Marie Wilt

Marie Wilt als Valentine in den „Hugenotten“ (um 1879)

Marie Wilt (* 30. Januar 1833 in Wien; † 24. September 1891 ebenda) war eine österreichische Sopranistin der Klassischen Musik.

Leben und Wirken

Marie Liebenthaler, wie sie mit Geburtsnamen hieß, wurde früh Vollwaise und daher von den Maler Josef Tremier (gest. Wien 24. September 1891) adoptiert. In jungen Jahren erhielt sie Klavierunterricht und sang in kleineren Chören mit, aber man hielt ihre Gesangsbegabung für unzureichend. Mit 19 Jahren heiratete sie den Ingenieur Franz Wilt und hatte dadurch den Pflichten einer Hausfrau nachzukommen. Mittlerweile bedingt durch den Beruf ihres Mannes in Dalmatien lebend und auch Mutter geworden, fühlte sie sich doch immer wieder zum Gesang hingezogen und bildete sich zunächst autodidaktisch weiter. Um der Einsamkeit dieses Landes und ihrer monotonen Hausarbeit zu entfliehen, kehrte sie schließlich nach Wien zurück, wo sie zunächst eine langwierige Halsentzündung überstand. Anschließend arbeitete sie wieder mit Energie an ihrer Wunschvorstellung, Opernsängerin zu werden. Sie knüpfte Kontakte zu dem Direktor des Wiener Singvereins Johann von Herbeck, der ihr einige kleinere Solopartien in Oratorien übertrug, sie aber eindringlich zwecks weiter Stimmbildung zu Josef Gänsbacher empfahl. Mittlerweile über 30 Jahren alt geworden gab sie vor der Sopranistin Désirée Artôt de Padilla eine Gesangsprobe, und wurde durch sie unbedingt zur Fortführung ihrer Karriere ermuntert. Derart motiviert begann Marie Wilt in den folgenden Jahren mit einer steile Karriere, welche aber der Ehe abträglich war, und die dann auch später geschieden wurde.

Schließlich debütierte sie im Jahr 1865 mit der Rolle der Donna Anna aus Mozarts Oper Don Giovanni und erhielt auf Grund ihres überzeugenden Erfolges unmittelbar danach ein erstes Engagement an der Covent Garden Opera in London. Trotz eines herben Rückschlages auf Grund einer lebensbedrohlichen Kohlegasvergiftung erholte sie sich rasch wieder und weitere internationale Einladungen vor allem nach London aber auch an fast alle anderen renommierten europäischen Opernhäuser folgten. Trotz allem war ihr eigentliches zu Hause aber bis 1870 das Theater am Kärntnertor, wo sie 1869 zur Kammersängerin ernannt wurde, sowie bis 1878 die Wiener Staatsoper. Hier übernahm sie unter anderem die Rollen der „Leonore“ in Verdis Oper Der Troubadour, der Aida in seiner gleichnamigen Oper oder der „Sulamith“ aus Karl Goldmarks Oper Die Königin von Saba, der „Königin der Nacht“ aus Mozarts Die Zauberflöte und sie war vor allem bei den wichtigsten Uraufführungen jener Zeit eine gefragte Sopranistin. Auch beim Schumannfest 1873 in Bonn zugunsten eines repräsentativen Denkmals für die Grabstätte von Robert Schumann oder beim Niederrheinischen Musikfest im gleichen Jahr in Aachen sowie bei weiteren repräsentativen Einsätzen war sie ein gefeierter Star. Zwischenzeitlich wurde sie im Jahr 1871 zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ernannt.

Nach ihrer Wiener Zeit wurde sie zunächst für zwei Jahre am Opernhaus Leipzig verpflichtet, wo sie eine Saison lang vor allem in der Rolle der Brünhild aus dem Ring des Nibelungen von Richard Wagner unter der Leitung von Anton Seidl überzeugte. Es folgten drei Jahre am Frankfurter Opernhaus sowie weitere Gastarrangements in Budapest und Brünn.

Erst 1886 führte ihr Weg sie wieder an die Wiener Staatsoper zurück, zu deren Ehrenmitglied sie nun ernannt wurde. Doch nur ein Jahr später, nach einem letzten Auftritt in Salzburg, verabschiedete sie sich mit erst 54 Jahren von der Bühne, physisch wie psychisch erschöpft und ausgelaugt von circa 25 Jahren fast pausenlosen und engagierten Einsatzes als Sängerin. Sie lebte nun zurückgezogen in Graz in der Nähe ihrer Tochter, litt immer mehr unter Depressionen und erlebte zur gleichen Zeit auch eine unerfüllte Liebe zu einem wesentlich jüngeren Mann. Nachdem ihr bei einem nochmaligen Auftrittsversuch im Sommer 1891 die Stimme versagte, stürzte sie sich schließlich im September des gleichen Jahres während eines Kuraufenthaltes von einem Hochhaus in Wien in den Freitod.

Das Repertoire von Marie Wilt umfasste die wichtigsten Sopranrollen der großen Opern, aber auch Solopartien in bedeutenden Oratorien und Messen wie beispielsweise in Verdis Messa da Requiem, in der Missa Solemnis von Beethoven oder in dessen 9. Sinfonie. Sie verfügte dabei über einen außerordentlichen Stimmenumfang beginnend von einer hohen Alt-Lage bis zu annähernd dreieinhalb Oktaven. Sie beherrschte den Koloraturgesang genauso perfekt wie den breiten pathetischen Vortrag eines dramatischen Soprans. Mit ihrer überzeugenden Gesangskunst kompensierte sie ihre weniger vollendeten schauspielerischen Leistungen, da ihr von verschiedenen Musikkritikern auf Grund ihrer überaus massigen Gestalt die Eleganz für die jeweiligen Rollen abgesprochen wurde.

Literatur und Quellen

  • Max Dietz: Wilt, Marie. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 312–316.
  • Adolf von Wilbrandts: Wiener Lebenserinnerungen, Kap. 5: über Marie Wilt, bei Zeno.org.:[1]
  • Pahlen, Kurt (1971): Große Sänger unserer Zeit, Gütersloh, Wien. Bertelsmann. ISBN 3-570-05707-0
  • Payne, Albert (1896): Berühmte Sängerinnen der Vergangenheit und Gegenwart, Eine Sammlung von 91 Biographien und 90 Porträts. Leipzig. Payne

Weblinks

  • Marie Wilt. In: FemBio. Frauen-Biographieforschung. (mit Literaturangaben und Zitaten)