Ringlinie (Wien)

Dieser Artikel befasst sich mit der Straßenbahnstrecke Ringlinie; für die gleichnamige Bezeichnung einer Verkehrslinie siehe Bezeichnung der Linien in Wien.
Ring–Kai–Ring
Strecke der Ringlinie (Wien)
Zug der Linie 1 vor dem Parlament am äußeren Ring,
kurz vor Erreichen der Haltestelle Dr.-Karl-Renner-Ring
Streckenlänge: Innerer Ring (im Uhrzeigersinn): 5,287 km
Äußerer Ring (gegen den Uhrzeigersinn): 5,412 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 600 Volt =
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Stubentor U-Bahn Wien
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Weihburggasse
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Schwarzenbergplatz
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Rennweg, Prinz-Eugen-Straße; Schleife Lothringerstraße
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Wiedner Hauptstraße; Schleife Bösendorferstraße
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Kärntner Ring, Oper U-Bahn Wien
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Burgring
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Siebensterngasse, Lerchenfelder Straße, Reichsratsstraße; Bellariaschleife
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Dr.-Karl-Renner-Ring U-Bahn Wien
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zur Siebensterngasse, Lerchenfelder Straße, Reichsratsstraße; Bellariaschleife
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Stadiongasse/Parlament
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Josefstädter Straße
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Rathausplatz/Burgtheater
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von Alser Straße; obere Schottentorschleife
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Schottentor U-Bahn Wien
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zur Alser Straße; obere Schottentorschleife
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von Börseschleife
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Börsegasse/Wipplingerstraße
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Porzellangasse; zur Börseschleife
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von Augartenbrücke
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zur Augartenbrücke
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Schottenring U-Bahn Wien
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Salztorbrücke
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von Taborstraße; Gredlerschleife
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Schwedenplatz U-Bahn Wien
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zur Tabortstraße; Gredlerschleife
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Radetzkystraße; Schleife Matthäusgasse
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Julius-Raab-Platz
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Pferdestraßenbahn am Franz-Josefs-Kai, um 1876
Ringlinie AK am Burgring, 1970.
Linie D am Kärntner Ring, 1976.

Die Ringlinie ist eine – je nach Fahrtrichtung – 5,287 (mit dem Uhrzeigersinn) beziehungsweise 5,412 Kilometer (entgegen dem Uhrzeigersinn) lange[1] Straßenbahnstrecke im 1. Bezirk in Wien. Sie bildet das Kernstück des Wiener Straßenbahnnetzes und verläuft in einem Ring entlang der Wiener Ringstraße und dem Franz-Josefs-Kai, auf den etwa 1,2 Kilometer der Strecke entfallen, um die historische Altstadt Wiens herum. Sie wird von den Durchgangslinien D, 1 und 2 sowie der Vienna Ring Tram befahren. Innerhalb der Ringlinie - im Zentrum Wiens - gibt es keine Straßenbahnstrecke. Die Ringlinie besteht aus einem inneren und einem äußeren Gleis, dazwischen befinden sich die Fahrstreifen für den Individualverkehr.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach der Schleifung der Wiener Stadtmauer 1857 bis 1865 wurde die Wiener Ringstraße angelegt. Bereits die erste Pferdestraßenbahn der Wiener Tramway-Gesellschaft vom Schottentor nach Dornbach, welche am 4. November 1865 eröffnet wurde[2], berührte die Ringstraße. Die Eröffnung der Ringlinie erfolgte am 30. Juni 1868 und war somit die zweite Straßenbahnstrecke Wiens überhaupt. Sie führte vom Schottentor über die Oper zum Aspernplatz, dem heutigen Julius-Raab-Platz. Die noch offene Lücke im Westen wurde ein Jahr später geschlossen, als am 8. Juni 1869 die Strecke vom Schottentor über den Schottenring und den Franz-Josefs-Kai zum Aspernplatz in Betrieb ging.

Versuche mit Dampflokomotiven waren wenig erfolgreich. 1876 wurden auf der Strecke vom Ring über die Bellaria zur Mariahilfer Straße Probefahrten mit einer 3,5 t schweren, zweiachsigen Lokomotive von Merryweather & Sons mit liegendem Kessel und geräuschlosem Dampfausstoß durchgeführt. Diese konnten die Steigungen von 1:25 jedoch kaum bewältigen. Auch andere Lokomotiven bewährten sich nicht, so ein Grantham's Steam Car (August 1876), eine feuerlose Heißwasserlokomotive von Francq & Lamm, eine Dampftramway-Lokomotive von Krauss & Comp. und ein Serpollet-Dampftriebwagen (1895).[3] Bis zur Einführung der elektrischen Traktion blieb also die Pferde-Tramway unersetzlich.

Ein erster Versuch einer Elektrifizierung in der Inneren Stadt erfolgte im Mai 1896, als ein Akkumulatorwagen die Strecke Burggasse–Bellaria befuhr;[4] die Akkumulator-Technik bewährte sich jedoch nicht. Nachdem 1897 die erste Straßenbahnstrecke Wiens, die Strecke der heutigen Linie  5, elektrifiziert wurde, konnte ein Jahr später die Elektrifizierung der Ringlinie abgeschlossen werden. Die letzte Pferdetramway wurde 1903 außer Dienst gestellt.

Die Straßenbahn auf der von Anfang an als Prunkstraße angelegten Ringstraße, wurde auf Wunsch von Kaiser Franz Joseph I. mit Unterleitung betrieben. Auch die Gleise unmittelbar außerhalb der Ringstraße – etwa bis zur Lastenstraße – sowie die gesamte innere Mariahilfer Straße, durch die der Kaiser auf dem Weg von der Hofburg ins Schloss Schönbrunn fuhr, wurden mit Unterleitungen versehen. Dabei kam ein eigens entwickeltes Schlitzsystem nach einem Patent von Siemens & Halske zur Anwendung. Ein ähnliches System war bereits ab 1887 in Budapest eingebaut worden. Diese Systeme litten unter dem hohen Wartungsaufwand, der notwendigen komplizierten Weichenkonstruktionen und den Problemen bei winterlichen Bedingungen. Während des Ersten Weltkriegs wurde daher in Wien die Unterleitung abgebaut und bis zum 20. Dezember 1915 auf eine konventionelle Oberleitung umgestellt.

Die Liniensignale waren ursprünglich als farbige, grafische Symbole gestaltet. Ab 1907 wurden Linienbezeichnungen eingeführt, die aus Buchstaben oder Ziffern bestanden. Außerhalb der Inneren Stadt kamen Zahlen zur Anwendung, während Linien, die ein Stück der Ringstraße befuhren, durch Buchstaben gekennzeichnet wurden. Im Lauf der Zeit wurden alle Buchstaben außer „I“, „Q“, „X“ und „Y“ verwendet. (Heute existieren nur noch die Buchstaben-Linien „D“ und „O“, letztere ohne den Ring zu befahren.) Züge, die von ihren Endstellen kommend zuerst den Ring befuhren, erhielten den Index „R“ (z. B. AR, BR); jene, die zuerst über den Kai fuhren den Index „K“ (z. B. AK, BK). Parallel zum Ring verkehrten Linien über die Zweierlinie unter dem Index „2“ (z. B. E2, G2, H2).

Innerhalb der Ringlinie gab es im Laufe der Geschichte, von Wendeschleifen der Radialstrecken abgesehen, nur eine Straßenbahnstrecke. Diese führte vom Opernring über den Straßenzug Operngasse–Tegetthoffstraße zum Neuen Markt. Zwischen 16. April 1907 und 15. April 1911 verkehrte dort die Durchgangslinie „Z“ in Richtung Hietzing bzw. Lainz. Von 16. November 1914 bis 11. Oktober 1942 verkehrte dort die Linie 58 nach Unter St. Veit, dann wurde deren Endstelle an den Ring verlegt. 1948 wurde die Strecke aufgelassen.

Reform der Ringlinien 2008

Ab 30. Juni 1986 bis zum 25. Oktober 2008 verkehrten auf der Ringlinie die Linien 1 (im Uhrzeigersinn) und 2 (gegen den Uhrzeigersinn) im Kreis.

Phase 1

Am 26. Oktober 2008 wurde die Reform der Ringlinien umgesetzt. Dabei wurden die Linien 1 und 2 mit den Durchgangslinien J und N sowie der Radiallinie 65 verknüpft und so aus bisher fünf Straßenbahnlinien zwei neue Durchgangslinien geschaffen. Die Linie 1 „neu“ führt nun vom Stefan-Fadinger-Platz über die ehemalige Linie 65, die Ringlinie und dem südlichen Teil der ehemaligen Linie N zur Prater Hauptallee.[5] Die Linie 2 „neu“ verkehrt vom Friedrich-Engels-Platz über den nördlichen Teil der ehemaligen Linie N, die Ringlinie und die ehemalige Linie J nach Ottakring.[6]

Phase 2

In einem zweiten Schritt, sollte die Linie D in Linie 3 umbenannt werden und die Linie 71 von Kaiserebersdorf kommend über den westlichen Ring zur Börsegasse durchgebunden und in Linie 4 umbenannt werden. Nach Protesten gegen diese Pläne in den Außenbezirken wurde diese Phase zwischenzeitlich auf Eis gelegt. Neben dem Widerstand gegen eine Umbenennung der Linien, welche für die Bezirke eine Identität darstellen, fürchteten die Anwohner entlang der Linie 71 vor allem Intervallstreckungen und dass sich Verkehrsbehinderungen am Ring auch auf die Außenstrecke im 11. Bezirk (Simmering) auswirken könnte.

Am 9. Dezember 2012 wird nun die Linie 71 unter Beibehaltung ihres Liniensignals von ihrer derzeitigen stadteinwärtigen Endstation Schwarzenbergplatz über den Ring bis zur Börsegasse verlängert und im Gegenzug stadtauswärtig bis zum Zentralfriedhof verkürzt werden. Die Linie D wird an diesem Tag zum neuen Hauptbahnhof verlängert werden, ebenfalls unter Beibehaltung ihrer Linienbezeichnung.[7]

Vienna Ring Tram

Da seit der Reform der Ringlinien keine vollständige Ringumrundung mit einer Linie möglich ist, wurde die Vienna Ring Tram (VRT) – eine Touristenstraßenbahn mit mehrsprachigen Ansagen und Monitoren zu Informationen zu Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke – eingerichtet. Diese verkehrt halbstündlich am inneren Ringgleis, also im Uhrzeigersinn und hält an allen Haltestellen der Ringlinie ausgenommen Julius-Raab-Platz. Die Stehzeiten werden am Schwedenplatz eingehalten. Es stehen zwei VRT-Fahrzeuge im Bahnhof Favoriten zur Verfügung, wobei hier zwei ehemalige E1-Triebwagen zur Vienna Ring Tram umgebaut wurden. Für die Benützung dieser Straßenbahn ist ein Spezialpreis zu entrichten.

„Demo-Schleife“

Auf der Ringstraße vor dem Parlament finden häufig Demonstrationen und Veranstaltungen statt, wobei der Ring für den Verkehr gesperrt wird. Bis zu deren Umbau zur U-Bahn-Linie U2 im Jahr 1980 stand als Umleitungsstrecke die so genannte Zweierlinie über die Lastenstraße zur Verfügung. Danach mussten die Straßenbahnlinien aus der Josefstädter Straße (früher J, heute 2) mangels Ausweichroute bei solchen Kundgebungen bereits am Gürtel wenden. Im Dezember 2009 wurde die so genannte „Demo-Schleife“, eine Straßenbahnstrecke hinter dem Parlament durch die Reichsratsstraße zum Schmerlingplatz, fertiggestellt. Bei Demonstrationen kann die Linie 2 nun über die neue Gleisverbindung zur Wendeschleife der Linien 46 und 49 am Dr.-Karl-Renner-Ring kurzgeführt werden, ohne den gesperrten Ringabschnitt zu befahren.

Galerie

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.wienerlinien.at/eportal/ep/programView.do/pageTypeId/9084/programId/11346/channelId/-17042 Linienlängen in Metern
  2. Peter Csendes/Ferdinand Opll (Hrsg.): Wien – Geschichte einer Stadt. Band 3: Von 1790 bis zur Gegenwart. Böhlau-Verlag, Wien/Köln/Weimar 2006, ISBN 3-205-99268-7, S. 224.
  3. Krobot, Slezak, Sternhart: Straßenbahn in Wien – vorgestern und übermorgen. Verlag Otto Slezak, Wien 1983, S. 24, ISBN 3-85416-076-3.
  4. Felix Czeike: Historisches Lexikon der Stadt Wien. 6 Bände. Kremayr & Scheriau, Wien 1992–2004, ISBN 3-218-00543-4 (Band 1), ISBN 3-218-00741-0 (Band 6).
  5. Linienführung Linie 1 auf wien.gv.at.
  6. Linienführung Linie 2 auf wien.gv.at.
  7. Rathauskorrespondenz: Umsteigefrei unterwegs: Nächster Reformschritt für Wiener Bim-Netz vom 30. Oktober 2012