Kupelwieser-Schlössl

Kupelwieser-Schlössl auf dem Mönchsberg
Kupelwieserschlössl: Torhaus

Das Kupelwieser-Schlössl, auch Falkenturm, Konstantinturm oder Marienschlösschen genannt ist ein neugotisches Bauwerk auf dem Mönchsberg in Salzburg in unmittelbarer Nähe der Bauten der Richterhöhe.

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Bau, als am 23. April 1364 der Zimmermann Wolfhart zusammen mit seiner Frau Elsbeth und der gleichnamigen Tochter die zunächst des Falkenturms gelegene „Peunt“ (damit ist eine eingezäunte Wiese gemeint) zum Leibgedinge zugunsten des Siechenhauses in Mülln erhält. Der Turm diente offenbar zur Aufbewahrung der Falken für die erzbischöfliche Jagd. In der Folge gelangt der Turm ins Eigentum der des Domkapitels bzw. der Domprobstei, daher heißt der Turm 1389 „Tumherrenturm“ und 1417 „Tumprobsteiturm“ Das Domkapitel verpachtet in der Folge den Turm, so eben 1612 an Konstantin Graf Liechtenstein, auf den die Bezeichnung Konstantinturm zurückgeht. Am 10. Dezember 1642 wird das Gebäude mit den umliegenden Liegenschaften der "Hohen Salzburger Landschaft" zu Befestigungszwecken verkauft.

Am 29. August 1674 erhält das Kloster St. Peter im Tausch gegen den Riedenburger Berg den Besitz um den Turm und das dazugehörige „Stöckl“, ohne den Turm selbst, und machte daraus die sogenannte „Konstantinmeierei“. Diese bestand aus einem zwei Stock hohen, an den Turm angelehnten gemauerten Haus, einem gesonderten Backofen und weiteren landwirtschaftlichen Gebäuden (Laub- und Holzhütte, Scheune mit Dreschtenne, Keller und Wagenschuppen) und etwa 7000 m² Grund. Im Jahre 1822 wird auch diese Meierei vom Kloster St. Peter wegen zu geringer Einkünfte versteigert. Der seit vielen Jahren einsturzgefährdete Turm bricht 1831 in sich zusammen. Der damalige Meiereibesitzer Vogl kauft von der Fortifikationsdirektion den Grund, auf dem der eingestürzte Turm stand (ca. 77 m²). In den folgenden Jahren wechselte sich eine Reihe von Besitzern ab, die alle durch Kauf an den Besitz kamen.

1863 erwarben Josef und Anna Achleitner die Meierei. Josef Achleitner war ein damals bekannter Zitterspieler und zugleich königlich-bayerischer Kammervirtuose und Kammermusikus des Königs Otto von Griechenland. Er ließ die bisherigen Gebäude abtragen und erbaute einen neuen Turm mit einer Aussichtswarte und einer dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechender neogotischer und historisierender Innenausstattung. Es wird gesagt, dass er Besucher mit dem Flügelhorn empfangen und dann auf den Söller geführt hat. Nach dem Tode des Erbauers am 5. März 1891 kam der Besitz zuerst an die Witwe und dann (1892) an den Sohn, der ihn an Marie Geisberg verkauften. Das Inventar wurde versteigert und aus dem Haus wurde unter dem Namen „Marienschlösschen“ eine Fremdenpension. 1902 erwarb Marie Fischer das Gebäude. Der nächste Käufer mit Kaufvertrag vom 2. Dezember 1912 war der Industrielle Franz Kupelwieser, der verschiedene Anbauten und Renovierungen vorgenommen und den Besitz „Stauffenegg“ genannt hat. Diese Bezeichnung hatte aber keinen Bestand. Franz Kupelwieser ließ auch das Torhaus sowie ein Mäuerchen mit einem Brunnen vor dem Torhaus errichten. Sein Sohn Ernst Kupelwieser, ein bedeutender Physiologe und Entwickler eines Verfahrens zur Entbitterung der Sojabohne, übernahm nach dem Tod seines Vater 1930 den Besitz. Nach ihm ging das Schlösschen auf seine Tochter Gerheid Widrich über, die hier seit 1965 mit Hans Widrich wohnt.

Das Kupelwieserschlössl heute

Gottfried von Einem war, als er dem Direktorium der Salzburger Festspiele angehörte, hier zu Gast. Kurzfristig hat 1948 hier auch Bertolt Brecht gewohnt und an dem Stück „Salzburger Totentanz“ gearbeitet, wobei dies nicht ohne gehässige Kommentare durch den Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Gustav A. Canaval, abgegangen ist. Bekannt ist das Kupelwieserschlössl auch, da Peter Handke zwischen 1979 und 1988 hier gelebt hat. Er beschreibt seine Spaziergänge am Mönchsberg in „Nachmittag eines Schriftstellers“. Auch ein Teil seines Frühwerkes („Die Wiederholung“, „Die Abwesenheit“, „Über die Dörfer“) und zahlreiche Übersetzungen (William Adonis, Aischylos, Jean Genet, Shakespeare oder Sophokles) hat Handke hier verfasst. Es sind hier auch Werke wie „Die Lehre der Sainte Victoire“ (1980), „Kindergeschichte“ (1981), „Der Chinese des Schmerzes“ (1983), „Nachmittag eines Schriftstellers“ (1987), „Die Wiederholung“ (1986) und „Die Abwesenheit“ (1987) entstanden. In dem Band „Am Felsfenster morgens“ (1998) sind Erinnerungen an Salzburg verarbeitet. Sein Gastgeber, Jugendfreund und Landsmann Widrich baute eine umfangreiche Handke-Sammlung auf, die er der Österreichischen Nationalbibliothek als Dauerleihgabe überließ. Weitere handgeschriebene Manuskripte einiger Handke-Texte befinden sich im Salzburger Literaturarchiv.

Literatur

  • Adolf Frank, Der Mönchsberg und seine Baulichkeiten. Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 70, 1930, S. 1-44.
  • Christian F. Uhlir (Hrsg.): Salzburger Stadtberge. Mönchsberg – Kapuzinerberg – Festungsberg – Nonnberg – Rainberg. 2011, Salzburg: edition Winterwork, ISBN 978-3-86468-033-5.

47.7944513.039888888889503Koordinaten: 47° 47′ 40″ N, 13° 2′ 24″ O