Projekt Neusiedler-See-Brücke

Das Projekt Neusiedler-See-Brücke über den Neusiedler See zwischen Mörbisch und Illmitz nach einem Entwurf von Alfred Pauser war ein zu Anfang der 1970er Jahre unter dem Landeshauptmann Theodor Kery verfolgtes Projekt, um die verkehrsmäßige Anbindung des Seewinkels zu verbessern und die Modernität des Burgenlandes zum Ausdruck zu bringen. Es wurde nicht verwirklicht.

Die Straßenbrücke auf Pfeilern in Stahlbetonbauweise wäre damals mit 3.241 m Länge die zweitlängste Brücke in Europa geworden. Ihr Bau wurde vom Burgenländischen Landtag am 2. März 1971 beschlossen, stieß aber auf wachsende Widerstände. So protestierten Otto Koenig, Bernhard Grzimek, Konrad Lorenz und Antal Festetics gegen den Bau der Brücke.[1] Klara Köttner-Benigni gewann den Botaniker Gustav Wendelberger für den öffentlichen Widerstand gegen das Projekt. Diesem schloss sich der WWF an, womit die erste Bürgerinitiative in Österreich entstand. In der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit wurden fast 200.000 Unterschriften zur Unterstützung der gegen das Brückenprojekt gerichteten Initiative des Österreichischen Naturschutzbundes abgegeben.[2] Kery setzte zur objektiven Begutachtung des Projektes eine Expertengruppe aus Deutschland ein, welche sich gegen das Projekt aussprach.[3]

Literatur

  • Entwurf-Darstellung als Perspektivezeichnung im Nachsatz des Buches von: Margit Pflagner, J. Marco (Fotos): Burgenland. 80 Farbbilder mit Erläuterungen in Deutsch und Englisch. Geleitwort des Landeshauptmannes vom Burgenland Theodor Kery, Englische Übersetzung: Ursula Halama, Frick Verlag, Wien 1970.

Einzelnachweise

  1. ORF Burgenland Kuriose Projekte für Neusiedler See. Zweitlängste Brücke Europas. 28. Juli 2005
  2. Vgl. http://www.iff.ac.at/umweltgeschichte/files/ETA.pdf
  3. "Burgenländische Heimatblätter" 4/2007 Köttner-Benignis autobiografisch ausgerichtete Abhandlung: "Das Projekt einer Brücke über den Neusiedler See", S 214-231. In engem Zusammenhang mit der Sonderausstellung des Burgenländischen Landesmuseums "Der See".
  4. Drei Aufsätze von Fachbeamten zum Thema, die auch aus heutiger Sicht bemerkenswert und eine wertvolle Ergänzung anderer vorhandener Darstellungen sind. Selbst der seinerzeitige aktive Gegner des Brückenprojektes wird die Seriosität der Darlegungen, insbesondere von Karl Ofner und Georg Schreiber, kaum bezweifeln. Ofner schreibt über „Die technischen Aspekte einer Neusiedlerseeüberquerung “, bringt unter anderem Untersuchungsergebnisse zu Eisdruck im See und zu Verkehrsdichte auf den betreffenden Straßen, zu denen auch von anderer Seite im Auftrag der Landesregierung geforscht wurde. Die abschließenden niveauvollen Gedankengänge Ofners führen zu der Forderung , einen Weg zu suchen, „welcher die Umgestaltung unserer Lebensräume in humanbezogener Weise ermöglicht, will man die Entwicklung nicht abstoppen“. Das war damals und ist heute der springende Punkt. Die von Ofner geforderten Grenzwerte für die Umweltveränderung wurden und werden, auch ohne Brücke, weit überschritten. Der Ruf des Autors nach Versachlichung der Umweltprobleme verhallt dort im Leeren, wo es an Sensibilität für die Natur, an Respekt vor dieser fehlt. Georg Schreiber war in noch unmittelbarerer Weise (wie der Titel seines Aufsatzes lautet) für „Die Brücke über den Neusiedler See aus regionaler Sicht“ verantwortlich - keine leichte Aufgabe für den Raumplaner der Landesamtsdirektion. Er war es, der auch an die „Front“ geschickt wurde, kaum als Brückenbefürworter zu gewinnende Zuhörer eines Vortrages in Neusiedl am See zu überzeugen. Wie schon in Köttner-Benignis Bericht „Der steinige Weg zum Nationalpark“ in „Volk und Heimat“ (Eisenstadt 3/1994) steht, fand die betreffende Veranstaltung am 24. November 1970 statt, und sie war, von der Empörung ihres Mannes, Walter Benigni angeheizt und von ihr an den gleichermaßen entsetzten Neusiedler Bürgermeister Hans Halbritter herangetragen, der Beginn des „Brückenkampfes“ in der Öffentlichkeit. Schreiber stellte den Bau als sicher dar, Teile des Publikums fühlten sich „überrumpelt“. Der Pflanzensoziologe Gustav Wendelberger, ein professioneller Naturschützer, war Brückengegner, musste erst überzeugt werden, dass auch im Burgenland in dieser Hinsicht etwas erreicht werden kann, aber am 30. März 1971 fand in Neusiedl am See die Informationsveranstaltung statt - gut besucht und durch die überraschende Teilnahme von Wiener Biologiestudenten unterstützt, die eine Resolution ihrer Professoren mitbrachten. Am 2. März 1971 folgte der Landtagsbeschluss zum Brückenbau, und, wie schon im Aufsatz von Ofner steht, wurde am 1. September 1971 der Straßenzug B52 in das Bundesstraßengesetz aufgenommen - und dieses zu Fall zu bringen, war die schwere Aufgabe. Immerhin zitierte Schreiber auch den von Wendelberger in der Sache herangezogenen „Wasserwirtschaftler“ Fritz Kopf, der überaus strenge Auflagen zur, wie er schreibt, „Rettung“ des Neusiedler Sees formulierte. So vehement der Bau aus verschiedenen Gründen von Landespolitikern, so dem (nicht restlos überzeugten, bald objektive bundesdeutsche Gutachter einsetzenden) Landeshauptmann Theodor Kery immer wieder verlangt wurde - so zurückhaltend fielen die Stellungnahmen der Fachbeamten aus - wie die Schreibers. Schwer hatten es in der Angelegenheit, wie Klara Köttner-Benigni bestätigen kann, vor allem die Naturwissenschaftler, ob Geologen oder Biologen. Zu letzteren gehörte der dritte Autor in der Sache, der in der betreffenden Nummer der „Wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Burgenland“ die Biologische Station in der Seegemeinde Illmitz, bei der einer der Brückenköpfe errichtet werden sollte, repräsentierte: Franz Sauerzopf. Er war ein exzellenter Fachmann und vielseitig gebildeter Stilist, und bestimmt trafen ihn die Vorwürfe seiner Fachkollegen, die ihm einen Gesinnungswandel vorwarfen. Immerhin erklärte er in dem Aufsatz, dass das Brückenprojekt nur dann realisiert werden könnte, wenn die „Eigenheiten dieser Landschaft dadurch nicht zerstört werden“ - aber wie?
    Köttner-Benigni fühlte sich nicht berufen, dazu Weiteres festzustellen . Die Brücke wurde nicht gebaut, Sorgen um die Natur sind allerdings geblieben - es muss versucht werden, verantwortungsvoll das Beste aus der Situation zu machen.