Steinway & Sons

Steinway & Sons
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 5. März 1853
Sitz New York und Hamburg
Leitung Thomas Kurrer
President, weltweit (seit 1. Januar 2008)
Ron Losby
President, Amerika (seit 1. Januar 2008)
Mitarbeiter 1.677 (31. Dezember 2011)
Branche Musikinstrumente
Produkte Flügel und Klaviere
Website www.steinway.de
www.steinway.com
www.steinwaymusical.com

Steinway & Sons (oft Steinway genannt) ist ein Hersteller von Flügeln und Klavieren. Das Unternehmen wurde von Henry E. Steinway und seinen Söhnen 1853 in New York gegründet.[1] Seitdem hat Steinway & Sons mit mehr als 125 Patenten den Pianobau revolutioniert.[2][3] Steinway & Sons Flügel und Klaviere werden in New York und Hamburg unter dem Leitsatz gefertigt, den Henry E. Steinway als Qualitätsvorgabe wählte: „To build the best piano possible“.[4][5]

Heute ist Steinway & Sons ein Unternehmensbereich der US-amerikanischen Aktiengesellschaft Steinway Musical Instruments, Inc. (NYSE: LVB), welche zahlreiche Musikinstrumente herstellt und vertreibt. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus Steinway & Sons, The Selmer Company, United Musical Instruments und noch weiteren Akquisitionen von Musikinstrumenteherstellern. Das internationale Unternehmen beschäftigt über 1.700 Mitarbeiter in elf Produktionsstätten in Amerika und Europa.

Zum Vertriebsnetz für die Flügel und Klaviere gehören die Steinway-Häuser (Steinway Halls).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Familie Steinway

Der gebürtige Deutsche Henry E. Steinway hieß ursprünglich Heinrich Engelhard Steinweg. Er war ursprünglich Möbeltischler, später wurde er Orgelbauer und Kirchenorganist. Aus musikalischem Interesse beschäftigte er sich mit dem Bau von Musikinstrumenten und später auch mit dem Klavierbau. In der Küche seiner Wohnung in Seesen verfertigte Steinweg 1836 seinen ersten Flügel.

Aus wirtschaftlichen Gründen wanderte er mit seiner Frau Juliane (Johanna Juliane Henriette Thiemer), drei Töchtern und vier seiner Söhne 1851 in die USA aus. In New York nahm die Familie den anglisierten Nachnamen Steinway an, auch die Vornamen erhielten eine anglisierte Form. Anfangs arbeiteten Henry Steinway und seine Söhne in verschiedenen Klavierfabriken, bis sie sich 1853 als Familienunternehmen selbstständig machten. Schnell stellte sich für Henry E. Steinway mit seinem amerikanischen Familienunternehmen Steinway & Sons der Erfolg ein. Ein weiterer Steinweg-Sohn, C.F. Theodor Steinweg, übernahm den väterlichen Betrieb in Seesen. Wenig später siedelte er den Betrieb nach Wolfenbüttel um. Mit der Aufnahme von Friedrich Grotrian als Geschäftspartner wurde der Betrieb ein weiteres Mal verlegt, ins benachbarte Braunschweig. Trotz der räumlichen Distanz entwickelte die Familie einen regen Schriftverkehr, um sich über viele der Steinway-Patente und Techniken auszutauschen.

Die Steinway-Söhne Heinrich (Henry Jr.) und Karl (Charles) verstarben im März 1865. Auf dringlichen Wunsch der Familie siedelte nun auch Theodor Steinweg in die USA über, um in der Nachfolge seiner verstorbenen Brüder in die technische Geschäftsführung von Steinway in New York einzutreten. Er verkaufte noch im gleichen Jahr die Familienanteile am Braunschweiger Unternehmen für 20.000 Taler an seinen Partner Wilhelm Grotrian und an die Mitarbeiter Adolf Helfferich und H.O.W. Schulz. Die Instrumente des Braunschweiger Unternehmens sollten gemäß Kaufvertrag noch zehn Jahre lang den Verweis auf "Steinweg Nachfolger" tragen dürfen. Sie wurden mit Grotrian, Helfferich, Schulz, Th. Steinweg Nachfolger auf der Tastaturklappe beschriftet. Aus dem Unternehmen entstand Grotrian-Steinweg. Unterschiedliche Sichtweisen zu den Namensbezeichnungen lösten in den folgenden Jahrzehnten zwischen Steinway und Grotrian-Steinweg eine Vielzahl an Rechtsstreitigkeiten aus.

Die Rotunde der Steinway Hall in der 57th Str. in New York

Christian Friedrich Theodor Steinweg, der sich in den USA Theodore nannte, folgte dem Ruf der Familie nach New York. Henry E. Steinway verstarb am 7. Februar 1871 im Alter von 74 Jahren. Sein ältester Sohn Theodore sowie die beiden jüngeren Söhne William und Albert († 1876) übernahmen die Leitung des Unternehmens. William ging in die Steinway-Geschichte als Marketing-Genie ein. Er war der Erfinder der Steinway Hall (Steinway-Haus), der Steinway-Concert & Artist-Abteilung sowie zusammen mit Bruder Theodore Wegbereiter der Hamburger Fabrik, die die beiden 1880 eröffneten und zunächst zu zweit besaßen. Theodore war der Techniker, Klavierbauer und Entwickler. Er entwickelte in den nächsten Jahren viele der Steinway-Patente, orientierte sich an der Forschung zur Akustik und ließ sich hierzu von dem Physiker Hermann von Helmholtz beraten, dem um 1870 für seine Forschungsarbeiten von Steinway ein großer Konzertflügel zur Verfügung gestellt wurde.[6] Wesentliches Ergebnis dieser Untersuchungen war die für Steinway patentierte "Duplex Scale", die genaue Bestimmung der mit den Saiten mitschwingenden Anhanglängen; die Möglichkeit, diese den Ton im Diskant bereichernden Nebenschwingungen stimmen zu können.

Theodore setzte sich auch gegen seine Brüder mit dem Wunsch durch, ein aufrecht stehendes Klavier zu bauen. Sein Bestreben war es, neben dem Bau hochwertiger Flügel immer auch preiswerte Instrumente für breitere Bevölkerungsschichten anbieten zu können und günstige Herstellungstechniken zu finden. Zwischen den Steinweg-Söhnen Chr. F. Theodor, Heinrich jun. und Karl hatte es, auch zuvor schon in den Jahren der Trennung, einen intensiven Schriftverkehr über den Atlantik und auch einen brüderlichen Wettstreit um die besten Wege in der Klaviertechnik gegeben. Letztlich hatte das Schicksal entschieden, indem Theodore nach dem Tode seiner Brüder in der Familie neben seinem Vater als einziger Techniker verblieb. Mit der grundlegenden Neugestaltung der Flügel (Klaviaturmechanik von 1871, einteiliger "Cupola"-Gussrahmen mit abgedecktem Stimmstock 1875, das Rim-Gehäuse aus geklebten Furnierstreifen 1878) und deren konsequenter Umsetzung in allen Flügelgrößen entstammten nach 1886 (Einführung des Semikonzertflügels C-227) alle Instrumente der Handschrift Theodores. Mit der "Style II"-Flügelgröße, Vorläufer des C, verschwanden die Instrumente nach Konstruktionen Henry Jr. aus der Produktion.

Theodore ging nach Jahren in New York im Alter wieder nach Deutschland zurück; er verstarb am 26. März 1889 in Braunschweig. William leitete die Geschicke des Unternehmens noch über viele Jahre; er verstand es auch, passende Nachfolger in der Familie in die richtigen Positionen zu heben. William wurde am 21. Januar 1896 von Kaiser Franz Joseph I. zum k.u.k. Hoflieferanten ernannt. William verstarb am 30. November 1896. Williams Neffen Charles und Fred Steinway übernahmen nun die Führung, ihr Vetter Henry Ziegler wurde Leiter der Forschungsabteilung.

Steinway war zusätzlich britischer, italienischer, preußisch-deutscher, sächsischer, spanischer, norwegischer, schwedischer, und russischer Hoflieferant.[7]

Das Unternehmen Steinway

Ende 19. Jahrhundert

Steinway-Fabrik in New York, 1876

Der erste Steinway-Flügel wurde 1856 gefertigt. Wesentlicher Schritt war die erfolgreiche Integration des "overstrung"- Systems (Basssaiten-Überkreuzung) 1859, das die Schwingungen der Basssaiten mit dem Bassteg mehr zur Mitte des Resonanzbodens und zusammen mit den angeregten Schwingungen der darunter liegenden kürzeren Tenor-Saiten zur besseren Klangentfaltung brachte. Die Bassüberkreuzung und der einteilig gegossene Rahmen ("Cupola") wurden als wichtigste Merkmale des "Steinway-Systems" sehr früh von vielen Klavierfertigern kopiert.

Im Jahre 1866 wurde die berühmte Steinway Hall in New York eröffnet, eine Kombination aus Konzertsaal und Verkaufsräumen, die, wie sich schnell herausstellte, sehr werbewirksam und erfolgreich war. Eine weitere Steinway Hall in London sollte 1875 folgen. 1875 wurden auch die "Centennial Concert Grands" zu bauen begonnen, die mit ihrer erstmals verwendeten Vollgussplatte mit Stimmstockabdeckung und dem vom Physiker von Helmholtz für Steinway entwickelten System der Duplex-Skala ein Jahr später als weltbeste Flügel auf der Weltausstellung von 1876 in Philadelphia prämiert wurden. Diese 424 Instrumente, die schwersten und aufwendigst gebauten Serieninstrumente der Firmengeschichte, sind unmittelbare Vorgänger der seit 1884 zu zehntausenden nahezu unverändert gebauten, weltweit erfolgreichsten Konzertflügel des Modells D-274.

Der Klang und die robuste Bauweise von Steinway-Instrumenten setzten sich immer stärker durch. Aufgrund der großen Nachfrage wurde im Jahre 1880 eine zweite Fabrik in Hamburg eröffnet, um den europäischen Markt zu versorgen und um dort mit den europäischen Wettbewerbern zu konkurrieren. Mit der Gründung der Hamburger Steinway’s Pianofortefabrik wurden 1880 erstmals wieder Steinway-Klaviere in Deutschland produziert. In einer ehemaligen Fabrik für Nähmaschinen in der Schanzenstraße in St. Pauli sollte der Bedarf für den europäischen Kontinent abgedeckt werden. Die Gründerväter William und Theodore sahen im Hamburger Freihafen einen Wettbewerbsvorteil. Leiter der Fabrik wurde Theodore, während William zurück nach New York ging.

Anfang 20. Jahrhundert

Steinway-Reproduktionsflügel von 1920

Anfang 1900 stellte sich ein neues System zur Reproduktion von Klaviermusik als Verkaufsschlager heraus. Steinway belieferte in den folgenden Jahren Hersteller von mechanischen Einbausystemen für Reproduktionsklaviere, z. B. M. Welte & Söhne aus Freiburg, die das berühmte System Welte-Mignon einbauten, sowie die Aeolian Company, die das Duo-Art-System entwickelt hatte, mit Klavieren und Flügeln.

Der Steinway-Flügel im Weißen Haus (Steinway Instrument Nummer 300.000)

Im Jahre 1903 wurde das 100.000. Instrument fertiggestellt, ein Konzertflügel in Sonderausführung, der als Geschenk an das amerikanische Volk ging und 35 Jahre lang im Weißen Haus in Gebrauch war. Der Flügel wurde 1939 durch das Instrument mit der Seriennummer 300.000 ersetzt, ebenso ein Konzertflügel in Sonderausführung, der bis heute im Weißen Haus steht.[8][9] Diese sogenannten Art Case Pianos wurden ein weiteres Geschäftsfeld von Steinway. Die Kunstinstrumente wurden für viele berühmte Familien gefertigt. Auch Künstler und Architekten verewigten sich in Gehäusen von „Steinway & Sons“-Flügeln und -Klavieren. Eine neue Produktionsstätte im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld führte seit 1928 zu erweiterten Kapazitäten.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Werk in New York Lastensegler aus Holz gebaut, um diese im Krieg in Europa einzusetzen. Außerdem wurde noch eine besondere Klaviereinheit gefertigt, das Victory Vertical, ein olivgrünes kleines Piano, welches, zusammen mit dem Hocker in einer Kiste verpackt, aus dem Flugzeug abgeworfen werden konnte, um die GIs mit Musik zu versorgen.[10][11]

Das Werk in Hamburg wurde aufgrund der amerikanischen Besitzer faktisch stillgelegt, von 1941 bis 1944 wurden dort nur ca. 100 Instrumente pro Jahr gebaut, die Holzvorräte wurden zu Gewehrkolben und Särgen verarbeitet. Während des Kriegsendes wurde das Hamburger Werk von Bomben getroffen und schwer beschädigt. Die Produktion von Instrumenten wurde in Hamburg erst 1948 wieder aufgenommen.

1960er bis 1990er Jahre

Steinway Instrument Nummer 500.000 von 1988

In den USA machten Probleme mit einer 1961 in die New Yorker Produktion eingeführten Neuerung von sich reden: mit der "Permafree"-Buchsenlagerung wurden die hundertfachen winzigen Lagerungen von Hämmern und Repetitionsgliedern im Innern der Flügelmechanik von Filz auf Teflon umgestellt. Da Teflon auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit weit weniger reagiert als das umgebende Holz, kam es teils zu störenden Klickgeräuschen, deren Ursache jedoch lange unerkannt blieb, weil sie meist nur zu bestimmten Jahreszeiten auftauchten. 1982 verabschiedete sich Steinway von den Teflon-Buchsen und führte wiederum Filz ein, nun mit einem Teflon enthaltenden Spezialschmierstoff imprägniert.

In Hamburg wurden in den 1960er Jahren weit über 1000 Flügel im Jahr hergestellt und verkauft. Die Lieferzeit für einen Steinway-Flügel betrug ab Bestellung oft mehr als ein Jahr. In den folgenden Jahren wurden aber Investitionen vernachlässigt, was dazu führte, dass für den modernen Markt benötigte Produktionsstätten veraltet waren und man auf Nachfrage des Marktes nicht in der Lage war, höhere Stückzahlen zu produzieren. Das Unternehmen Steinway war so nicht mehr länger lukrativ genug. Wegen des Kapitalbedarfs und aus Problemen um eine Familiennachfolge traf die Familienleitung von Steinway den Entschluss, zu verkaufen. 1972 ging das Unternehmen in den Besitz des amerikanischen Medienunternehmens Columbia Broadcasting Systems, Inc. (CBS) über, zu der z. B. auch Fender-Gitarren und Electro-Musik gehörten. Henry Ziegler Steinway, der letzte Steinway in der Firmenleitung, blieb auch für CBS und Nachfolger als angestellter Manager an Bord; er widmete sich mit den Jahren mehr und mehr repräsentativen Aufgaben. 1985 verkaufte CBS das Unternehmen an drei Bostoner Unternehmer der Birmingham-Familie. Diese gründeten eine neue Holdinggesellschaft, die Steinway Musical Properties.

1988 wurde der „Flügel der Künstler“ mit der Nummer 500.000 gefertigt. In das Sondermodell sind die Unterschriften von vielen hunderten Steinway-Künstlern eingraviert. Im Jahre 1995 fusionierte Steinway & Sons mit The Selmer Company zum größten Musikinstrumentenhersteller der USA mit dem Namen Steinway Musical Instruments, Inc. mit Sitz in Queens, New York. Seit 1996 wird Steinway Musical Instruments, Inc. an der New Yorker Börse (NYSE) unter LVB (Ludwig van Beethoven) geführt. Das Unternehmen ist zu 100 % an seinen Tochtergesellschaften „The Steinway Piano Company, Inc.“ und „Conn-Selmer, Inc.“ beteiligt.

Gegenwart

Produktion

Steinway-Konzertflügel

Jährlich produziert Steinway etwa 3000 Flügel und 600 Klaviere – bis Ende 2008 wurden weltweit insgesamt rund 585.000 Instrumente hergestellt. Der Bau eines Steinway-Flügels dauert ohne die Trocknungszeiten des Holzes mehr als ein Jahr. Aus rund 12.000 Einzelteilen wird ein Flügel in Handarbeit zusammengesetzt.[12] Zwar werden hierbei die stets gleichen Konstruktionspläne und Materialien verwendet, trotzdem gleicht kein Instrument dem anderen. Sie zeichnen sich durch einen individuellen Klangcharakter aus.

Viele Steinway-Käufer, gleich ob Privatkunde oder Institution, besuchen daher die Auswahlsäle der Fabriken in New York oder Hamburg, um sich unter mehreren Instrumenten eines Modells den Flügel mit den gewünschten Klangeigenschaften auszusuchen.

Anhand der weltweit einmaligen Fabrikationsnummer kann jedes Steinway-Instrument einem Produktionszeitraum zugeordnet werden.[13]

Klang und Eigenschaften

Der Steinway Klang wird von vielen als brillant, von einigen als hart bezeichnet. Die wesentlichen Eigenschaften eines Instrumentes sollten ein voller Bass, eine ausgeglichene Mittellage und ein teiltonreicher Diskant sein. Im Klavierbau ist die Mittellage klanglich am einfachsten zu gestalten. Die Herausforderungen sind die Bass- und Diskantpartie. Die Steinway-Techniker haben für diese Bereiche spezielle Lösungen erarbeitet, um sie gut erklingen zu lassen. Zum Beispiel wird in ein Steinway-Instrument ausschließlich bis zu zwei Jahre getrocknetes Holz verbaut. Hammerköpfe und Resonanzboden sind in jedem Instrument einzigartig und verleihen diesem seinen eigenen speziellen Charakter.

Tastenmechanik eines Steinway-Flügels

Eine weitere herausragende Eigenschaft der Steinway-Instrumente ist die Stimmstabilität, welche durch den patentierten Hexagrip-Stimmstock erzielt wird. Die Regulierfestigkeit der Klaviatur und Mechanik wird durch das so genannte Tubengestell der Mechanik erreicht. Das Standgerüst der Mechanikteile wird aus verlöteten Messingstreben gefertigt, in welches Bubinga-Holzstreben eingepresst werden. Die Verwendung von Bubinga-Holz ermöglicht es, alle Schrauben in Holz zu schrauben und trotzdem die Verwindungssteifigkeit des Metalles nutzen zu können.

New York und Hamburg

In beiden Fabriken entstehen nahezu die gleichen Flügel. Unterschiede bestehen in der Klangkultur, der Gehäuseoptik und Lackierung. Der New Yorker Steinway hat ein seidenglanzschwarz lackiertes Gehäuse und eine rechtwinklige Tastenklappe, der Hamburger Steinway ein hochglanzpoliertes Gehäuse und eine abgerundete Tastenklappe. Die New Yorker Fertigung in Queens, Long Island, baut Klaviaturen, Mechanikteile und Hämmer selbst; die Hamburger Fertigung baut Klaviaturen des Tochterunternehmens Kluge (Remscheid) sowie Hämmer und Mechanikteile von Renner (Gärtringen) ein. Große Pianisten der Welt hatten und haben unterschiedliche Vorlieben und bevorzugten Instrumente aus der einen oder der anderen Fabrik. Wladimir Horowitz spielte einen Steinway D aus New York, der ihn auf seinen Konzertreisen begleitete. Arthur Rubinstein nannte einen Hamburger Steinway D sein eigen, den er zeit seines Lebens spielte. Es gibt eine formelle geografische Aufteilung der Märkte, Steinway New York beliefert 'Nord- und Südamerika', Hamburg beliefert den 'Rest der Welt'. Es ist jedoch auch möglich, ein Instrument aus der jeweils anderen Fabrikation zu ordern. Selbst in den USA sind Hamburger Instrumente erhältlich, jedoch erheblich teurer.

Liebhaber von Steinway-Flügeln sagen den Instrumenten nach, die Hamburger Flügel klängen „europäischer“, heller, brillanter, derweilen die New Yorker Instrumente „glockiger“, runder, weicher seien. Jedoch überdecken sich die Bandbreiten; jeder Flügel sollte individuell ausgewählt werden. Hierzu sind in beiden Fabriken Auswahlsäle vorhanden, in denen die häufigst nachgefragten Instrumente der Baugrößen B-211 und D-274 für die Standardausführungen schwarz mitunter aus jeweils bis zu zwölf frisch produzierten Exemplaren vom Kunden ausgewählt werden können. Gängige Praxis bei Steinway-Instrumenten ist, dass ein Händler seinen Präsentationsflügel behält und der Kunde nach Hamburg reist, um sich seinen künftigen Flügel in der Fabrik aus den kürzlich produzierten Exemplaren selbst zu wählen.

Steinway New York fertigt sechs Flügelmodelle und drei Klaviermodelle.

  • Flügelmodelle: S-155, M-170, O-180, A-188, B-211, D-274
  • Klaviermodelle: 4510 (Sheraton), 1098, K-52

Steinway Hamburg fertigt sieben Flügelmodelle und zwei Klaviermodelle.

  • Flügelmodelle: S-155, M-170, O-180, A-188, B-211, C-227, D-274
  • Klaviermodelle: V-125, K-132

Modelle

Flügelmodelle
Modell Länge [cm] Breite [cm] Gewicht [kg] Bauzeit seit Bemerkung
S-155 155 146,5 252 1935
M-170 170 146,5 275 1914 entwickelt als gekürztes Design aus dem O-180
O-180 180 146,5 280 1900 urspr. Bezeichnung: Miniature design
A-188 188 148 315 1878 1,5 cm breiter als S, M, O; Mechanik gleich dem B-211; anfangs (1878-1892) kürzer (182 cm) und 85 Tasten
B-211 211 148 345 1878 anfangs (1878-1892) 85 Tasten
C-227 227 155 400 1886 Semi-Konzertflügel für kleine Säle, 7 cm breiter als A, B, Mechanik gleich dem D
D-274 274 156 480 1884 Konzertflügel; bis ca. 1916 etwas kürzer
Klaviermodelle
Modell Höhe [cm] Breite [cm] Tiefe [cm] Gewicht [kg] Bauzeit seit Bemerkung
4510 (Sheraton) 114 148 64 218
1098 118 148 64 218
V-125 125 152,5 67,5 267
K-52
K-132
132 152,5 68 305 1903

Marken

Steinway-Konzertflügel auf dem Podium

Während unter dem Markennamen Steinway & Sons hochwertige Flügel und Klaviere aus New York und Hamburg vertrieben werden, sollen die Marken Boston und Essex das mittlere und das Einsteiger-Preissegement bedienen. Der Tochtergesellschaft Conn-Selmer sind alle weiteren Marken zugeordnet, die für andere Instrumente stehen.

  • Steinway & Sons Flügel und Klaviere werden in New York und Hamburg unter dem Leitsatz gefertigt, den Henry E. Steinway als Qualitätsvorgabe wählte: „To build the best piano possible“. Die hochwertige Produktserie umfasst insgesamt sieben Flügel- und vier Klaviermodelle.

Flügel und Klaviere „designed by Steinway & Sons“:

  • Boston Flügel und Klaviere werden unter Lizenz bei Kawai in Japan gefertigt. Viele Steinway-Patente sind in die Instrumenten-Serie eingeflossen, und alle Konstruktionen sind von Steinway & Sons. Die Produktserie umfasst fünf Flügel- und drei Klaviermodelle des mittleren Preissegments.
  • Essex Flügel und Klaviere werden unter Lizenz seit 2006 bei der Pearl River Piano Group in China gefertigt.[14] Die komplette Essex-Serie besteht aus eigenen Konstruktionen und umfasst zwei Flügel- und drei Klaviermodelle des unteren Preissegments.

Auszug der über 20 Marken:[15]

  • C.G. Conn – Blechblasinstrumente (Posaunen)
  • King Instruments – Blechblasinstrumente (Posaunen)
  • Leblanc – Klarinetten
  • Ludwig – Trommeln
  • Selmer – Saxophone
  • Vincent Bach – Blechblasinstrumente (Bach Stradivarius Trompeten) und Zubehör (Mundstücke)

Steinway Artists

Steinway Artist Lang Lang

Der Steinway-Konzertflügel Modell D-274 steht heute in vielen Konzerthäusern der Welt. Seit 150 Jahren arbeitet das Unternehmen Steinway intensiv daran, weltweit Konzertpodien mit ihren Flügeln auszustatten. Steinway kann seine Führungsposition auch dadurch festigen, dass viele Pianisten Steinway Artists sind und nur dann auftreten, wenn ein Steinway-Instrument zur Verfügung steht.

Steinway Artist Sergei Rachmaninow

Die Idee der Steinway Artists begründete sich auf den Musikliebhaber William Steinway. Dieser erkannte sehr schnell, dass hochkarätige Künstler die öffentliche Verbreitung von Steinway & Sons Instrumenten werbewirksam unterstützen würden. Die großen Flügelhersteller der Zeit buhlten um die Gunst der Pianisten durch das Verschenken von Instrumenten. William engagierte hingegen 1873 den russischen Pianisten Anton Rubinstein für eine Konzerttournee in den USA. So spielte Rubinstein 215 Konzerte in verschiedenen Städten in einer Gesamtzeit von 239 Tagen nur auf Flügeln des Unternehmens Steinway. Später spielte der Pianist Ignacy Jan Paderewski in den USA 107 Konzerte in 117 Tagen. Die Reise mit der Bahn wurde getätigt in einem eigens angemieteten Salonwagen, in dem selbstverständlich auch der Steinway-Flügel stand, auf dem konzertiert wurde. Die Idee des Steinway Artist war geboren. Heute gehören weltweit viele tausend Pianisten den Steinway Artists an, z.B. Daniel Barenboim, Harry Connick junior, Billy Joel, Evgeny Kissin, Diana Krall, Lang Lang,[16] und "immortals" (Unsterbliche) Benjamin Britten, Duke Ellington, George Gershwin, Vladimir Horowitz, Cole Porter und Sergei Rachmaninow.[17]

Jubiläum

Im Jahre 2003 feierte Steinway & Sons in der New Yorker Carnegie Hall das 150 jährige Bestehen mit drei großen Konzerten der Musiksparten Klassik, Jazz und Pop. 2005 feierte dann auch die Fabrikation in Hamburg ihr 125 jähriges Bestehen in der Laeiszhalle in Hamburg. Zu den Gratulanten gehörten zahlreiche Steinway-Händler aus der ganzen Welt, der Steinway Artist Lang Lang und der Erste Bürgermeister der Stadt Hamburg Ole von Beust.

Patente

Rim-Patent für Holzbiegemaschine, 1880
Rimbiegeblock
Eine Auswahl der über 125 eingetragenen Steinway-Patente[2][3]
  • Die Agraffeneinrichtung (1855), welche die Widerstandsfähigkeit des Rahmens gegen den Zug der Saiten erhöht.
  • Kreuzsaitige Mensur (1859), Vorteile durch verlängerte Stege und deren Verschiebung zur Mitte des Resonanzbodens, wodurch größere Resonanzflächen in Schwingung versetzt werden.
  • Vibrierender Resonanzbodensteg mit akustischen Klangpfosten (1869), beruhend auf der Tonleitung durch Stäbe, und besonders bei Pianinos und Flügeln von kleinerer Dimension angewendet.
  • Ringsteg am Resonanzboden (1869), wodurch eine bis dahin unerreichte Gleichheit der Klangfarbe im Übergang von den glatten zu den übersponnenen Saiten erzielt wird.
  • Mechanik-Tubengestell (1869).
  • Duplex-Skala (1872), die im Diskant die Obertonfülle erheblich erweitert.
  • Tonhaltevorrichtung (1875), das sogenannte Sostenuto-Pedal.
  • Überarbeitete Metallrahmenkonstruktion „Cupola“ (1875).
  • Klaviaturrahmenstellschraube (1879).
  • Rimbiege-Patent (1880) für eine Spannvorrichtung zum Formen der Flügelkontur aus verleimten Holzfurnierstreifen.
  • Die Flügel-Diskantglocke (1885) stabilisiert die Gussplatte im Diskant.

Musik

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Über Steinway. (In deutsch)
  2. a b Steinway Changing Amid Tradition, in: The New York Times, 28. März 1991, Zugriff 27. Juli 2011. (In englisch)
  3. a b Google Patent Search, Zugriff 18. August 2011. (In englisch)
  4. Ratcliffe, Robert V.: Steinway & Sons. Chronicle Books, San Francisco 2002, ISBN 0-8118-3389-5, Seite 39. (In englisch)
  5. Einklang von Prestige und Perfektion, Westdeutscher Rundfunk Köln. (In deutsch)
  6. Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Band 12, Seite 1246 f., 1. Auflg. Kassel 1965. (In deutsch)
  7. Blick auf den Steinway C227 mit Hoflieferantentiteln, Wikimedia Commons, 8. Dezember 2009, Sugriff 16. September 2011. (In englisch)
  8. Playing the White House: Entertaining with the US president, in: BBC News Magazine. Zugriff 11. Oktober 2011. (In englisch)
  9. A Piano Is Born, Needing Practice; Full Grandness of K0862 May Take Several Concerts to Achieve, in: The New York Times. Zugriff 12. März 2010. (In englisch)
  10. Ratcliffe, Robert V.: Steinway & Sons. Chronicle Books, San Francisco 2002, ISBN 0-8118-3389-5, Seite 49-55. (In englisch)
  11. Steinway and Sons Special Photo Collection, San Diego Air & Space Museum. (In englisch)
  12. Steinway Reparatur Werkstatt (In deutsch)
  13. Steinway Serial Numbers (In englisch)
  14. Die Welt, J. Erling: Steinway aus China, 6. Dezember 2005. (In deutsch)
  15. Liste der Marken (In englisch)
  16. Steinway Artists von A-Z (In deutsch)
  17. Steinway Artists von A-Z – "Immortals" (In deutsch)
  18. Entsprechend dem Booklet in der CD des Albums Paderewski plays Chopin – Volume 1 vom Verlag Pearl ist der Flügel ein "Steinway grand". (In englisch)
  19. Entsprechend der Rückseite der CD-Hülle: Sergej Rachmaninov Piano Recital: "Piano: Flügel von Steinway & Sons". (In englisch)
  20. "Lin-Manuel Miranda im Weißen Haus beim Poetry Jam: 8 of 8", Website des Weißen Hauses, 12. Mai 2009. Abgerufen am 7. August 2011. (In englisch)
  21. "Harry Connick, Jr. im Weißen Haus", Website des Weißen Hauses, 21. Februar 2010. Abgerufen am 23. August 2011. (In englisch)

Literatur

Deutsch
Englisch
  • Chapin, Miles: 88 keys: The making of a Steinway piano. Potter, New York 1997, ISBN 0-517-70356-4.
  • Fostle, Donald W.: The Steinway Saga: An American Dynasty. New York, Scribner 1995, ISBN 978-0-684-19318-2.
  • Liebermann, Richard K.: Steinway & Sons. Yale University Press, New Haven 1995, ISBN 0-300-06364-4.
  • Ratcliffe, Ronald V.: Steinway & Sons. Chronicle Books, San Francisco 1989, ISBN 0-8118-3389-5.
  • Steinway, Theodore: People and pianos: A century of service to music. 3. Auflage, Amadeus Press, Milwaukee (Wisconsin) 2005, ISBN 1-57467-112-X.
Hörbuch
  • Strasdas, Doreen: Mythos in Schwarz-Weiß, Wie ein Steinway-Flügel entsteht. Radioreportage in LOKALTERMIN vom 5. April 2010 auf NDR Info.
  • Stroschein, Dirk: Von Steinweg zu Steinway. Eine deutsch-amerikanische Familiensaga. Audio-CD, ISBN 3-455-32013-9.

Weblinks

 Commons: Steinway & Sons – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Steinway – Quellen und Volltexte
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Dieser Artikel wurde am 19. September 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.