Monte (Club)

St. Annahof und Annakirche

Das Montevideo (auch: Monte) war von den 1980er Jahren bis 2001 eine Szene-Diskothek im St. Annahof im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt, Annagasse 3.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1894 wurde im St. Annahof vom Architektenduo Fellner und Helmer das Etablissement Tabarin als ein mehrstöckiges Revuetheater integriert. Es handelte sich um einen prunkvollen Ballsaal nach Pariser Vorbild.[1]

Großer Saal des St. Annahofes, Ende 19. Jahrhundert

Das Tabarin musste nach 1938 seinen Namen – entsprechend der Sprachregelung im Dritten Reich – in Triumph-Tanzpalast ändern.[2] Dort spielte unter anderen Fratelli Sereno, ein bekannter Swingsänger.[3][4] Horst Winter, den die Kriegswirren nach Wien verschlagen hatten, begann bereits Ende 1945 eine Bigband aufzustellen, aus der später das berühmte Wiener Tanz Orchester (WTO) entstand.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde in dem großen Saal eine Geschossdecke eingezogen und das Lokal in mehrere kleine Lokale aufgeteilt (späteres Monte, Tenne, Take Five, Wiener Wald). Das spätere Club Take Five hatte damals den Namen Wintergarten und dann später Playboy-Club. In den 1950er Jahren entstand an diesem Standort die Melodies Bar.[5] Dort spielten unter anderem Maxi Böhm, Hugo Wiener und Cissy Kraner.[6] Das Chapeau Rouge war eine Bar, in der Champagner getrunken wurde.[7]

In den 1950er Jahren fanden in den Räumlichkeiten des Tabrin unter anderem Modeshows für „stärkere Damen“ statt.[8]

1955 eröffnete der Jazz Musiker Fatty George sein Lokal in der Tabarin Bar, das Fatty's Jazz Casino. Sein Verdienst liegt in der Vermittlung des Mainstream Jazz in einem Land, in dem während der Nazi-Herrschaft „undeutsche“ Musik und solche aus den Vereinigten Staaten verboten war. Seine Schallplatten – die erste entstand 1954 – trugen hierzu ganz wesentlich bei, ebenso wie ab 1977 seine Auftritte in seiner eigenen, von der ORF produzierten Fernsehsendung „Fatty live“. [9]

Ende der 1950er Jahre gründeten Niki Czernin, Alfi Windisch-Graetz und Thomas Hörbiger den Playboy-Club, einer der ersten Discotheken Wiens.[10] Nachdem zwei weitere Besitzer dazugestoßen waren, wurde das Lokal in Take Five umbenannt.[11]

1963 führte die österreichische Schlagerband „Bambis“ das Lokal in der Annagasse. Ihre beiden größten Erfolge waren „Melancholie“ und „Nur ein Bild von Dir“, mit denen sie 1964 und 1965 Plätze in den Charts belegten. Zu dieser Zeit wurde das Tabarin in Tenne umbenannt.[12] Damals wurde auch jene hässliche (nun wieder entfernte) Betonzwischendecke eingezogen, die die prachtvollen Fin de siècle-Stuckverzierungen an der Decke verbarg.[13]

Seit 1960 eigenständiges Lokal

Seit der Trennung des großen Lokals in mehrere kleinere, eigenständige Lokale in den 1960er Jahren, gab es in den Räumlichkeiten der späteren Diskothek Monte – es war zu Tabarin-Zeiten der Eingangsbereich zum großen Tanzsaal – mehrere Pächter. Das Lokal hieß unter anderem Little Tabarin, Playboy-Dancing, C3, Spiegel, Montevideo und Monte. [14]

Seit 1980 Monte bzw. Montevideo

Seit den 1980er Jahren bis Mitte 2001 war das Lokal Montevideo[15] bzw. Monte ein beliebter Szenetreffpunkt in Wien und gehörte neben dem "Take Five" zu den nobelsten Diskotheken Wiens.[16][17] Der Türsteher und Szenefotograf Conny de Beauclair begann seine Karriere in den 1980er Jahren in diesem Lokal.[18][19]

Die Club-Disco Monte wurde häufig von internationalen Stars besucht. Ein regelmäßiger Gast war der Sänger Hans Hölzl (Falco).[20][21] Grace Jones war bei ihrem Besuch vom Lokal angenehm überrascht und half spontan einen Abend hinter der Bar aus.[22] Negativ in die Schlagzeilen geriet das Lokal, nachdem Charlie Sheen und Kiefer Sutherland nach Dreharbeiten zum Film "Die drei Musketiere" eine Schlägerei im Lokal angezettelt hatten.[23]

Weitere bekannte Gäste waren etwa Prinzessin Lila Schwarzenberg, Herbert Grönemeyer, Claude Montana, Xavier Naidoo, Eros Ramazzotti, Bjørn Dunkerbeck. [24] [25] [26]

Im Jahr 2001 fand ein Pächterwechsel und eine Neuorientierung auf ein junges Publikum statt. Der Lokalumbau und das neue Konzept wurden aber nicht angenommen, und deshalb musste das Lokal nach einigen unglücklichen Versuchen schließen.[27]

2008-2010 wurde im Souterrain - unterhalb des ehemaligen Tabarin (heute Burgerking) - der große Saal in der Ausstattung von 1910 durch Art & Style renoviert und kann besichtigt werden. Die exotischen Tapeten Otto Prutschers wurden wieder hergestellt. Die Räumlichkeiten des ehemaligen Monte sowie des ehemaligen Theaters werden von nun an durch Art & Style als Fashion-Shop für verschiedene Kultmarken genutzt.[28]

Einzelnachweise

  1. http://derstandard.at/1844854
  2. vgl. Jazz in Österreich 1920-1960, Klaus Schulz, Verlag Album, 2003, Seite40
  3. http://www.youtube.com/watch?v=-NN3Ran2Q04
  4. vgl. LESEHEFT DER ÖSTERREICHISCHEN PHONOTHEK“ 1. Jahrgang 1998, Nr. 1, 2. Auflage ISBN 3-9500913-2-7
  5. vgl. Zeitensprünge: Erinnerungen eines alten Jünglings, Hugo Wiener, Verlag Amalthea, 1991, ISBN 3850023176, 9783850023177, Seite 245
  6. vgl. Die Enkel der Tante Jolesch, Georg Markus, Verlag Amalthea, 2001 , ISBN 3850024660, 9783850024662
  7. vgl. Wien wie es war: Ein Nachschlagewerk für Freunde des alten und neuen Wien, Richard Groner, Felix Czeike, Molden Verlag München, 1966, Seite 27
  8. http://www.bildarchivaustria.at/Pages/ImageDetail.aspx?p_iBildID=668376
  9. http://www.rst-entertainment.at/?c=music/one&cat=11&art=8
  10. vgl. Die Hörbigers: Biografie einer Familie, Georg Markus, Verlag Amalthea, 2006, Seite 284
  11. http://www.club-take5.at/download/presse.pdf
  12. http://www.ucart.at/index.php?id=62 http://www.lokalfuehrer.at/?site=themen&id=118 http://www.jazzinaustria.at/jazz-clubs1.php]
  13. http://farm1.static.flickr.com/184/452285213_d9b846caac.jpg
  14. http://www.christianreder.net/archiv/b_83_wienisst.html
  15. vgl. John Cook: Viennese by choice, Filmemacher von Beruf, Michael Omasta, Olaf Möller, John Cook, SYNEMA-Gesellschaft für Film und Media, Österreichisches Filmmuseum, Verlag SYNEMA - Gesellschaft für Film und Medien, 2006, Seiten 75ff
  16. http://der-melzer.blog.de/2010/03/22/annagasse-wien-8223586/
  17. http://www.ruprechtsviertel.at/links_mit_fotos/ruprechtsviertel/ruprechtsv_sublinks_fotos/ruprechtsviertel_links/geschichte_bermudadreieck.html
  18. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=020100422024
  19. http://kurier.at/freizeit/leute/1996448.php
  20. http://www.oliverriebenbauer.at/Riebenbauer-Photos/Aktuell/Beitrag.2009.12.05.001/
  21. http://www.razyboard.com/system/morethread-junge-roemer-original-autogramm-falcofans-630075-5457682-0.html
  22. http://www.facebook.com/photo.php?pid=44821&op=12&o=global&view=global&subj=71591870015&id=100000959569338#!/photo.php?pid=43577&op=15&o=all&view=all&subj=71591870015&aid=-1&oid=71591870015&id=100000959569338
  23. http://derstandard.at/plink/1241622231594?sap=2&_pid=12873441#pid12873441
  24. vgl. Magazin Guru, Pitti Herzfeld, Ausgabe Mai 1999
  25. vgl. Stadtzeitung CITY, Ausgabe 47, 1999
  26. vgl. Stadtzeitung CITY, Ausgabe 14, 1999
  27. vgl. Idealzone Wien: die schnellen Jahre, Martin W. Drexler, Verlag Falter, 1998, ISBN 3854392249, 9783854392248
  28. http://www.art-and-style.eu/ueber-uns/shop-kaerntnerstrasse/umbau

Weblinks

48.20458611111116.371619444444Koordinaten: 48° 12′ 17″ N, 16° 22′ 18″ O