Monika Fioreschy

Monika Fioreschy (* 4. April 1947 in Auer (Südtirol)) ist eine österreichische Künstlerin, die von der klassischen Webkunst ausgehend eine neue Technik entwickelt hat, die sie Transfusionsbild und Sil-Ikone nennt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Fioreschy begann nach dem Schulabschluss an der Universität für Angewandte Kunst, damals noch Hochschule, in Wien Malerei und Webtechnik in der Meisterklasse von Grete Rader-Soulek und bei Emilio Vedova in Salzburg zu studieren. Schon während des Studiums schuf sie Gobelins mit abstrakten Bildwelten, gab sich aber mit einem Verharren in der traditionellen Webkunst nicht zufrieden. Nach dem Diplom 1971 experimentierte sie mit ungewöhnlichen Materialien, um neue Ausdrucksmöglichkeiten für die uralte Webtechnik zu finden. Als Beobachterin während einer Herzoperation stieß sie schließlich auf die Bluttransfusionsschläuche aus Silikon, die ihr Werk nachhaltig prägen sollten.

Seit 1993 ersetzt sie den Wollfaden durch Silikonschläuche, transformiert so radikal die herkömmliche Bildweberei. Darauf aufbauend entwickelte sie die neue Kunstform des „Transfusionsbildes“, indem sie das Silikonschlauchgewebe mittels einer Einwegspritze anfangs mit Blut, später dann mit Chlorophyll (ebenfalls bei ihr ein „Lebenssaft“) und Farbe füllte. In Anlehnung an medizinische Bluttransfusionen greift sie bewusst die Bilder der christlichen Opfermythologie auf, allerdings stehen bei ihr die positiven Aspekte der Lebenserhaltung und Lebensstiftung im Vordergrund. Damit ist es ihr gelungen aus der traditionellen Textilkunst herauszufinden und das entstehende „Web-Bild“ unabhängig von seiner Formensprache mit zusätzlichen Inhalten aufzuladen. Das Gewebe hat nicht mehr nur eine passive, rein bildtragende Funktion, sondern diktiert nun Form und Struktur des Bildes mit und nimmt selbst an der Bildgestaltung teil. Mit dieser neuartigen Technik erreicht die Künstlerin Raum-, Struktur- und Farbeffekte, die an den Suprematismus von Kasimir Malewitsch anknüpfen und diesen um eine Dimension erweitern.

Einige Autoren, darunter Wieland Schmied, Otto Breicha, Hilmar Hoffmann, Bazon Brock, Dieter Ronte, Peter Weiermeier, Ludwig Tavernier und andere beschäftigten sich bereits mit ihrem Werk. Das Institut für Kunstwissenschaft der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, machte Monika Fioreschys Bildweberei zum Diplomthema und unterstreicht damit ihre Bedeutung für die moderne Kunstrezeption. Im Katalog „Open heart silicon tissue: „Ein Bündel von Energien“ schreibt der Kunsthistoriker Wieland Schmied über die Arbeit von Monika Fioreschy: Es geht ihr um komplexe Zielstrebungen; um es mit einem Paradoxon auszudrücken: Monika Fioreschy ist eine Webkünstlerin, die die Webkunst überwunden hat – ohne dabei aufzuhören, Webkünstlerin zu bleiben. (…) Ohne mit der vertrauten Webtechnik zu brechen, tritt Monika Fioreschy damit endgültig in den Kontext der Avantgarde ein: nicht nur durch ihre stets neuen Erfahrungen offene, sich allen Feststellungen konsequent entziehende Konzeption, sondern auch konkret durch die Einführung eines Materials, das sie als Erste kunstwürdig macht. Die Verwendung von Silikonschläuchen in der Webkunst stellt eine echte Innovation dar. Unser Verständnis des modernen Bildteppichs wird durch sie revolutioniert. Mit ihren Arbeiten setzt die Künstlerin seit Jahrzehnten Maßstäbe mit ungewöhnlichen Materialien und bleibt dabei nicht stehen: 2008 schafft sie die ersten sogenannten Sil-Ikonen. Anknüpfend an die Kunst der Ikonenmalerei, „lädt“ sie ihre Silikongewebe mittels moderner Reproduktions-Techniken mit spirituellen, symbolischen, aber auch künstlerischen Darstellungen wie Portraits, wie beispielsweise von Hans Küng, auf. Damit tritt das Silikongewebe als aktiver Bildträger wieder etwas in den Hintergrund und verleiht dem Dargestellten so einen besonderen Ausdruck durch seine Struktur und Dreidimensionalität.

In Einzelausstellungen und Beteiligungen sind Fioreschys Werke unter anderem im Guggenheim Museum in New York, im Lentos Kunstmuseum Linz, im Museion Bozen und im Ludwig Museum Koblenz vertreten.

Fioreschy ist mit dem Herzchirurgen Felix Unger verheiratet und die Mutter des Architekten Stephan Unger und des Designers Matthäus Unger. Sie lebt und arbeitet seit 1985 in Salzburg und ist Gründungsmitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. 2011 bekam sie das goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Sie hat die Kunst des Bildteppichs mit Konzeptionen der Avantgarde verbunden und dadurch die Technik des Bildwebens auf eine neue Stufe gehoben.

Werkeinteilung

  • Frühe Malerei
  • Bildteppiche
  • Zwitter: halb Wolle – halb Silikonschlauch
  • 1. Transfusionsbild: Tempera
  • Blut: Transfusionsbilder
  • Pflanzensaft – Chlorophyll: Transfusionsbilder
  • Transfusionsbilder: Farbe
  • Verpuppungen
  • Leuchtende Bilder
  • Kristallgewebe
  • Sil Ikonen
  • Portraits und Madonna
  • Goldene Tissue
  • Silicon-Tissue
  • Papierarbeiten: Fundstücke, Erbstücke, Bildersegen

Bilder

Das Bild „Europa-Transfusion/Antlitz Europa“, Silikonschläuche, Blut und Farbe, 1994 welches 1999 in einer Ausstellung im „Jerusalem Center for the Performing Art“ unter dem Kuratorium von Teddy Kollek ausgestellt wurde, nimmt einen zentralen Stellenwert im Gesamtwerk der Künstlerin Monika Fioreschy ein.

Monika Fioreschy hat als Tochter eines Politikers schon ganz früh miterlebt, welche Wunden Europa geschlagen wurden. Erst mittels ihrer eigenen Technik des Transfusionsbildes nimmt sie die Thematik in ihr Schaffen auf. Die Europa-Transfusion ist vierteilig. Die Zahl 4 ist Symbol der Erde, Symbol der Ganzheit. Jedes Einzelbild transportiert über seine Farbe eine Botschaft. Blau ist die Farbe der Unendlichkeit, Rot die Farbe des Reichtums, der Kraft, der Lebensfreude, Grün die Farbe der Natur. Das Blut im vierten Teil der Komposition ist Symbol für Anfang und Ende, für Leben und Tod.

Bezugnehmend auf die Bedeutung der Bluttransfusionsbilder sind an dieser Stelle Theologen und Kunsthistoriker zitiert:

Eugen Biser: Ostern 1995 Kollegienkirche Salzburg „Die Transfusionsbilder suggerieren die Vorstellung von fließendem und versickerndem Blut, von Blut, das im Sand des Gegebenen verrinnt und dort zu neuen Linien und Flächen koaguliert. Die dadurch entstehende Suggestion erweckt den Eindruck, als blicke man durch die Oberfläche der Dinge hindurch auf die sich tragenden Strukturen. Das vermittelt dem Betrachter das Gefühl der eigentümlichen Entrückung, das schließlich zu einer Umkehrung seines Sehaktes führt. Jetzt schlägt das Bewußtsein, etwas zu sehen, unversehens in den Eindruck um, daß sich etwas, was gemeinhin nicht zu sehen ist, abzeichnet und zeigt: eine Landschaft, die nicht so sehr etwas darstellt als vielmehr ertönt, spricht und schreit.“

Pichas Lapide: 1994 Ostern Salzburg „Aus Blut Bildnisse zu formen, so künstlerisch zu entfalten, wie Monika Fioreschy es tut, gibt dem Blut eine neue Dimension. Blut ist der Urstoff aus dem wir Menschen unserer Phantasie freien Lauf gewähren, um darzustellen, zu malen, zu gestalten, was jenseits aller Wortfähigkeit liegt, was nur in Farben und Gemälden seinen lebendigen Ausdruck finden kann. Weder heilig noch tabu sollte Blut sein, sondern das Mittel des Lebens, das Elixier aller Lebendigkeit und der Stoff aus dem wir weiter gestalten können, wie unsere Gedanken und Ahnungen über Leben und Tod.“

Otto Breicha: Parnass 1994 „Neuartig, ja geradezu innovativ. Für ihre zahlreichen Webereien von stets beachtlicher Qualität ist sie viel gelobt worden, gibt sich aber mit dieser Anerkennung nur ungern zufrieden: Leben (das sie auch mit ihrem Weben gestalten will) sei eben nicht nur schön und wohltuend. Sie möchte sich mit dem, was sie tut der Zeit stellen, in der sie nun einmal lebt. Schon möglich, daß Monika Fioreschys neue Transfusionsbilder manchen nicht gefallen werden, die sich für ihre bisherigen Bildteppiche begeistert haben. Sie hat aber bei dem, wozu sie sich neuerdings entschlossen hat, das viel bessere Gefühl, dort zu sein, wo sie hingehört: mitten im sogenannten modernen Leben. Sie hat es auf ihre Weise erreicht, ohne von dem zu lassen, was sie kann, aber auf ihre Weise zustande gebracht, ihr Können neu (innovativ) zu polen. Sie greift -aufgeschlossen wie sie ist- zu zeitgerechtem Werkstoff und Werkzeug, also zu synthetischem Plastikmaterial und zur Einwegspritze anstatt zu Wolle und Pinsel. Ihre neuen Bildwerke sind solche, die sich „abheben“."

Bibliografie

  • 2011 Ludwig Tavernier, Beate Reifenscheid: Arbeiten/Works Transformation
  • 2007 Wieland Schmied: Katalog Cultural Palace Sharjah
  • 2005 Wieland Schmied: Open Heart Silicon Tissue Katalog
  • 2003 Anne Marie Koppenwallner, Parmass, Sept. Licht-Dynamik. Ludwig Tavernier (Hrsg.) studies in european culture. Vera Hübl: Monika von Fioreschy, Bildweberein, ISBN 3-89739-345-X
  • 2001 Peter Weiermair: Rehau-Art Katalog, Weltgewebe
  • 1999 Doris Esser: Salzburger Nachrichten, Wochenendbeilage: Leben und Sein – Abschied und Aufbruch
  • 1998 Eugen Biser: An-Denken, Festausgabe, Styria Verlag, ISBN 3-222-12563-5, Sprechende Bilder: zu den Transfusionsbildern von Monika Fioreschy. Matthias Boeckl, Das Fenster, Tiroler Kulturzeitschrift 43, Gobelins
  • 1997 Wolfgang Becker, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Achen, Bluttransfusionsbilder
  • 1996 Bazon Brock „Stunde der Kunst“, St. Bonifaz, München. Ora et labora „Befreiung vom Götzendienst“. Doris Esser, Salzburger Nachrichten, Wochenendbeilage: Unter der Haut. Luxemburger Wort, die Warte, Perspectives, Kulturelle Wochenendbeilage: Sprechende Bilder
  • 1995 Fibertals, Vol. 22 Nr. 2 Publication. Dieter Ronte, Transfusionsbilder, Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste. Europäisches Patentamt München, Katalog
  • 1994 Otto Breicha, Über die Transfusionsbilder, Parnass
  • 1991 Wieland Schmied, Otto Breicha, Matthias Boeckl, Prestl Verlag, Bildteppiche

Einzelausstellungen

  • 2011 Koblenz, Ludwig Museum
  • 2009 München, Galerie Heufelder
  • 2007 Sharjah, VAE, Cultural Palace Sharjah
  • 2006 Linz, Leonding Galerie Zauner
  • 2005 Ljubljana, Mestna Galerija. Maribor, Razstavni Salon Rotovi
  • 2003 Salzburg, Galerie der Stadt Miralbellgarten. Linz, Leonding, Galerie Zauner. Koblenz, KIK Kunst im Klinikum
  • 2002 Passau, Museum Modernenr Kunst, Stiftung Wörlen. Berlin, Kunstforum der Österreichischen Botschaft. Salzburg, Deutsche Bank. Bonn, Remagen-Rolandseck, Europäisches Kulturzentrum
  • 2001 Rehau, Rehau-Art-Eröffnungsaustellung
  • 2000 München, Kunstbuncker Tumulka
  • 1999 Jerusalem, The Jerusalem Center for the Performing Arts, Sherover-Foyer Theater: Teddy Kollek eröffnet Europa-Transfusion
  • 1997 Aachen, Ludwig-Forum für Internationale Kunst
  • 1996 München, St. Bonifaz, Stunde der Kunst mit Bazok Brock. Bozen, Galerie Prisma. Innsbruck, Tiroler Kunstpavillon. Brüssel, Übergabe der Europa-Transfusion an Jacques Santer
  • 1995 Salzburg, Kollegienkirche. Salzburg, ACP-Galerie
  • 1993 Washington, Österreichische Botschaft
  • 1992 München, Gasteig. Neu-Isenburg Hilmar Hoffmann Grussworte Fioreschy Bildteppich
  • 1991 Salzburg, Stadtkino
  • 1989 Salzburg, Rupertinum
  • 1983 Innsbruck, Kunstpavillon
  • 1981 Innsbruck, Galerie Annasäule. Bozen, Haus der Kultur Walther von der Vogelweide
  • 1977 Wien, Galerie Würthle

Ausstellungsbeteiligungen

  • 2004 Linz, Lentos, Paulas Home
  • 2001 Frankfurt/Main, mak.frankfurt, Schirn Kunsthalle: eine Ausstellung in 4 Kapiteln und 2 Häusern, Blut: Perspektiven der Kunst, Macht und Politik, Pathologie
  • 1998 Hangzhou, China, Teilnahme an der 1. West Lake Art Fair

Weblinks und Quellen