Nikolaus von Flondor

Nikolaus Freiherr von Flondor

Nikolaus (Nicu) Freiherr von Flondor (* 27. Juni 1872 in Storozynetz (Storojineț); † 22. Mai 1948 in Brașov (Kronstadt), war Großgrundbesitzer sowie österreichischer und rumänischer Politiker aus der Familie Flondor.[1]

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Der Sohn des Georg Ritter von Flondor und der Isabella Dobrowolski von Buchenthal studierte und promovierte nach erfolgreichem Ablegen des Abiturs am k. k. Ober-Gymnasium in Czernowitz Jura an der Fakultät für Rechtswissenschaften der Universität von Czernowitz und wurde alsdann als Verwaltungsjurist im Staatsdienst verwendet. Er wurde 1890 Mitglied der akademischen Vereinigung Junimea und 1903 in den Vorstand der „Zentrale für wirtschaftliche Förderung der Bukowina“ gewählt.[2]

Politisch betätigte er sich als Landtagsabgeordneter im Bukowiner Landtag (1908–1914) zuerst in der Rumänischen Nationalen Volkspartei, danach in der Rumänischen Christlich-Sozialen Partei, schließlich ab 1910 in der Rumänischen Nationalpartei, zu dessen Vorsitzenden Flondor 1912 gewählt wurde. Er leitete seit 1911 im Parlament den Ausschuss für Finanzen und war Mitglied im Staatskomitee.[3]

Auf Antrag wurden er und seine Nachfahren – im Gegensatz zu seinem Bruder Johann – durch Allerhöchste Entschließung Kaiser Franz Joseph I. vom 10. August 1913 zu Ischl und Diplom zu Wien am 11. März in 1914 in den Freiherrenstand erhoben.

Nachdem die Kaiserlich Russische Armee die Hauptstadt des Habsburger Kronlandes durch den Kosakengeneral Pawlow besetzt hatte, wurde Flondor zusammen mit anderen Honoratioren, unter anderem dem Bürgermeister von Czernowitz Salo von Weisselberger, nach Sibirien deportiert, woher er erst nach 14 Monaten im Rahmen eines Gefangenenaustausches zurückkehrte.[4][5]

Nach dem Krieg wurde Nikolaus am 12. November 1918 zum Staatssekretär und Generalinspektor für Finanzen in der provisorischen Regierung der Bukowina unter seinem Bruder Johann (Iancu) ernannt.

Auf der Pariser Friedenskonferenz 1919–1920 begleitete er Ministerpräsident Ion I. C. Brătianu als Experte für die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Bukovina.

Für den Partidul Național Liberal wurde er Abgeordneter im Parlament Großrumäniens.

Ab 1930 wurde er dreimal hintereinander zum Bürgermeister von Cernăuți (Czernowitz) gewählt, letztmals 1938–1940 und war Ehrenbürger von Noua Suliță (Nowosielitza).

Familie

Der Bruder des Theodor (Tudor) und Johann (Iancu) von Flondor heiratete am 4. Juli 1899 Helena von Grigorcea (1879–1970) und hatte mit ihr drei Kinder: Radu (1900–1956), Alexander (1902–1987) und Helene (1904–1944). Letztere wurde beim Einmarsch der Sowjets von russischen Soldaten ermordet.[1][2] Die Familie wurde zwangsevakuiert und ihr musste ein Domizil in Râșnov bei Brașov beziehen.[6]

Wappen des Nikolaus von Flondor

Wappen

1914: Geteilt, oben in Rot eine grüne Blätterkrone, unten in Blau zwei aus eisernen Ringen hervorwachsend, einander zugekehrte rot-bewehrte goldene Bärentatzen. Auf dem Hauptrande des Schildes ruhet die goldene Freiherrnkrone. Auf dem Helm mit rechts rot-goldenen, links blau-goldenen Decken ein wachsender rot-bezungter und rot-bewehrter goldener Bär, in seinen mit eisernen Ringen umschlossenen Tatzen die goldene Blätterkrone haltend.[7]

Literatur

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1915 bis 1939
  • Mihai-Stefan Ceaușu: Parlamentarism, partide și elită politică în Bucovina Habsburgică (1848–1918), Editura Junimea, Iași 2004
  • Nicolae Ciachir: Din Istoria Bucovinei (1775–1944), Editura Oscar Print, București 1999, ISBN 973-9264-53-0
  • Erich Prokopowitsch: Der Adel in der Bukowina, Südostdeutscher Verlag, München, 1983

Weblinks

 Commons: Flondor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Erich Prokopowitsch: Der Adel in der Bukowina, Südostdeutscher Verlag, München, 1983, S. 123, 141 ff
  2. a b Vlad Gafița: „Iancu Flondor (1865–1924) și mișcarea națională a Românilor din Bucovina“, Editura Junimea, Iași 2008, S. 178
  3. Mihai-Stefan Ceaușu: Parlamentarism, partide și elită politică în Bucovina Habsburgică (1848-1918), Editura Junimea, Iași 2004, S. 483
  4. Ernst Hofbauer: Verwehte Spuren, Verlag Ibera, Wien 1999, S. 159)
  5. Nicolae Ciachir: Din Istoria Bucovinei (1775–1944), Editura Oscar Print, București 1999, S. 82
  6. Ioana Andreea und Mihai Pânzar: Originea familiei Flondor, Editura Flondor, Rădăuți, 2007
  7. http://www.coresno.com/adelslexikon/61/1432-lex-flondor.html