Otto Burkard

Otto Burkard (* 24. November 1908 in Graz, Steiermark) ist ein österreichischer Geophysiker und Pionier der Weltraumforschung.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Otto Michael Burkard wurde als Sohn eines Arztes in Graz geboren. Nach Besuch des Akademischen Gymnasiums studierte er an der Universität Graz Experimentalphysik und promovierte 1933 mit einer (handgeschriebenen!) Dissertation 'Luftelektrische Untersuchungen', die von Professor Hans Benndorf betreut wurde. Nach seiner Promotion arbeitete Otto Burkard an Barkhausen-Kurz Schwingungen. 1935 legte er die Lehramtsprüfung für die Fächerkombination Mathematik und Physik ab. Von 1935-1938 war Burkard Rockefeller-Stipendiat am Physikalischen Institut der Technischen Hochschule in Graz und arbeitete bei Karl Wilhelm Friedrich Kohlrausch am Smekal-Raman-Effekt. 1938 ging Burkard als Gymnasiallehrer an die BULME und verlegte seine Forschungsinteressen auf die Ausbreitung von Funkwellen. Im Frühjahr 1942 habilitierte er sich an der Universität Graz mit Untersuchungen zur Ionosphäre. Kurz darauf wurde er zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Zu Ende des Krieges leitete er eine Funkbeobachtungsstation in Tromsö, Norwegen. 1942 publizierte er eine Arbeit über die F-Schicht der Ionosphäre und wurde damit zusammen mit Hiroshi Maeda und Sir Edward Appleton einer der drei Entdecker der äquatorialen Anomalie in der Ionosphäre. 1945 aus Norwegen zurückgekehrt, baute Otto Burkard die erste Ionosonde in Kontinentaleuropa. 1946 wurde er mit der provisorischen Leitung des Institutes für Meteorologie und Geophysik an der Universität Graz betraut, 1949 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor, 1963 zum Ordinarius. Otto Burkard leitete das Institut für Meteorologie und Geophysik bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1979. Im Studienjahr 1968/69 war er Rektor der Karl Franzens Universität Graz. 1974 gründete die Österreichische Akademie der Wissenschaften in Graz das Institut für Weltraumforschung, dessen geschäftsführender Direktor Burkard von 1974-1984 war.

Otto Burkard verfasste über 90 wissenschaftliche Arbeiten, die sich vornehmlich mit der Ionosphäre befassen: der Einfluss des ungestörten Erdmagnetfeldes, Gezeiten in der Ionosphäre, Modelle zur F2-Schicht, Elektronendichte im Verlauf einer Sonnenfinsternis, Forschungen über Plasma- und Magnetosphäre aufgrund von Satellitenbeobachtungen, mathematische Arbeiten zur Magnetopause und zum Dipolfeld in der Magnetosphäre.

Eine seltene Ehre wurde ihm durch Benennung eines Asteroiden zuteil: die Internationale Astronomische Union (IAU) taufte den Kleinplaneten 10787 auf den Namen „Ottoburkard“.

Otto Burkard war verheiratet und hat vier Kinder: Rainer (*1943), Hildegund (*1944), Helmut (*1947) und Hans (*1952).

Auszeichnungen

Ausgewählte Arbeiten

  • Otto Burkard: Ein geomagnetischer Längeneffekt der F-Schicht Ionisation. Zeitschrift für Geophysik, Band 17, 1942, Seite 51-56.

Weblinks

Literatur

  • Otto Burkard: 24. November 1908. Bulletin der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie 2009/1, Seite 8-13. PDF-Volltext
  • Reinhart Leitinger: Von der Ionosphären- zur Weltraumforschung, in Karl Acham (Hrsg.): Naturwissenschaften, Medizin und Technik aus Graz. Böhlau Verlag Wien, 2007, Seite 85-92. ISBN 978-3-205-77485-3
  • Hermann Haupt und Gerhard Hahn: Kleine Planeten, deren Namen einen Österreichbezug aufweisen (II). Sitzungsberichte der Österr. Akademie der Wissenschaften, Abt. II, Band 216, 2007, Seite 57–126, 2007 Volltext PDF