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Leopoldstadt, Wien 2#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Leopoldstadt
Leopoldstadt auf dem Plan von Carl Graf Vasquez, um 1830.
Foto: Peter Gugerell. Aus: Wikicommons

Die Vorstadt entwickelte sich nach 1300 auf Inseln ("Unterer Werd") der Donau nordöstlich der Inneren Stadt, mit der sie die Schlagbrücke (die spätere Schwedenbrücke) verband. Über eine 1698 errichtete Brücke beim Tabor und die Taborstraße führte der Verkehr nach Brünn und Prag. Um 1600 waren einige Donauarme ausgetrocknet. 1614 stellte Kaiser Matthias den Barmherzigen Brüdern Grundstücke zur Verfügung, sie bauten Kirche, Kloster und ein Spital. Im selben Jahr begann der Bau seines Lustschlösschens im Augarten. 1625-1670 befand sich das jüdische Getto in der Leopoldstadt (Taborstraße, Kleine Sperlgasse, Krummbaumgasse, Große Schiffgasse, Leopoldsgasse, Malzgasse, Obere Augartenstraße). 1766 öffnete Kaiser Joseph II. den Prater und 1775 den Augarten für die Allgemeinheit. Im Vormärz befanden sich bekannte Vergnügungslokale (Leopoldstädter Theater, Sperl, Odeon, Kolosseum) in der Vorstadt. Im 19. Jahrhundert veränderten die Anlagen des Nord- und Nordwestbahnhofs und die Donauregulierung das Stadtbild einschneidend.

Markante Gebäude sind die Karmeliterkirche aus dem 17. Jahrhundert - deren turmlose Fassade nach italienischem Vorbild die erste dieser Art in Wien war - und die an Stelle der Synagoge errichtete Pfarrkirche St. Leopold. Nach Zerstörungen in der Zweiten Türkenbelagerung (1683) hat man sie nach Plänen von Anton Ospel neu gebaut. Der Entwurf mit Kuppeln, Kapellen und der Einturmfassade unterscheidet sich wesentlich von den damals üblichen, eher einfachen Kirchen. Vor der Kirche stehen überlebensgroße Statuen der Heiligen Leopold und Florian aus der Kirche Am Hof und ein Gedenkstein für Johann Baptist Weber. Weber, der hier Pfarrer war, gründete - aus sozialen Überlegungen - die Erste österreichische Spar-Casse.

Das ehemalige kaiserliche Jagdgebiet des Praters, das etwa 6 km² umfasst, prägt bis heute den 2. Bezirk. Bald nach seiner Öffnung etablierte sich der Wurstelprater als Belustigungsort, mit dem 1896 eröffneten Riesenrad als Wiener Wahrzeichen. Im Prater befinden sich auch das Messegelände, wo 1873 die Wiener Weltausstellung stattfand, der Trabrennplatz, Stadion und Stadionbad, die Galopprennbahn Freudenau, ein Golfplatz, Gewässer und große Erholungsflächen, wie die Jesuitenwiese. Die Hauptallee verbindet das Lusthaus mit dem Praterstern. Am Praterstern treffen sieben Straßen zusammen, in der Mitte steht das Denkmal des Admirals Wilhelm Tegetthoff (1827-1871). Der Platz ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Wiens (S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahnen, Autobusse). Das Zielgebiet der Stadtentwicklung "Leopoldstadt - Prater" umfasst acht großflächige Einzelprojekte (siehe Grafik).

Das Wappen zeigt den hl. Leopold mit dem Österreichischen Herzogshut, Schwert, der nö. Fahne und einem Kirchenmodell.

--> Liste der Wiener Vorstädte

Quellen#


  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
  • Walter Öhlinger (Hg.): Die Pläne der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien von Carl Graf Vasquez
  • www.wien.gv.at


Redaktion: hmw