ISBN 978-3-7892-8221-8.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vernissage der Festschrift für Dr. Gerhard Schwarz, Website der Friedrich-A.-von-Hayek-Gesellschaft, 28. April 2011, abgerufen am 2. Januar 2012.
  2. Schweizer Monatshefte. Band 80 (2001), Ausgabe 11, S. 17.
  3. Gerhard Schwarz im Impressum der Neuen Zürcher Zeitung, abgerufen am 2. Januar 2012.
  4. a b «In der Familie darf durchaus Kommunismus herrschen». In: SonntagsZeitung. 1. Mai 2011, hier auf der Website von Avenir Suisse, abgerufen am 2. Januar 2012.
  5. Gerhard Schwarz auf der Website von Avenir Suisse, abgerufen am 2. Januar 2012.
  6. a b Jürgen Nordmann: Keine Alternative – Neoliberale Positionen in den Printmedien nach dem Finanzcrash. in: Walter Otto Ötsch, Claus Thomasberger (Hrsg.): Der neoliberale Markt-Diskurs: Ursprünge, Geschichte, Wirkungen. Metropolis, Marburg 2009, S. 257–276, hier: S. 263.
  7. International Students' Committee, Board of Trustees, abgerufen am 2. Februar 2012.
  8. Stiftungsrat, Website der Progress Foundation, abgerufen am 2. Januar 2012.
  9. Preisträger, Website der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur, abgerufen am 2. Januar 2012.
  10. «Es ist sinnlos, den Drang nach mehr Wohlstand unterbinden zu wollen». In: Berner Zeitung/Newsnetz. Aktualisiert am 29. Januar 2011, abgerufen am 2. Januar 2012.