World Vision Österreich

Dieser Artikel behandelt die beiden Vereine namens World Vision Österreich. Weitere Artikel mit World Vision im Namen finden sich unter World Vision (Begriffsklärung)
World Vision Österreich - Verein für Entwicklungszusammenarbeit und

Völkerverständigung
(World Vision Österreich, World Vision, WVÖ,
international: World Vision Austria, WVA
)

World Vision Logo.svg
Zweck: Humanitäre & Katastrophenhilfe, Entwicklungszusammenarbeit
Vorsitz: Josef Stiegler (Vorsitzender)
Gründungsdatum: 1998
Mitarbeiterzahl: 28
Sitz: Wien, Österreich
Website: www.worldvision.at

World Vision Österreich - Verein für Entwicklungszusammenarbeit und Völkerverständigung (kurz: World Vision Österreich oder WVÖ) gegründet im Dezember 1998 ist ein Verein, der im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe tätig ist. Langfristige Projekte werden in erster Linie durch Kinderpatenschaften finanziert.

Der eigenständige, gemeinnützige Verein mit Sitz in Wien hat 28 Mitarbeiter[1] und ist seit Mitte 1999 Mitglied im evangelikal verwurzelten Dachverband World Vision International (WVI).[2] Aufgrund des Spendenskandals um den Vorgänger-Verein „World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk“ wird besonders auf verantwortungsvollen Umgang mit den Spendengeldern und öffentliche Nachvollziehbarkeit geachtet und Wert darauf gelegt, dass keine Verbindung zum Vorgänger besteht, dessen Partnerschaft mit WVI von WVI 1998 wegen Veruntreuung von Spendengeldern beendet wurde.[3][4]

Gegründet als World Vision - Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung wurde der Verein früher auch World Vision GEV und GEV abgekürzt.

Inhaltsverzeichnis

Projekte

International

World Vision Österreich beteiligt sich nach dem Erdbeben an Hilfsmaßnahmen in Haiti. Nach Absprachen mit dem Koordinationsbüro der UNO, die UNOCHA. Es wurden zwölf Aufgabengebiete bestimmt und festgelegt, um möglichst alle Aufgabenbereiche abzudecken. World Vision Österreich arbeitet in den Bereichen Ernährung, Trinkwasser, Gesundheit, Hygiene sowie Kinderschutz.[5]

Österreich

In Vorbereitung der Welt-AIDS-Konferenz 2010 (AIDS 2010) ist World Vision Österreich Mitveranstalter der Vorkonferenz „Kinder und HIV/AIDS 2010“ am 16. und 17. Juli 2010 im Austria Center in Wien. Thema ist „Family Support First - Working Together to Achieve Universal Support and Access to Treatment“ („Unterstützung von Familien zuerst! Zusammenarbeit zur Ermöglichung von universellem Zugang zu Behandlung und Unterstützung“).[6] Anlässlich der Konferenz machte WVÖ mit einer Fotoausstellung über HIV-positive Jugendlichen in Bosnien und Osteuropa darauf aufmerksam, dass in Bosnien und Russland unter den Jugendlichen die höchsten Infektionsraten in Europa beobachtet werden.[7]

World Vision Österreich beteiligte sich an der Internationalen Konferenz gegen Menschenhandel 2008 in Wien mit Erfahrungen aus Südostasien und Osteuropa sowie Burma.[8]

World Vision Österreich trägt in Österreich dazu bei, den Staat bei der Umsetzung seiner Versprechen in der Entwicklungszusammenarbeit besonders den Milleniumzielen zu beobachten und auf Versäumnisse hinzuweisen.[9]

Spendenfinanzierung

World Vision Österreich gehörte am 14. November 2001 zu den ersten 44 Organisationen, die das Österreichische Spendengütesiegel verliehen bekamen[10], und betreut derzeit (Stand 2010) elf regionale Entwicklungsprojekte in den neun Ländern Chile, Ghana, Indonesien, Malawi, Mosambik, Myanmar, Sierra Leone, Swasiland und Vietnam. Das Projekt in Indien wurde 2009 abgeschlossen. Weitere Schwerpunktprojekte werden in Äthiopien (Ada Berga), in Serbien sowie in Georgien durchgeführt.[11]

Der Verein finanziert sich zu etwa zwei Dritteln aus privaten Spenden, aber auch durch öffentliche Unterstützungen der österreichischen Bundesregierung und der Europäischen Union sowie der Vereinten Nationen. Mit Hilfe von 13000 Patenschaften konnte die Organisation 2009 Kinder und deren Familien unterstützen.[12]

Die Agentur Face2Face Fundraising GmbH ist mit dem Dialogmarketing beauftragt.[13]

World Vision Österreich ist an den Wiener Afrika Tagen 2010 beteiligt.[14]

World Vision Österreich wird unter anderem von XXXLutz, Oikocredit, Saeco[15] und Diana Lueger unterstützt.[16]

Spendeneinnahmen und weitere Zuwendungen für World Vision Österreich
Jahr Spenden in Euro
2009[17] 6.918275
2008[18] 5.621740
2007[19] 5.233775
2006[20] 5.423290
2005[21] 5.136300
2004[22] 4.127747

Der Verein betreute 2004 insgesamt 7700 Kinderpatenschaften, 2003 ergab das Spenden in Höhe von rund 2,4 Mio Euro.[23]

Mitgliedschaften, Arbeitsbeziehungen und Netzwerke

World Vision Österreich ist Mitglied im Dachverband World Vision International.[2]

Ab 2004 war World Vision Österreich Mitglied der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit (AGEZ), und ist ebenso in der Nachfolgeorganisation Arbeitsgemeinschaft Globale Verantwortung - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe mit einer Mitgliedschaft vertreten.[24] World Vision Österreich engagiert sich in den letzten Jahren verstärkt in der als Anwaltschaftsarbeit bezeichneten Lobbyarbeit und ist in verschiedenen thematischen Netzwerken tätig, die in engem Zusammenhang mit den Regionalentwicklungsprojekten in Ländern des Südens stehen. So ist World Vision Österreich unter anderem seit 2001 Mitglied der Sudan-Plattform[25], seit 2003 des österreichischen Aktionsbündnisses gegen HIV/Aids[26], seit 2005 der österreichischen EU-Plattform entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen[27], sowie Gründungsmitglied des Vereins Netzwerk für soziale Verantwortung (Nesove). Weiterhin ist World Vision Österreich Mitglied bei VOICE (Voluntary Organisations in Cooperation in Emergencies).[28]

World Vision Österreich ist Mitglied bei Netzwerk Women in Development Europe (WIDE), das sich besonders für die Stärkung der Frauen in der Entwicklungszusammenarbeit engagiert.[29][30]

World Vision Österreich ist Mitglied von ECPAT (End Child Prostitution and Trafficking), welches für eine Verbesserung des Schutzes und der Rehabilitation der Opfer von Kinderhandel und Kinderprostitution eintritt.[31]

Vorgänger: „World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk“ (bis 1998)

Der ursprüngliche Verein „World Vision Österreich – Christliches Hilfswerk“ war von 1976 bis 1998 in Österreich tätig.

Ein Antrag von World Vision um Aufnahme in die österreichische Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit (AGEZ) wurde 1996 abgelehnt. Die Begründung lautete: „World Vision Österreich erfüllt weder unsere Kriterien von Transparenz und Offenlegung der Einnahmen noch entspricht ihre Arbeit unseren Anforderungen an Entwicklungszusammenarbeit.“ (Südwind-Magazin[32])

1998 zeigten sich bei zwei Überprüfungen (peer reviews) durch die internationale World Vision Partnerschaft Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung und in der Dokumentation der Patenschaften[33], die sich zum Verdacht der Veruntreuung seitens der damaligen Geschäftsführung verdichteten. Da sich die Geschäftsführung jedoch konsequent einer Aufklärung verweigerte, schaltete das World Vision-Vereinsmitglied Josef Stiegler die österreichischen Behörden ein, die eine gründliche Untersuchung veranlasste. Am 26. November 1998 wurde das damalige Führungsduo in Untersuchungshaft genommen.[34] Die Untersuchung ergab schließlich eine umfangreiche Veruntreuung von Spendengeldern durch die damalige Geschäftsführerin Martina Krones-Taurer. World Vision International setzte rechtliche Schritte um dem Verein die Namensrechte zu entziehen.[35] Der Verein wurde noch im November 1998 aufgelöst.

Der Spendenskandal hatte eine sehr hohe mediale Präsenz in Österreich, unter anderem, weil der Kaiser-Enkel und damalige Europaabgeordnete Karl Habsburg-Lothringen zeitweise dem Vorstand von World Vision Österreich angehört hatte.

Wirtschaftsprüfer der KPMG bestätigten Geldflüsse von der Organisation zur Paneuropa-Union, hierbei flossen Spendengelder in den EU-Wahlkampf 1996 der ÖVP, auf deren Listenplatz zwei Karl Habsburg für das Europaparlament kandidierte.[36][37] Anton Heinz Struppy, der 1998 gleichzeitig für die Paneuropabewegung und World Vision Österreich arbeitete[38], betrieb anschließend bis 30. Juni 2010 einen Finanzservice.[39]

In Folge wurde gegen die damalige Präsidentin und Geschäftsführerin Martina Taurer-Krones[40] und ihren Ehemann Wolfgang Krones Anzeige erstattet. Unter anderen wurde ihnen vorgeworfen, Spendengelder in der Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Euro veruntreut und für private Zwecke, wie z. B. Reisen, ausgegeben zu haben. Nach einem langwierigen gerichtlichen Vorverfahren wurde im November 2003 der Prozess eröffnet. Im September 2004 wurde Martina Taurer-Krones zu drei Jahren Haft ohne Bewährung und Wolfgang Krones als Mittäter zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die des „Mitwissens“ angeklagte ehemalige Finanzreferentin von „World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk“ wurde freigesprochen. Erst 2004 zahlte Karl Habsburg 36.899 Euro an den Nachfolgeverein von World Vision zurück, die - nach seinen Angaben ohne sein Wissen - in die Finanzierung seines Wahlkampfes geflossen waren.[41]

Josef Stiegler gründete noch im Dezember 1998 die Nachfolgeorganisation 'World Vision - Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung“.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stand 2010  Amanda Platzer, World Vision Österreich (Hrsg.): Organisation. Wien 2010 (http://worldvision.at/index.php?id=45, abgerufen am 20. Januar 2010).
  2. a b United Nations Industrial Development Organization: Matters related to intergovernmental, non-governmental and other organisations - Applications from non-governmental organizations for consultative status vom 2. Mai 2002, auch online (PDF). „Dachverband“ - wörtlich: umbrella organisation. Zitat: Each member organization is autonomous while working within the WVI network. All members have an equal vote within the inter-national council of WVI.
  3. Wiener Zeitung: Gütesiegel für World Vision GEV (Stand: 6. April 2005). Abgerufen am 8. September 2012
  4. World Vision Österreich: Geschichte. Abgerufen am 4. Juni 2012
  5. Pressemitteilung vom 22. Januar 2010 [1]
  6. World Vision Österreich als lokaler Gastgeber des Fachsymposiums „Kinder und HIV/AIDS“. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  7. SN/APA: Jugendliche informieren über Aids. in: Salzburger Nachrichten vom 16. Juli 2010, S. 23.
  8. Internationale Konferenz gegen Menschenhandel tagte 2008 in Wien. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  9. Österreichische Entwicklungs- zusammenarbeit. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  10. Spenden-Engagement muss belohnt werden: Organisationen fordern steuerliche Absetzbarkeit. 14. November 2003, archiviert vom Original am 30. Juni 2010, abgerufen am 30. Juni 2010.
  11. http://www.worldvision.at/index.php?id=490
  12. http://www.worldvision.at/_downloads/allgemein/WV%20Jahresbericht%202009_Mail.pdf S. 3.
  13. http://www.face2facefundraising.at/Kunden/WorldVision/tabid/73/language/de-DE/Default.aspx Face2Face Fundraising Kunden
  14. Salzburger Nachrichten: Europas beste Architektur vom 24. Juni 2010, S. 11 (Kultur).
  15. http://www.worldvision.at/index.php?id=281
  16. http://www.worldvision.at/index.php?id=538
  17. World Vision Österreich: PDF S. 20.
  18. World Vision Österreich: PDF S. 16.
  19. World Vision Österreich: PDF, S. 12.
  20. World Vision Österreich: PDF, S. 15.
  21. World Vision Österreich: PDF S. 5.
  22. World Vision Österreich: PDF, S. 5.
  23. "World Vision"- Spendenaffäre: Drei Jahre Haft für Präsidentin in: Der Standard vom 30. September 2004, online vom 3. Oktober 2004.
  24. http://www.globaleverantwortung.at/start.asp?b=1288
  25. about us. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  26. http://www.aidskampagne.at/
  27. http://www.eu-plattform.at/deutsch/start.asp?b=814
  28. http://www.ngovoice.org/index.php?page=121
  29. Ziele - Frauen - sichtbar machen, stärken, ermächtigen. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  30. WIDE: Mitglieder. Archiviert vom Original am 30. Juni 2010, abgerufen am 30. Juni 2010.
  31. 3. Weltkongress gegen Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie 2008. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  32. Südwind-Magazin: Umstrittene Kinderpatenschaften - World Visions Methoden waren der "Szene" von Anfang an suspekt. Ausgabe 01/1999, Seite 8.
  33. Austrian Development Agency: World Vision Österreich: Kofinanzierte Projekte in Afrika. Archiv 04/1999.
  34. Andreas Khol, Günther Ofner, Alfred Stirnemann: Österreichisches Jahrbuch für Politik 1998, R. Oldenbourg, 1998, ISBN 978-3-7028-0362-9, S. 696.
  35. Vgl. Rückblick der Zeitschrift Datum
  36. Hans-Peter Martin: "Österreich: Gelber Stern". Der Spiegel, 21. Dezember 1998, abgerufen am 5. Dezember 2009.
  37. hagalil.com: „Unkorrekte Geldflüsse“ - Nach Prüfbericht steigt Druck auf Habsburg
  38. Algoprint: Club Carriere - Enzyklopädie des Erfolges 1998, Algoprint Verlags AG, 1998, ISBN 3-9521669-0-1, ISBN 978-3-9521669-0-1, S. 710.
  39. Anton Heinz Struppy: Impressum. Archiviert vom Original, abgerufen am 1. Juli 2010.
  40. Die Presse: Betrugsprozess: Krones-Taurer erneut angeklagt. 26. Januar 2007
  41. Rückblick der Zeitschrift Datum