Werner Bockelmann

Werner Bockelmann (* 23. September 1907 in Moskau; † 7. April 1968 bei Friolzheim) war ein deutscher Jurist und SPD-Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Werner Bockelmann wurde am 23. September 1907 in Moskau als Sohn des deutschen Bankiers Heinrich Bockelmann und dessen Frau Anna, geb. Förster, geboren. Er kam 1920 nach Deutschland und wurde nach dem Besuch des Johanneums in Lüneburg und dem Studium der Rechtswissenschaften an der TH Dresden sowie den Universitäten Hamburg, Göttingen und Graz ab 1935 Rechtsanwalt in Hamburg. Von 1941 bis 1945 war er Oberstabsintendant bei der Kriegsmarine.[1]

Erste politische Erfahrungen machte er in Lüneburg, wo er von 1945 bis 1946 Oberbürgermeister war sowie ab 1946 zum Stadtdirektor ernannt wurde. 1955 wurde er Oberbürgermeister in Ludwigshafen.

Oberbürgermeister von Frankfurt

1957 wurde Werner Bockelmann zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main gewählt. In seine Frankfurter Amtszeit als Oberbürgermeister fallen der U-Bahn-Bau, die Gründung der Nordweststadt und die Errichtung des Zürich-Hochhauses, eines der ersten Wolkenkratzer der Stadt. Von seinem „volksnahen“ rheinischen Vorgänger Walter Kolb hob er sich als deutlich „kühlerer“ – norddeutscher – Politiker ab, weshalb ihm mancher Zeitgenosse nicht wohlgesinnt war.

1964 bekam Bockelmann die Ehrendoktorwürde der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Noch im selben Jahr schied er aus dem Amt als Oberbürgermeister aus, nachdem er noch im Herbst 1962 für weitere zwölf Jahre als Frankfurter Stadtoberhaupt gewählt worden war.[2]

Weitere berufliche Aufgaben

Am 14. Juli 1957 wurde Bockelmann als Nachfolger von Walter Kolb in Lüdenscheid zum Präsidenten des Deutschen Turner-Bundes gewählt.[3] Ein Amt, welches er bis 1964 ausübte. Bis zu seinem Tod hatte er auch das Amt des Vizepräsidenten der Deutschen Olympischen Gesellschaft inne.[4] Er übernahm die Aufgabe als geschäftsführendes Präsidialmitglied (Hauptgeschäftsführer) beim Deutschen Städtetag in Köln. Am 14. April 1964 wurde Bockelmann in Lübeck vom Hauptausschuss des Deutschen Städtetages einstimmig gewählt.[5] Zudem war er Präsident des Fremdenverkehrsverbandes sowie der Stiftung Hilfswerk Berlin.[1]

Am 7. April 1968 befand er sich auf der Heimfahrt von einer Veranstaltung am Bodensee und wurde auf der Bundesautobahn 8 nahe Friolzheim in einen Verkehrsunfall verwickelt. Beim Aussteigen wurde er von seinem eigenen Fahrzeug erdrückt. Bei diesem Unfall wurde der damalige Zweite Münchner Bürgermeister Georg Brauchle ebenfalls tödlich verletzt. [6]

Zu seinen zahlreichen Orden und Ehrenzeichen gehörten das Komturkreuz des griechischen Phönixordens, das Große Silberne Ehrenzeichen mit Stern der Republik Österreich sowie das Komturkreuz der Republik Senegal. Bockelmann lief gern Ski, wanderte und war Rotarier. [1]

Familie

Werner Bockelmann war Vater von vier Söhnen: Mischa (1939–1946), Andrej (* 1941), Martin (1947–2007) und Thomas (* 1955). Andrej ist promovierter Soziologe, freiberuflicher Journalist und Filmproduzent. Er hat bis heute rund 90 größere Dokumentarfilme und Reportagen und Hunderte Magazinbeiträge für den HR und den WDR hergestellt. Von 1986–1992 war er außerdem Moderator der HR-Fernsehnachrichten Drei Aktuell. Thomas Bockelmann ist Schauspieler und Regisseur, er leitete als Intendant Theater in Tübingen, Wilhelmshaven und Münster, seit einigen Jahren ist er Intendant des Staatstheaters in Kassel.

Zwei seiner Brüder, Erwin Bockelmann und Jonny Bockelmann, waren Mineralölindustrielle. Ein weiterer Bruder, Gert Bockelmann, lebte auf Gut Barendorf bei Lüneburg, das heute eine Heimvolkshochschule beherbergt, und war dort zeitweise Bürgermeister.[7] Die Söhne seines vierten Bruders Rudolf Bockelmann sind der bekannte Sänger Udo Jürgens und der Maler und Fotograf Manfred Bockelmann.

Auszeichnungen

Literatur

  • Hilmar Hoffmann: Frankfurts Oberbürgermeister 1945 - 1995 - Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Stadt, Frankfurt am Main 2012.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche who's who. XV. Ausgabe von Degeners wer ist's?, Berlin 1967, S. 160.
  2. Hamburger Abendblatt vom 15. April 1964, S. 7.
  3. Hamburger Abendblatt vom 15. Juli 1957, S. 7.
  4. Hamburger Abendblatt vom 8. April 1968, S. 2.
  5. Hamburger Abendblatt vom 15. April 1964, S. 7.
  6. Frankfurter Rundschau, 8. April 1968
  7. Politische Mandatsträger auf einer Website zur Gemeinde Barendorf
  8. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952