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Josefstadt, Wien 8#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Josefstadt
Die Josefstadt auf dem Plan von Carl Graf Vasquez, um 1830.
Foto: Peter Gugerell. Aus: Wikicommons

Der Name der Vorstadt - zu Ehren des späteren Kaisers Joseph I. - erscheint erstmals 1700. Sie erstreckte sich zwischen Florianigasse und Lerchenfelder Straße bzw. Auerspergstraße, Landesgerichtsstraße und Piaristengasse. Wie in fast allen Vorstädten begann die kontinuierliche Besiedlung erst nach der Zweiten Türkenbelagerung (1683). Aus der Zeit davor ist nur der Rottenhof dokumentiert, dessen Grundbesitz dann parzelliert und verbaut wurde. Nach der Schleifung der Basteien war die Josefstadt durch den Exerzier- und Paradeplatz auf dem Glacis von der Innenstadt getrennt, die man nur auf Umwegen erreichen konnte. Im Zuge der Stadterweiterung wurde die Josefstadt 1850 mit anderen Vorstädten als 7. (ab 1861 - 8.) Bezirk eingemeindet, wobei sich die Grenzen zum Alsergrund mehrmals verschoben.

1698 siedelte sich der Orden der Piaristen an. Die Piaristenkirche ("Maria Treu") ging aus einer Kapelle hervor. 1716-1721 entstand die Kirche nach Plänen Johann Lukas von Hildebrandts. Die Deckenfresken malte Franz Anton Maulbertsch. Die Kirche bildet, mit ihrem vorgewölbten Mittelteil und der großartigen Säulengliederung, das Zentrum eines Ensembles. Den linken Flügelbau bildet das Piaristenkolleg, den rechten das Löwenburgkonvikt. In der Mitte des Platzes erhebt sich eine 1713 gestiftete Immaculata-Säule. Markant ist auch das Palais Auersperg (Auerspergstraße 1). Um 1710 ließ es Hieronymus Rofrano nach Plänen Lukas von Hildebrandts und Johann Bernhard Fischer von Erlachs an Stelle des Rottenhofes am Glacis errichten. 1953 -1954 wurde das Haus nach Plänen von Oswald Haerdtl modernisiert. Es entstanden ein Restaurant, ein Wintergarten, Veranstaltungsräume und ein Kaffeehaus für 600 Personen. Nach seither mehrmaligem Besitzerwechsel werden die elf historischen Säle für Bälle und andere Großveranstaltungen, das Obergeschoß für Büros genutzt.

Das Theater in der Josefstadt war 1788 ein freistehendes, klassizistisches Gebäude. 1814 debutierte Ferdinand Raimund, dessen "Verschwender" später hier uraufgeführt wurde. In den 1820er und 30er Jahren baute Josef Kornhäusel das "Josephstädter Theater" mit den Sträußelsälen. 1923/24 erfolgte die Neugestaltung unter der Direktion von Max Reinhardt.

Das Wappen zeigt den hl. Josef mit einer Lilie, der das Jesuskind auf dem linken Arm trägt.


--> Liste der Wiener Vorstädte

Quelle#


  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
  • Walter Öhlinger (Hg.): Die Pläne der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien von Carl Graf Vasquez


Redaktion: hmw