Smail Balić

Smail Balić (* 26. August 1920 in Mostar; † März 2002 in Wien)[1] war ein österreichischer Kultur- und Religionswissenschaftler sowie Bibliothekar jugoslawischer Herkunft.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach seiner Kindheit in Mostar studierte Balić in Sarajevo islamische Theologie. Es folgten zwischen 1941 und 1945 Studienaufenthalte in Wien, Leipzig und Breslau auf den Gebieten der Turkologie, Arabistik und Slawistik. Er promovierte 1945 in Wien mit einer Arbeit über Die geistigen Triebkräfte im bosnisch-herzegowinischen Islam zum Dr. phil.

Nach 1945 übernahm der Orientalist in der Öffentlichen Lehranstalt für Welthandel von Wien einen Lehrauftrag. 1962/63 war er Dozent für Deutsche Sprache an einem privaten College in as-Salimiyya (Kuwait). Dann wechselte er zur Österreichischen Nationalbibliothek, wo er zwischen 1963 und 1984 als wissenschaftlicher Bibliothekar wirkte. In dieser Rolle begleitete Balić die Stelle des Fachreferenten für Linguistik (orientalische Sprachen) und war der Leiter ihrer arabischen Handschriftensammlung.

Als prominenter Islamwissenschaftler mit persönlichem europäischem Hintergrund setzte er sich für eine integrativ-kulturelle Wahrnehmung des Islams in Österreich und anderen europäischen Ländern ein. Ausdruck dafür ist seine Intention, der "Islam muss von der Politik abgekoppelt werden" und die Positionen "Gewalt sei kein Markenzeichen des Islam, dessen "erster Grundsatz" sei der Schutz menschlichen Lebens. Seine Kritik richtete sich gegen die politische Instrumentalisierung seines Glaubens.[2]

Balić ist Autor einer großen Zahl von Fachzeitschriftenaufsätzen und mehrfacher Buchautor. Als Vortragsredner war er international nachgefragt.

Ausgewählte Werke

  • Der Islam im mittelalterlichen Ungarn (Islam u srednjovjekovnoj Madjarskoj). In: Südost-Forschungen, Jg. 23 (1965), S. 19-35.
  • Die Kultur der Bosniaken, Wien (1973, 1978) / Kultura Bošnjaka, Tuzla (1994)
  • Das unbekannte Bosnien, Köln, Weimar, Wien (1992)
  • Der Islam im Spannungsfeld von Tradition und heutiger Zeit (1993)
  • Der Islam - europakonform? (1994)
  • Der vergessene Islam oder Euro-Islam (2000)
  • Islam für Europa, Neue Perspektiven einer alten Religion, Wien (2001)
  • Katalog der türkischen Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek: Neuerwerbungen 1864-1994: mit einem Anhang: Bosnische Aljamiado-Handschriften. In: Museion. 4. Reihe, Veröffentlichungen der Handschriftensammlung Ankara (Türk Tarih Kurumu) 2006
  • Herausgeberschaft der Zeitschrift Der gerade Weg (Sirati müstekim) Mitteilungsblatt für muslimische Flüchtlinge in Österreich und Deutschland. (Moslemischer Sozialdienst) 1958-1979

Würdigungen und Mitgliedschaften

Einzelnachweise

  1. Hariz Halilović: Bosanskohercegovačka dijaspora u vrtlogu globalnih migracija: izazovi i šanse za Bosnu i Hercegovinu. In: PREGLED. Periodical for Social Issues. Universität Sarajevo, Jg. 86 (2006), Heft 3, S. 198 (abgerufen am 9. Dezember 2009)
  2. Nachruf von der Österreichischen St. Georgs-Gemeinde in Istanbul (abgerufen am 9. Dezember 2009)

Literatur

  • Balić, Smail, in: Hrvatski Biografski Leksikon, Band 1, 1983, S. 396
  • Richard Potz (Hrsg.), Nedžad Grabus (Hrsg.), Bernhard Stillfried (Hrsg.): Smail Balic. Vordenker eines Europäischen Islam (Misilac evropskog islama). (Recht und Religion in Mittel- und Osteuropa: Sonderband) Wien 2008. ISBN 9783708901695

Weblinks