Wolfgang Georgsdorf

Wolfgang Georgsdorf (* 1959 in Linz; zeitweise Wolfgang Hofmann) ist freischaffender Künstler. Er wirkt als Regisseur, Zeichner, Maler, Bildhauer, Musiker und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Wolfgang Georgsdorf studierte von 1977 bis 1983 an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz. Während dieser Zeit war er Mitbegründer der Stadtwerkstatt Linz [1] und des Experimentalmusikprojekts Die Post.[2] Zu seinen musikalischen Arbeiten zählen unter anderem Kompositionen für Heiner Müllers Duell-Traktor-Fatzer am Berliner Ensemble, Kompositionen für die von ihm gebauten Riesenwaldxylophone und seine Mitwirkung u.a. beim Berlin Improvisers Orchestra als Geiger und Dirigent.[3] Als Bildhauer schuf er u. a. die Metallplastik Kuppel, die von 1983 bis 1996 im Museum Moderner Kunst (Palais Liechtenstein) in Wien stand und sich seit 1996 im Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz befindet.[4] Seit 1977 drehte er zahlreiche Avantgardefilme und war ab 1980 Mitglied der "Austria Filmmakers Cooperative". Seit den 1980er Jahren beschäftigte sich Georgsdorf auch immer intensiver mit Geruch und olfaktorischer Kunst. 1996 baute er die erste Geruchsorgel, den mechanisch bedienbaren Prototypen SMELLER 1 im Rahmen der Ausstellung Werk'Zeuge im OÖ Landesmuseum, mit dem tausende Gerüche statt Töne vom Publikum gespielt werden konnten. Von 1983 bis 1986 war Georgsdorf als Mitglied der Gruppe Minus Delta t am Bangkok-Projekt beteiligt. Er befasste sich seit den 1990er Jahren verstärkt mit interaktiven Medien.

Fasziniert von der Ästhetik, Mimik und Poesie in der Kommunikation Gehörloser, erlernte Georgsdorf die Gebärdensprache und veröffentlichte nach siebenjähriger Beschäftigung mit dem Thema im Jahr 2000 MUDRA, ein digitales, bidirektionales Lexikon für Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) in neun Dialekten.[5] Unter anderem in den Projekten sinnlos und Deaf Dance setzte er sich künstlerisch mit dem Thema auseinander, drehte Videoclips über und in Gebärdensprache, veranstaltete szenische Vorträge zu Gehörlosenkultur und- sprache und organisierte Tanzveranstaltungen [6][7] für Gehörlose und Hörende.

2005 wurde er als Speaker auf die erste Wikipedia-Weltkonferenz Wikimania eingeladen und trug seine Ideen von Gebärdensprache auf Wikipedia und sein Konzept Hyperfilm zur Integration des Wissens der analphabetischen Welt vor.[8]

Zu seinen verschiedenen politischen und sozialen Interventionen gehörte unter anderem die im Jahre 2007 von ihm gegründete Bewegung Opal-so-nicht,[9] der er als Sprecher vorstand, und die einen bis dahin unmöglich geglaubten Sieg in einem Verfahren gegen ein Vorhaben der mächtigen Gazprom und BASF im Naturpark Dahme-Heideseen davontrug, der eine Reihe von Folgewirkungen auf die Regionalentwicklung im Brandenburger Landkreis Dahme-Spreewald nach sich zog,[10] in dem er seit dem Jahr 2000 sich eine Wirkstätte in einem abgelegenen Bahnhofsgebäude mitten im Wald geschaffen hatte.[11]

Seit 2011 arbeitete Georgsdorf unter anderem an der Realisierung seines Langzeitprojekts Smeller 2, einer elektronischen Geruchsorgel, die in der Großausstellung Sinnesrausch im Oberösterreichischen Kulturquartier von Juni bis Oktober 2012 im ganztägigen Automatikbetrieb komplexe geruchliche Kompostitionen verströmt.[12]

Wolfgang Georgsdorf lebt mit der Schauspielerin Eva Mattes und zwei Kindern in Berlin.

Filmografie (Auswahl)

  • 1977: Sub und Ultra
  • 1979: Rom
  • 1980: Unter der Tonne
  • 1981: Hängende Männer
  • 1981: In the Dark of Proximity
  • 1982: Gärtrommel
  • 1985: Simultan Dolmetsch
  • 1992: Salzburg Skizzen Tag und Nacht
  • 1993: Zelt an der Donau
  • 1995: Towards Human Rights
  • 1999: Ballade Berlin
  • 2008: Hammer

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1990: Decharge, Fondation Cartier, Paris / Jouy en Josas.
  • 1990: Fünfte Lade, Galerie Hofkabinett und Kleine Galerie, Wien.
  • 2003: sinnlos - die Kunst / die Körper / die Fremdkörper, Künstlerhaus Graz, Graz.
  • 2005: Auf wär men, Galerie Hofkabinett, Linz. V.
  • 2006: Balla Balla Bar, Performance, Berlin.[13]
  • 2006: Lesefährte WaldWeisen, Brandenburg.[14]
  • 2008: Waldxylofon Brandenburg, Brandenburg.[15]
  • 2008/2009: Lichtung, Copyright Projektbüro, Berlin.[11]
  • 2011: Xylomat/Permanent Conference in Jahr der Wälder, Galerie ZS-Art Wien, Landesmuseum Niederösterreich, Kunstmuseum Stift Klosterneuburg.
  • 2012: Smeller 2.0, Smeller 1.0 in Sinnesrausch, O. Ö. Kulturquartier, OK Centrum für Gegenwartskunst.

Geruchskunst

Seit den 1980er Jahren beschäftigte sich Georgsdorf auch mit Möglichkeiten künstlerischen Ausdrucks in Gerüchen, erst statisch, dann in Form von olfaktokinetischen Inszenierungen bei denen neben Flammenwerfen und Feuerspeien auch Lebensmittel ausgestellt oder ins Publikum geworfen wurden. In zahllosen Performances während des Projekts Minus Delta t in Asien stellte er den Geruch ins Zentrum der Arbeit. Unter anderem in Bombay, Delhi sowie Poona entwarf und realisierte er einige Geruchsinstallationen. Im Jahre 1986, im Rahmen der Beteiligung an der Ars Electronica[16] als Mitglied der Gruppe Minus Delta t baute er aus den kreisrunden Garderobenrondellen im städtischen Konzerthaus Brucknerhaus Geruchsinstallationen mit parfümierten Pflastersteinen.[17] 1996 baute er auf Einladung des OÖ Landesmuseums seinen ersten Prototyp einer Geruchsorgel, Smeller I, mit der bereits hunderttausende Gerüche statt Tönen gespielt werden konnten.[18][19] Er entwickelte Konzepte der Internetübertragung von Gerüchen und der reinen olfaktorischen Poesie in Form von zeitbasierten Kompositionen mit und ohne Verbindung zu anderen Kunstdisziplinen. In Folge kamen weitere Konzepte für den Bau eines festen, computergesteuerten Olfaktoriums dazu[20], die bislang in die Realisierung seines Projektes Smeller 2.0 mündeten, auf dem über Keyboard oder vom Rechner die von Georgsdorf Smellodies genannten Kompositionen gespielt werden können.

Literatur

  • Wolfgang Georgsdorf: Mudra, Multimediapaket zur Österreichischen Gebärdensprache, Fischer Film 2001.
  • Wolfgang Georgsdorf: Kinder-Mudra - Lernprogramm für Kinder.
  • Wolfgang Georgsdorf: Geruchsorgel In: Uli Marchsteiner, Peter Assmann, OÖ Landesmuseum (Hrsg.): Werk'Zeuge / Design des Elementaren. Bibliothek der Provinz, 1996, ISBN 3-85252-119-X, S. 141–143.
  • Wolfgang Georgsdorf: Über das Riechen In: Gottfried Hattinger, OÖ Landesmuseum (Hrsg.): Über die Sinne. Bibliothek der Provinz, 2006, ISBN 978-3-85252-731-4, S. 63.
  • Wolfgang Georgsdorf: Protokoll einer Gründung In: OÖ Landesmuseum (Hrsg.): Stadtwerkstatt - In Arbeit 1979-1995. Triton Verlag Wien, ISBN 3-900746-86-9, S. 51–58.
  • Wolfgang Georgsdorf: POST - Energische und augenblickliche Musik (Über die Gründung der Musikgruppe POST) In: OÖ Landesmuseum (Hrsg.): Stadtwerkstatt - In Arbeit 1979-1995. Triton Verlag Wien, ISBN 3-900746-86-9, S. 65–77.
  • Wolfgang Georgsdorf: Smeller In: Wolfgang Georgsdorf: Fächer. Fishnet Verlag, 1997, ISBN 3-901677-01-1, S. 50–51.
  • Wolfgang Georgsdorf: Mudra In: Wolfgang Georgsdorf: Fächer. Fishnet Verlag, 1997, ISBN 3-901677-01-1, S. 52–55.
  • Thomas Renoldner: Animation in Österreich - 1832 bis heute In: Christian Dewald, Sabine Groschup, Mara Mattuschka, Thomas Renoldner (Hrsg.): Die Kunst des Einzelbilds. Filmarchiv Austria, ISBN 978-3-902531-66-7, S. 41–154. (Georgsdorf Im Gehäuse S. 134,143)
  • Wolfgang Georgsdorf: Unrasierter Abfahrer In: Stadtwerkstatt (Hrsg.): Zeichnungen aus dem Umfeld (Stwst 1979–1999). Triton Verlag Wien, 2002, ISBN 3-85486-105-2, S. 35.
  • Minus Delta t - The Project Catalogue for the 6th Triennale New Delhi. Austrian Ministry for Education, Arts and Sports, 1986.
  • Brigitte Felderer: Taubstumm oder Gehörlos In: Brigitte Felderer (Hrsg.): Phonorama - Eine Kulturgeschichte der Stimme als Medium. Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe / Museum für Neue Kunst, Matthes & Seitz, Berlin 2004, ISBN 3-88221-844-4, S. 292–303.
  • Stadtwerkstatt (Hrsg.): Mögliche Antworten. Stadtwerkstatt Text, 1990.
  • Verleihkatalog der Austrian Filmmaker-Coop. Austrian Filmmaker-Coop, 1998 (Filme Georgsdorf auf S. 29,30).

Einzelnachweise

  1. Stadtwerkstatt Linz
  2. Post bei www.sra.at
  3. Berlin Improvisers Orchestra bei georsdorf.com
  4. Blick auf den Skulpturenpark
  5. Bericht über MUDRA
  6. Deaf Dance
  7. MSA - Mudra Sign Analyzer (Vortrag Universität Hamburg 1998)
  8. WikiSIGN - A Sign Language Wiktionary
  9. OPAL - so nicht!
  10. Artikel im Brand Eins
  11. a b Lichtung
  12. Artikel OÖ Nachrichten
  13. Balla Balla Bar
  14. Waldxylophon Schwemmkanal Böhmerwald 2006
  15. Brandenburgtag Königs Wusterhausen
  16. Ars Electronica 1986
  17. Katalog Ars Electronica 1986
  18. Werk'Zeuge / Design des Elementaren. Bibliothek der Provinz, 1996, ISBN 3-85252-119-X, S. 141-143.
  19. Gottfried Hattinger, OÖ Landesmuseum (Hrsg.): Über die Sinne. Bibliothek der Provinz, 2006, ISBN 978-3-85252-731-4, S. 63.
  20. Wolfgang Georgsdorf: Fächer. Fishnet Verlag, 1997, ISBN 3-901677-01-1, S. 50-51.

Weblinks