Hanns Georg Heintschel-Heinegg

Hanns Georg Heintschel-Heinegg (* 5. September 1919 in Knežičky, Tschechoslowakei; † 5. Dezember 1944 in Wien, Österreich) war ein österreichischer Lyriker, Theologiestudent und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Hanns Georg Heintschel-Heinegg wurde im Böhmerwald in Tschechien geboren, übersiedelte jedoch im Alter von sieben Jahren nach Wien, wo er die Schule besuchte. In den 1930er Jahren kam er ans Theresianum, wo er sich früh mit der deutschsprachigen Literatur beschäftigte und im Jahr 1937 maturierte. Danach trat er in das Priesterseminar Canisianum in Innsbruck ein. Bald nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 musste er das Theologiestudium abbrechen und schloss sich in Wien der österreichischen Widerstandsbewegung um Roman Karl Scholz an.

Im Jahr 1940 wurde die Freiheitsbewegung um Pater Scholz von einem ihrer Mitglieder, dem Burgschauspieler Otto Hartmann, an die Gestapo verraten. Im Juni 1940 wurden über 200 Mitglieder, darunter Hanns Georg Heintschel-Heinegg, verhaftet. Am 23. Juli 1940 wurde Heintschel-Heinegg zusammen mit den anderen führenden Mitgliedern der drei genannten Widerstandsbewegungen verhaftet. Die Verlegung Heintschel-Heineggs und vieler seiner Gleichgesinnten nach Anrath erfolgte Anfang Juli 1941. Die Eintönigkeit seiner Arbeit, täglich 1600 Briefumschläge zu kleben und das ihm auferlegte Schreibverbot, bedeuten für Heintschel-Heinegg eine überaus große Belastung: “Will ich nicht lügen, so muß ich auch bekennen, daß ich in größter geistiger Not bin: in der Not, kein Wort niederschreiben zu dürfen von den Legionen Gedanken über Kunst, Wissenschaft und menschliches Leben, die mich brausend erfüllen, die mich aber nun peinigen [...]“ 9 . Anfang November 1941, ausgelöst durch den tragischen Tod von Pater Bernhard Burgstaller, Abt des österreichischen Zisterzienserklosters Wilhering, wurde Heintschel-Heinegg nach Krefeld verlegt. Besonders der Aufenthalt im Krefelder Gefängnis, aber auch seine zweite Anrather Zeit ab März 1943, waren noch einmal Stätten eines reichen dichterischen Schaffens. Obwohl die Krefelder Zeit auch viele Strapazen mit sich brachte - die Gefangenen blieben z.B. während der Luftangriffe in ihren Zellen gefesselt - schien sie für Heintschel-Heinegg doch mit manchen Erleichterungen verbunden gewesen zu sein: Mehr Zeit für freie Beschäftigung schlägt sich nieder in Notizbüchern voller Gedanken. Ab März 1943 wieder im Anrather Gefängnis, da von seinem Mithäftling Heinrich Zeder als „Hölle von Anrath“ bezeichnet wurde 10 , begannen für Heintschel-Heinegg erneut die Zeit des „ Mißtrostes und Unbehagens“: Heintschel-Heinegg schreibt: „Ich habe keine Erlaubnis zu Studium oder eigenem Schreibzeug, so daß der Tag, mit elf Arbeitsstunden und nächtlicher Unruhe von oben randvoll ausgefüllt, grau in grau dahinsinkt. Die wenigen Gedichte entstehen sehr behelfsmäßig und können nicht mehr sorgsam niedergeschrieben werdenNach der Verlegung in verschiedene Lager und Gefängnisse wurde er im Februar 1944 von einem in Wien tagenden Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 5. Dezember 1944 hingerichtet. Die Hinrichtung wurde von Mitinhaftierten detailliert beschrieben: Nach dem Empfang der Kommunion wurden die Gefangenen gegen 18.00 Uhr zur Hinrichtung abgeholt. Wenn der Todeskandidat die Tür verlassen hat, so nehmen ihn zwei Wächter in die Mitte, der Pastor tritt auf seine rechte Seite - der Gefängnispfarrer hatte sich schon vorher verabschiedet -, und so geht es durch den langen Gang bis zur Tür des Exekutionsraumes. Dort wird der Delinquent von den Scharfrichtern in Empfang genommen, der Geistliche bleibt zurück. Dann befindet man sich in einem nur vom elektrischen Licht erhellten Raum, der durch einen schwarzen Vorhang in zwei Teile geschieden ist. Im vorderen Teil sitzt der Oberstaatsanwalt mit der Vollstreckungskommission. Dieser fragt: ‘Sind Sie der Herr soundso? Ja? Das gegen Sie vom Volkgerichtshof gefällte Todesurteil wird jetzt vollstreckt.’ Dann reißen die Henker die Füße des Delinquenten nach hinten, er fällt mit dem Gesicht direkt in ein großes Heftpflaster, das ihm den Mund verschließt, und er wird auf ein Rollbett geworfen, das mit dem Fallbeil in Kontakt steht. Dieses Brett gleitet zwei kurze Schienen entlang. Dann, direkt unter dem Beil, löst sich eine Feder aus, das 45 kg schwere Messer des Fallbeils stürzt mit 300 kg Fallgewicht herunter und trennt das Haupt vom Rumpfe.[...] Alles in allem dauert die Exekution kaum eine Minute

Schriften

  • Hans Georg Heintschel-Heinegg: Vermächtnis. Mit einer biographischen Einleitung von Rüdiger Engerth. Querschnitt Verlag, Graz 1947.

Literatur

  • Heintschel von Heinegg, Hanns Georg. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 251.
  • Ignaz Christoph Kühmayer: Auferstehung. Dom-Verlag, Wien 1948.
  • Ildefons Fux: Hanns Georg Heintschel-Heinegg, Student der Theologie, Dichter, Patriot. In: Jan Mikrut (Hrsg.): Blutzeugen des Glaubens. Bd. I, Dom-Verlag, Wien 1999, ISBN 3-85351-159-7.
  • Otfried Pustejovsky: Christlicher Widerstand gegen die NS-Herrschaft in den böhmischen Ländern. Lit Verlag, 2009, ISBN 978-3-8258-1703-9.
  • Ulrich Bons: Gedichte hinter Mauern. In: Anrather Heimatbuch 2000. Willich-Anrath 1999.
  • Heinrich Zeder: Judas sucht einen Bruder. Wien 1947.
  • Aurel Billstein: Der eine fällt, die andern rücken nach..., Dokumente des Widerstandes und der Verfolgung in Krefeld 1933 - 1945. Frankfurt 1973, DNB 740132083.
  • Ulrich Bons: Der Tod eines österreichischen Abtes im Anrather Gefängnis. In: Heimatbuch des Kreises Viersen 2000. Viersen 1999.
  • Christine Klusacek: Die österreichische Freiheitsbewegung Gruppe Roman Karl Scholz. Wien 1968.

Weblinks