Stockacher Narrengericht

Narrengerichtsverhandlung in Stockach 2011

Das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stockach, kurz Stockacher Narrengericht, ist eine traditionelle, jährlich am „Schmotzige Dunschtig“ in Stockach stattfindende Veranstaltung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, bei der eine politische Persönlichkeit „angeklagt“ wird. Der Brauch besteht seit 1351.

Die Veranstaltung geht auf eine Begebenheit zurück, bei der der Hofnarr Kuony von Stocken dem Erzherzog Leopold I. von Österreich vor der Schlacht am Morgarten gegen die Schwyzer (Kanton Schwyz, einer der drei Gründer-Kantone der Schweiz) zu bedenken gab: „Ihr wisst wohl, wie Ihr nach Schwyz hineinkommt, aber nicht wie raus.“ Die Schlacht wurde verloren. Herzog Albrecht der Weise gewährte daraufhin Stockach das Narrengerichtsprivileg für alle Zeiten.

Das Narrengericht wählt jedes Jahr einen neuen Beklagten aus, der in der öffentlichen und vom SWR Fernsehen übertragenen Hauptverhandlung vor dem „Hohen Grobgünstigen Narrengericht“ durch den Kläger angeklagt und durch den Fürsprech verteidigt wird und sich dann selbst verteidigt. Das Urteil durch den Richter sieht zur Strafe je nach Schwere der Schuld vor, einen oder mehrere Eimer Weines (österreichisches Hohlmaß von 60 Liter) bis zum Laetare-Tag als Buße zu liefern.[1]

Angeklagte

Angeklagte des Stockacher Narrengerichts:

Einzelnachweise

„Hänsele“ der Narrenzunft „Narrengericht zu Stocken“
  1. Übertragung des „Stockacher Narrengerichtes“ im SWR am 16. Februar 2012 von 20:15 bis 21:00.

Literatur

  • Gustav Bender: Das hohe grobgünstige Narrengericht zu Stockach. In: Herbert Berner (Hrsg.): Fasnet im Hegau. Singen 1959, S. 136–145
  • Alfred Eble: 625 Jahre Stockacher Narrengericht: 1351 - 1976. herausgegeben für Hohes Grobgünstiges Narrengericht (Stockach). 1976
  • Alfred Eble: 650 Jahre Stockacher Narrengericht. Das Stockacher Narrengericht in Vergangenheit und Gegenwart. Konstanz 2001
  • von Kaiser: Das Narengericht und Narrenbuch zu Stockach. In: Johann Müller, Johann Falle (Hrsg.): Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. Band 1: Bilder und Züge aus dem Leben des deutschen Volkes. März bis Augustheft. 1856. S. 316–322