Seewirt am Mattsee

Seewirt

Der Seewirt am Mattsee ist ein Hotel in Mattsee. Ort des ersten Seebades von Mattsee, dem Wallmannbad, waren vor allem im Zweiten Weltkrieg Mattsee und der Seewirt in Verbindung mit der ungarischen Stephanskrone und den dazugehörigen Kroninsignien des Königreichs Ungarn Schauplatz der Weltgeschichte.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Seewirt liegt direkt am Südufer an der Mattseer Promenade, die in den 1930er Jahren für den Fremdenverkehr errichtet wurde.

Geschichte

Das Wallmannbad

Wallmannsbad und Seewirt, um 1905

Am 10. Juli 1827 wurde Heinrich Wallmann im Haus des Seewirts geboren.[1] Er gilt als Begründer des Tourismus in Mattsee[2] und brachte als K.-&-K.-Stabsarzt ab 1855 die ersten Wiener Sommergäste zur Sommerfrische nach Mattsee. Ihm ist auch der Bau des ersten Seebades in Mattsee, im Bereich der heutigen Promenade, anzurechnen. Zum Geburtstag des Kaisers, am 18. August 1869, erfolgte die Eröffnung des Wallmannbades, einer „Badeanstalt von 11 Klaftern Länge und 3 Klaftern Breite, mit mehreren Holzkabinen und passender Einrichtung“.[3] Wallmann hat die Destination mit dem Fremdenführer Mattsee und seine Umgebung bekannt gemacht.[4] Zwischen 1870 und 1881 hatte das Wallmannsbad 4.000 Besuche Einheimischer und 26.000 Besuche von Urlaubsgästen.[5]

Um 1919 wurde der Seewirt von der Familie Blüthl gekauft, die ihn bis heute besitzt, und in den darauffolgenden Jahrzehnten immer wieder ausgebaut, umgebaut und renoviert.

Die Ungarischen Kronjuwelen

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges[6] flüchtete der ungarische Premier Ferenc Szálasi, ein Pfeilkreuzler (ungarischen Patrioten), mit der ungarischen Stephanskrone und den Kroninsignien gemeinsam mit seinen Gefolgsleuten über Mariazell nach Mattsee,[7] um die wertvollen Besitztümer des ungarischen Nationalstolzes vor dem Einbruch der russischen Armee zu schützen. Szalasi war in den Tagen, die er in Mattsee verbrachte, im Seewirtuntergebracht. Er soll mit Blick auf den Unerseehügel logiert haben, links des Hotels, wo Krone, Reichsapfel und Szepter anfangs vom Kommandanten der Kronwache, Oberst Pajtas, vergraben worden sein sollen, und sich April bis Juni 1945 befanden.[8][9] Handrelique und Königsmantel – die man nicht vergraben konnte – wurden dem Stiftspfarrer, Anton Strasser, zur Aufbewahrung übergeben, einige Kisten mit königlichem Tafelbesteck kamen gegenüber dem Hotel in die Binhütte (Werkstatt der Fassbinder in Mattsee), das Krönungsschwert war wohl im Zellhof deponiert.[8] Szalasi heiratete am 28. April 1945 in der Mattseer Stiftskirche, dann flüchtete mit seinem Gefolgsleuten weiter Richtung München und Augsburg, wo er schlussendlich von den Amerikanern gestellt wurde. Der Kronschatz blieb jedoch in Mattsee, bis ihn die Amerikaner holten. Dieser wurde dann in die USA überstellt; von dort wurde er erst im Jahre 1978 wieder an Ungarn zurückgegeben (die Handrelique wurde 1945 über Erzbischof Andreas Rohracher von Mattsee nach Ungarn zurückgebracht).[8]

Dieser Episode wurde am 15. September 1983, 900 Jahre nach der Heiligsprechung von König Stephan, mit einem Denkmal gedacht, das, von ungarischen Urlaubern gespendet, zuerst am Unerseehügel[9] stand, und 2010 in den Schlosspark übersiedelt wurde.[8] An der Seepromenade ist seit 2005 ein zweites Denkmal aufgestellt ist.[10]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Heinrich Wallmann. In Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  2. Mattsee Chronik. 2005, S. 97 f.
     Harald Waitzbauer: Arnold Schönberg ist in Mattse unerwünscht. In: Robert Kriechbaumer (Hrsg.): Der Geschmack der Vergänglichkeit: Jüdische Sommerfrische in Salzburg. Band 14 von Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99455-8, Sommerfrischeort Mattsee, S. 155 ff (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  3. Heinrich Wallmann: Mattsee und seine Umgebung. Wien 1871, S. 15; zitiert nach  Waitzbauer: 2002, S. 156.
  4. Nachlassverzeichnis Heinrich Wallmann, Nachlässe in Österreich - Personenlexikon, Österreichische Nationalbibliothek
  5.  Waitzbauer: 2002, S. 156/157.
  6. Hans Spatzenegger: Von Budapest über Mattsee nach Fort Knox und zurück. Die abenteuerliche Reise der St.-Stephans-Krone zwischen 1945 und 1978. In: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (Hrsg.): Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Band 137, 1997, S. 239–240.
  7. Peter Gosztony: Endkampf an der Donau 1944/45. Wien 1969.
  8. a b c d Ungarndenkmal am Schlossberg, mattsee.co.at.
  9. a b Die Anekdote ist unsicher; Geschichte: Mattsee im 20. Jahrhundert, mattsee.co.at.
  10. Abbildung Datei:DSC08156.JPG. In Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki. und Datei:Stephanskrone in Mattsee, Infotafel.jpg. In Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.

47.97162613.10586Koordinaten: 47° 58′ 17,9″ N, 13° 6′ 21,1″ O