Verschleppung von Kärntnern nach Jugoslawien 1945

Im Mai 1945 kam es nach dem Einmarsch jugoslawischer Partisanen in das zu Österreich gehörende Kärnten zur Verschleppung von Kärntnern nach Jugoslawien.

Österreichische Staatsbürger, denen man Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten vorwarf, wurden von slowenischen Sicherheitsorganen (VDV − Vojska državne varnosti, „Staatssicherheitsarmee“) aus dem österreichischen Kärnten nach Jugoslawien verschleppt. Laut der „Amtlichen Darstellung“ der Sicherheitsdirektion für Kärnten wurden im Raum Klagenfurt und Rosental über 220 und im Jauntal 43 Personen von jugoslawisch-slowenischen Organen festgenommen. Während die letztgenannten 43 in die Burg Katzenstein in Begunje (Vigaun) in der Oberkrain gebracht wurden, gerieten die Gefangenen aus dem Raum aus dem Rosental und Klagenfurt, die in Richtung Dravograd (Unterdrauburg, slow. Kärnten) gebracht wurden, in den Bereich der Endkämpfe nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und der Massaker von Bleiburg. Im Schloss Hirschenau bei Völkermarkt wurden die Gefangenen verhört. 46 Personen wurden ausgesondert und nach Prevalje (Prävali) gebracht, von wo keiner zurückkehrte. Die anderen brachte man nach Schloss Streiteben, wo vier Personen „verschwanden“. 32 Männer und Frauen wurden von Streiteben ins Gefängnis in Maribor gebracht und kehrten ebenfalls nicht zurück. Die übrigen in Streiteben inhaftierten Österreicher wurden Ende Mai 1945 ins Lager Sterntal überstellt, wo zwei von ihnen starben. Im Spätsommer 1945 wurde ein Teil der in Sterntal gefangen gehaltenen Österreicher freigelassen, die übrigen Anfang 1946. Von den 263 in Kärnten festgenommenen Männern und Frauen kehrten 96 nicht zurück und sind als verschollen gemeldet. Von den 38 in Klagenfurt und Umgebung gefangen genommenen kehrten 22 nicht zurück.[1] Nach Auswertung von Zeugenaussagen im Rahmen jüngster Untersuchungen von slowenischer Seite sollen etliche in einem Massengrab bei Leše/Liescha liegen, so der Vorsitzende der slowenischen Kommission zur Untersuchung der verborgenen Gräber aus der Nachkriegszeit, Marko Štrovs.[2]

Literatur

  • Amtliche Darstellung der Verschleppungen von Zivilpersonen aus Kärnten im Jahre 1945 durch Angehörige der jugoslawischen Partisanenverbände sowie des Schicksals der in Oberkrain vermissten Zivilbeamten aus Österreich. Verfasst von der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Kärnten. Zl. 500/g/SD/52/A. 80 Seiten.
  • Alfred Elste, Michael Koschat, Paul Strohmaier: Opfer, Täter, Denunzianten. „Partisanenjustiz“ am Beispiel der Verschleppungen in Kärnten und der Steiermark im Mai/Juni 1945: Recht oder Rache? 2., unveränderte Auflage. Mohorjeva, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2007, ISBN 978-3-7086-0162-5.
  • Tamara Griesser-Pečar: Das zerrissene Volk. Slowenien 1941–1946. Okkupation, Kollaboration, Bürgerkrieg, Revolution.(= Studien zu Politik und Verwaltung. Bd. 86). Böhlau, Wien u. a. 2003, ISBN 3-205-77062-5.
  • Stefan Karner: Die deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien. Aspekte ihrer Entwicklung 1939-1997. Hermagoras, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 1998, ISBN 3-85013-592-6.
  • Florian Thomas Rulitz: Die Tragödie von Bleiburg und Viktring. Partisanengewalt in Kärnten am Beispiel der antikommunistischen Flüchtlinge im Mai 1945. Neue Ausgabe. Hermagoras, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2011, ISBN 978-3-7086-0616-3.

Einzelnachweise

  1. Amtliche Darstellung der Verschleppungen von Zivilpersonen aus Kärnten im Jahre 1945 durch Angehörige der jugoslawischen Partisanenverbände sowie des Schicksals der in Oberkrain vermissten Zivilbeamten aus Österreich. Verfasst von der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Kärnten. Zl. 500/g/SD/52/A. 80 Seiten.
  2. M.N., Koroška: V na novo potrjenem povojnem grobišču 700 žrtev? [Im neu bestätigten Nachkriegsmassengrab 700 Opfer?], RTV Slovenija, 5. September 2010.