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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Dürnstein
Wappen von Dürnstein

Dürnstein: Kirche und Burgruine, © Österreichwerbung, Markowitsch
Dürnstein: Kirche und Burgruine
© Österreichwerbung, Markowitsch

Dürnstein Dürnstein , die "Perle der Wachau" (im Bezirk Krems an der Donau) zählt zu den berühmtesten Gemeinden Niederösterreichs.

Die reizvolle Lage, der weithin sichtbare blaue Turm der Stiftskirche, die Kuenringer und nicht zuletzt die Geschichte von Richard Löwenherz machen Dürnstein zu einem besonderen Ort.

Das schon in der Jungsteinzeit besiedelte Gebiet um Dürnstein gelangte im 11. Jahrhundert als Schenkung Kaiser Heinrichs II. an das Kloster Tegernsee. Tegernsee Auch der Ahnherr der Kuenringer, Azzo, soll dort begütert gewesen sein. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts war das Gebiet Eigentum der Kuenringer, die eine Burg errichteten, vermutlich war Hadmar II. der Gründer.

Die Burg wird erstmals 1192 im Zusammenhang mit der Gefangennahme des englischen Königs Richard Löwenherz erwähnt und wurde zu einem der Haupt- und Stammsitze der Kuenringer. Löwenherz wurde dort gefangen gehalten, weil sie ihre luxuriöse Ausstattung durchaus als königliches Quartier geeignet machte. Ebenso waren Befreiungsversuche, die bei einer Gefangenschaft in Wien nicht ausgeschlossen werden konnten, aus der damals modernsten und stärksten Festung des Herzogtums Österreich von vornherein aussichtslos.

Wegen der führenden Beteiligung der Brüder Hadmar III. und Heinrich, der "Hunde von Kuenring", an der Adelserhebung 1230/1231 gegen Herzog Friedrich II. wurde der höchste Turm (Bergfried) zerstört, um die Burg entscheidend zu schwächen. Die Ministerialen hatten sich erhoben, weil sie sich gegenüber den Städten und Klöstern mit ihren zahlreichen Privilegien benachteiligt fühlten.

Dürnstein konnte nur durch eine Kriegslist, nämlich ein "trojanisches Schiff", eingenommen werden: Friedrich II. rüstete in Regensburg ein Handelsschiff mit zahlreichen Rittern aus. Als es wie bei Kauffahrerschiffen üblich von Hadmar III. mit einer Kette über die Donau aufgehalten wurde, geriet dieser in Gefangenschaft des Herzogs, wodurch er Dürnstein dem Sieger übergeben musste. Der Sohn Hadmars, Albero V., begründete die Dürnsteiner Linie der Kuenringer.

In der 1347 erfolgten Erbteilung zwischen den kuenringischen Brüdern Leuthold III. und Johann I. wurde die neue Ortsanlage erstmalig urkundlich als Stadt bezeichnet.

In diesem Jahr dürfte Dürnstein von Johann I. das Stadtrecht erhalten haben, die Bewohner wurden als Bürger bezeichnet. Ihr Wappen erhielt die Stadt Dürnstein allerdings erst von Kaiser Friedrich III. 1476 verliehen.

Nach dem Aussterben dieser Dürnsteiner kuenringischen Linie (1355) fielen Burg und Stadt als erledigtes Lehen an den Landesfürsten Herzog Albrecht II. zurück. Für mehr als 200 Jahre wurde Dürnstein von landesfürstlichen Pflegern verwaltet oder an Adelsfamilien verpfändet, darunter die Maissauer und Eitzinger. Mitte des 16. Jahrhunderts war die Burg bereits baufällig. 1572 kam sie als erbliches Lehen in den Besitz des Reichard Streun von Schwarzenau, im 17. Jahrhundert fiel sie an die Zelkinger (1609), Zinzendorfer (1625) und schließlich 1663 an die Grafen von Starhemberg, deren Nachkommen noch heute in ihrem Besitz sind.

Lennart Torstenson
Lennart Torstenson.
Aus: Wikicommons

Die Burg blieb trotz Instandsetzungsarbeiten baufällig. Meist diente daher das ehemalige "feste Haus" der kuenringischen Dienstleute als Wohnsitz, das Christoph Wilhelm von Zelking Anfang des 17. Jahrhunderts zu einem Schloss umbauen ließ. 1645 wurde die Stadt von schwedischen Truppen unter General Torstenson geplündert, die Burg gestürmt und beim Abzug beschädigt. Im Türkenjahr 1683 wurde sie nur mehr notdürftig als Fluchtort eingerichtet, bewohnbar war sie nicht mehr. Kaiser Leopold wartete daher das Ergebnis der Entscheidungsschlacht um Wien im Lustschloss des Dürnsteiner Prälaten ab.

Im 15. Jahrhundert erlebte die Stadt in den Hussiten- und Ungarnkriegen sowie den Fehden zwischen Kaiser Friedrich III. und seinem Bruder Albrecht VI. mehrfach Plünderungen und Belagerungen.

1289 hatte Leutold I. von Kuenring ein Klarissenkloster gestiftet, das im Zuge der Reformation 1573 durch den Klosterrat aufgehoben wurde (heute ist das ehemalige Kloster zum Teil verbaut; von der frühgotischen ehemaligen Pfarrkirche (1803 zerstört) sind heute nur noch Turm und Grundmauern erhalten).

Das zweite Kloster, das bis heute das Stadtbild prägt, ist das Augustiner-Chorherrenstift.

Es wurde 1410 von Otto von Maissau gestiftet, 8 Chorherren aus dem Reformkloster Wittingau in Böhmen konstituierten den Konvent und wählten den Chorherren Martin aus ihrer Mitte zum ersten Propst. Damit war dem ausdrücklichen Wunsch des Stifters entsprochen, der in der Stiftungsurkunde die Errichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes nach dem Vorbild der böhmischen Reformklöster Raudnitz Raudnitz und Wittingau Wittingau verlangt hatte.

Ab 1715 wurde der Bau barockisiert: Propst Hieronymus Übelbacher beauftragte die St. Pöltener Baumeister Josef Munggenast und Jakob Prandtauer einen der prachtvollsten Bauten des österreichischen Hochbarock zu schaffen, der mit seinem Turm bis heute das Wahrzeichen des Weltkulturerbes Wachau ist.

1788 wurde das Kloster unter Kaiser Joseph II. aufgehoben und mit seinen zahlreichen Pfarren wie das Stift St. Andrä an der Traisen dem Stift Herzogenburg inkorporiert, das dadurch von den Josephinischen Reformen enorm profitierte.

Sehenswert sind u.a. der quadratische Westturm (1733 vollendet) mit Statuen und Reliefs von J. Schmidt,ein prächtiges in den äußersten Stiftshof mündendes Tor (wahrscheinlich von Steinl), das Hochaltarbild von C. Haringer, Bilder der 2 Mittelkapellen und ein monumentales Deckenfresko (1775) im Saal des Stiftsgebäudes von M. J. Schmidt.

Der blau-weiße Kirchturm erhielt im Zuge der jüngsten Renovierung wieder seine Originalfarbe und wurde neben der Ruine zum Wahrzeichen nicht nur der Stadt sondern des gesamten "Weltkulturerbes" Wachau.


--> Dürnstein (Bildlexikon)
--> Schloss Dürnstein (Burgen und Schlösser)
--> Dürnstein, Stiftskirche: Josef Munggenast, Matthias Steinl und Jakob Prandtauer, 1715-1733 (Video Album)
--> Historische Bilder zu Dürnstein (IMAGNO)
--> Dürnstein (Schicksalsorte)

Quellen#

Literatur#

  • Österreichisches Städtebuch, Band IV, Teil 1, Die Städte Niederösterreichs, 1988
  • Karl Gutkas: Niederösterreichische Landeschronik, Brandstätter, Wien 1990



Redaktion: I. Schinnerl
Mitarbeit: Karl Anton Glaubauf