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Aperschnalzen, Goaßlschnalzen#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Das Aperschnalzen oder Goaßlschnalzen ist ein wahrscheinlich ein alter, vorchristlicher Brauch, beheimatet im Salzburger Flachgau und im benachbarten Rupertigau - es wird ausschließlich zwischen Stefanitag und dem Faschingsdienstag ausgeübt: jedes 3. Jahr zu einem festgesetztem Termin im Flachgau, dazwischen im bayrischen Rupertiwinkel.

Es könnte sich ursprünglich dabei um einen Lärmbrauch gehandelt haben: das laute Knallen der "Goaßeln" sollte die Winterunholde vertreiben und zugleich die im Winter "schlafende Natur" zu neuem Wachstum erwecken.

In früheren Jahrhunderten knallten aber auch die Fuhrleute mit ihrer Peitsche ("Goaßl" - je nach Region auch "Goißl", "Geißel" oder "Gaßl"), um an unübersichtlichen Stellen auf ihren Wagen aufmerksam zu machen. Zur Unterscheidung von anderen Fuhrwerken setzten die Fuhrleute immer speziellere Knallfolgen ein: es entstanden bestimmte Schlagarten wie der Vorhandschlag, der Rückhandschlag und der Doppelschlag, später auch die "Triangel"; im Lauf der Zeit entstanden so richtige Erkennungsmelodien.

Urkundlich belegt ist der Brauch des Aperschnalzens im Rupertiwinkel ab dem Jahr 1810, Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er wiederbelebt: "geschnalzt" wird in Ortschaften entlang der Grenzflüsse Saalach und Salzach, und zwar zwischen Weihnachten und der Fastenzeit.

Geschnalzt wird mit der so genannten "Goaßl": Sie besteht aus einem Holzstiel und einem Hanfseil, das sich nach außen verjüngt und mit schwarzem Pech eingelassen wird.

Geschnalzt wird in kleinen Gruppen, die man "Passen" nennt - eine Schnalzerpasse besteht meist aus neun Mann (immer eine ungerade Zahl), die zwei Durchgänge schnalzen.

An den (erstmals 1936 in Maxglan durchgeführten) Preisschnalz-Wettbewerben wie an den Auftritten bei Trachtenfesten und anderen öffentlichen Veranstaltungen (z.B. Eröffnung der Olympischen Spiele 1972) nehmen meist 60 bis 70 Passen teil.

Beim Aperschnalzen kommt es vor allem auf Technik und Rhythmus an: das rhythmisches Schnalzen und Knallen mit einer bis zu 4 m langen Peitsche ist nicht einfach – damit es richtig knallt, muss die ausgeschwungene Goaßl so schnell zurückgezogen werden, dass das Ende des Stricks mit Überschallgeschwindigkeit zurückschlägt.

Bei Wettbewerben wird die Präzision der Schnalzer bewertet: sie müssen absolut sauber und im Takt der Musik sein; nach maximal drei Minuten urteilt eine Jury über Gesamteindruck, Musikalität und Technik (viele Doppel- und Dreifachschläge bringen Extra-Punkte).

Das Rupertigau Preisschnalzen ist die größte Veranstaltung dieser Art, so etwas wie das "Olympia der Schnalzer" und gleichzeitig der Abschluss der Saison.

(In Linz wird seit 1925 ein ähnlicher Neujahrsbrauch ausgeübt: die kurzstieligen Peitschen sind 4 m lang und 4 kg schwer. Das Ende, das den Knall erzeugt, ist ein 30 cm langer Seidenfaden mit einem Knoten (Schmiss). Die Ausführenden, eine Gruppe von etwa zehn Männern, tragen Trachten.)

Quellen#


Redaktion: hmw, I. Schinnerl