Johann Ludwig Hektor von Isolani

Isolani, unbekanntes Datum

Johann Ludwig Hektor Graf von Isolani (oder Goan Lodovico Hector Isolano; * 1586 in Görz; † März 1640 in Wien) war ein kaiserlicher General der kroatischen Reiter im Dreißigjährigen Krieg. Er diente vier deutschen Kaisern und kämpfte in den vier Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges. Seine Truppen waren berüchtigt für ihre Verbrechen an der Zivilbevölkerung:

„… was in ihre Gewalt kam wurde niedergehauen, den Leuten die Zungen, Nasen und Ohren abgeschnitten, heiß' Pech, Zinn, Blei und allerhand Unflat durch die Ohren, Nase und Mund in den Leib gegossen, etliche durch allerlei Instrumente schmerzlich gemartert, viele mit Stricken aneinander gekuppelt, ins offene Feld in eine Reihe gestellt und mit der Büchse als Zielscheibe auf sie geschossen, dem Weibsvolke ohne Unterschied des Alters Gewalt angetan, in die Kinder gefallen, sie gesäbelt, gespießt und in Backöfen gebraten, die Kirchen zu Kloaken gemacht …“[1]

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Leben bis zum Dreißigjährigen Krieg

Isolani stammte aus einem zyprischen Adelsgeschlecht und trat – wie auch schon sein Vater – in kaiserliche Kriegsdienste. Hier kämpfte er von 1600 bis 1606 in Kroatien gegen die Türken. 1602 wurde er gefangen, entkam jedoch und floh nach Siebenbürgen. Wegen seiner Herkunft aus einem konfliktreichen Gebiet und seine frühen Kriegserfahrungen hatte Isolani im Gegensatz zu seinen späteren Vorgesetzten Gottfried Heinrich zu Pappenheim, Heinrich von Holk oder Octavio Piccolomini keine universitäre Bildung.[2] Über Isolanis Leben nach dem Frieden von Zsitvatorok 1606 ist nichts bekannt, vermutlich diente er aber weiterhin als Soldat in Ungarn.[3]

Dienst unter Wallenstein

Im Dreißigjährigen Krieg diente er Ferdinand II. wohl noch als Hauptmann und nahm an der Schlacht am Weißen Berg und dem Feldzug in die Kurpfalz teil, wo er vermutlich zu den Eroberern Heidelbergs unter dem Befehl Tillys gehörte.[4] Auf Empfehlung Wallensteins übertrug Kaiser Ferdinand II. am 22. Juni 1625 Isolani das Kommando über ein 600 Soldaten starkes kroatisches Reiterregiment.[5] Die leichte Reiterei war nicht zum Einsatz in der Schlachtlinie gedacht, sondern sollte bei Märschen die Flanken sichern, das Gebiet und die feindlichen Truppen aufklären, die Nachschublinien des Gegners attackieren und in protestantischen Gebieten die Bevölkerung terrorisieren.[6] Seinen Auftrag als Kavallerieoberst erfüllte Isolani zu Wallensteins Zufriedenheit; im April 1626 erwarb er wegen seines Einsatzes beim Flankenangriff unter der Führung des Grafen Schlick in der Schlacht bei Dessau Wallensteins Dankbarkeit.[7] In der nächsten Zeit verfolgte er den unterlegenen Mansfeld, bis dieser Ende November in Bosnien starb. Im Sommer 1627 eroberte Isolanis Reiter mit Pappenheims Truppen die Stadt Wolfenbüttel, 1628 kämpften sie unter Jean de Merode in Pommern gegen die dänischen Truppen, ehe sie wieder unter Schlicks Befehl durch Jütland bis an das Kap Skagen zogen.[8]

Nach Wallensteins Entlassung 1630 kämpfte Isolani unter dem Befehl von Torquato Conti und Ernst Montecuccoli wenig erfolgreich gegen die schwedischen Truppen.[8]

Anfang 1632 wurde Isolani zum General über alle Kroaten ernannt und Wallenstein beauftragte ihn mit der Anwerbung weiterer kroatischer Söldner. Im nächsten Jahr konnte Isolanis leichte Kavallerie große Erfolge gegen die Armeen Gustav Adolfs erzielen. So waren es die Reiter unter Isolanis Kommando, die in der Schlacht an der Alten Veste den schwedischen Ausfall aufhielten.[9] Im Sommer sollte Isolani sich mit den Truppen Heinrich von Holks vereinigen, um den Herrn von Kursachsen, Johann Georg I. zu bekriegen. Auf dem Weg zu Holk wurde Isolani jedoch bei Coburg von Bernhard von Sachsen-Weimar gestellt und in einem kurzen Gefecht geschlagen. Dennoch verwüsteten die Kroaten das Vogtland und das Meißener Umland schwer. In der folgenden Schlacht bei Lützen zeichnete sich Isolani aus, als seine Reiter zunächst den Feind ausspähten und in Scharmützeln beschäftigten und Wallenstein vor dem Angriff warnten, wodurch er sich vorbereiten konnte und Gustav Adolf das Überraschungsmoment verloren ging. In der Schlacht selbst befehligte 2200 Soldaten an der linken Front bis zum Eintreffen Pappenheims. Als Pappenheim schwer verwundet wurde und die Kaiserlichen wieder in die Defensive gerieten, gelang es Isolani, den rechten schwedischen Flügel zu umgehen und die zweite Schlachtreihe zu attackieren. Diese Aktion schwächte die Schweden und trug zum uneindeutigen Schlachtausgang bei.[10] 1633 lieferte er sich zahlreiche Scharmützel in Sachsen und Schlesien.

Abkehr von Wallenstein

1634 unterzeichnete Isolani noch den Pilsener Schluss, fiel dann aber doch von Wallenstein ab und erhielt von den Gütern Wallensteins die Herrschaft Aicha-Friedstein sowie den Grafentitel.[11] Isolani führte die kroatischen Truppen nach Südthüringen, wo er das Winterlager errichten ließ. Am Schreckenstag 16. Oktober 1634 wurde die Stadt Themar von Kroaten fast völlig zerstört von 300 Häusern blieben nur noch 69 übrig. Die in kleinen Kommandos umherziehenden Reiter überzogen das ganze Henneberger Land bis vor die Tore von Meiningen mit Überfällen. Im Oktober 1634 wurde auch die Stadt Suhl eingenommen, die dortige Waffenfabrikation kam zum Erliegen. Man zog weiter in Richtung Salzungen und durch die Rhön, was in den Pfarrbüchern der Gemeinden Tiefenort und Frankenheim/Rhön belegt ist. In diesem Teil des Landes grassierte zu dieser Zeit die Pest.

Später kämpfte er bei Nördlingen. Nach der Schlacht verfolgten die kaiserlichen ihre schwedischen Widersacher, und Isolanis Kroaten verfolgten Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustaf Horn im protestantischen Württemberg, das dabei verwüstet wurde. Es gelang Isolani, die Feldmarschälle Horn und Kratz gefangen zu nehmen, aber Bernhard von Weimar entkam.[12] Nach Nördlingen kämpfte er in Hessen, 1636 mit Gallas in der Picardie und in Burgund. 1637 war Isolani wieder in Hessen unter Johann von Werth tätig, 1638 wieder in Pommern und 1639 schließlich am Oberrhein gegen Bernhard von Weimar und Marschall Jean Baptiste Budes de Guébriant.[13]

Johann Ludwig Hektor Graf von Isolani verbrachte den Winter 1639/40 in Wien, wo er im März 1640 starb.[13]

Literarisches Nachleben

Graf Isolani spielt eine bedeutende Rolle in Friedrich Schillers historischem Drama Die Piccolomini. Sein Name ist heute vor allem durch die beiden Eingangsverse dieses Theaterstücks bekannt, die in zahlreiche Zitatsammlungen Aufnahme fanden:

Spät kommt Ihr – Doch Ihr kommt! Der weite Weg,
Graf Isolan, entschuldigt Euer Säumen.

Gesprochen werden diese Verse von der Dramenfigur Illo, die ebenfalls ein reales Vorbild in der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges hat.

Quellen und Literatur

  • Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. ISBN 3-7995-4240-X
  • Hermann Hallwich: Isolano, Johann Ludwig Graf. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 637–640.
  • Max Sauerbrey: Tiefenort a. d.Werra und die Krayenburg. Verlag von C.Fröhlich´s Wwe, Tiefenort (Werra) 1935.
  • Pfarrbuch der Gemeinde Tiefenort (Werra)
  • Pfarrbuch Frankenheim und Birx 1656-1738

Weblinks

 Commons: Lodovico Isolani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gemeinde Guxhagen (Hrsg.): 650 Jahre Guxhagen, 125 Jahre Gesangverein. Festschrift. 2002. S. 39–40.
  2. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 106)
  3. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 108)
  4. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 109)
  5. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 110)
  6. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 111)
  7. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 113)
  8. a b Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 114)
  9. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 115)
  10. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 116, 117)
  11. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 118)
  12. Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 119)
  13. a b Heinrich Bücheler: Von Pappenheim zu Piccolomini. Sechs Gestalten aus Wallensteins Lager, Sigmaringen 1994. (S. 120)