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Passionsspiel#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Passionsspiel
Passionsspiel, 1930
© IMAGNO, Austrian Archives

Wie auch andere geistliche Schauspiele entstanden Passionsspiele in den Klöstern, zuerst in lateinischer, ab dem 14. Jahrhundert in deutscher Sprache. Durch das Jesuitentheater angeregt, lebten sie in der Barockzeit auf. Ähnlich in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, als in vielen Pfarren Laienspielgruppen entstanden. Sie versicherten sich oft professioneller Hilfe bei Text und Regie, nach dem Zweiten Vatikanum wurden die Stücke umgearbeitet. Manche Passionsspiele gehen auf Gelübde zurück und finden, in mehrjährigen Abständen, unabhängig von der Fastenzeit statt.

In Erl (Tirol ) reicht die Tradition der ältesten Passionsspiele Österreichs bis 1613 . Sie werden alle sechs Jahre zwischen Mai und Oktober von 500 Mitwirkenden aufgeführt. Das moderne Passionsspielhaus bietet Platz für 1.500 Gäste und wird in den anderen Jahren für Opernaufführungen verwendet. Nach 400 Jahren steht 2013 die "Jubiläumspassion" auf dem Programm.

In Thiersee (Tirol) gibt es seit 1799 Passionsspiele. Damals gelobten die Bewohner, um die Kriegsnot von ihrem Ort fernzuhalten, alljährlich in der Fastenzeit ein Mysterienspiel. Das Festspielhaus stammt aus dem Jahr 1927 und wurde im Jubiläumsjahr 1999 modernisiert. 2011 ist in Thiersee ein Spieljahr.

Sankt Margarethen (Burgenland) ist seit 1926 Passionsspielgemeinde. Damals sahen der Pfarrer und der Obmann des Burschenvereins in Großhöflein bei Eisenstadt ein "Leiden-Christi-Spiel". Sie waren davon so beeindruckt, dass sie binnen eines Monats in ihrem Ort etwas Ähnliches zustande brachten. Seit 1961 bildet der Römersteinbruch - mit 4.260 Sitzplätzen Europas größte Naturbühne - die Kulisse für die alle fünf Jahre stattfindenden Spiele. Anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Passionsspiele im Römersteinbruch" kommt es 2011 zu einer Neuinszenierung, bei der das bestehende Textbuch überarbeitet wurde. Von den 2800 Einwohnern Sankt Margarethens wirken 650 ehrenamtlich mit, die 70 Sprechrollen sind mit Laiendarstellern doppelt besetzt.

Kirchschlag in der Buckligen Welt (Niederösterreich) hat als Aufführungsort seit 1932 Tradition. Hier wird derzeit in 5-Jahres-Intervallen gespielt. Ein eigenes Passionsspielhaus fasst an die 1.200 Besucher, 400 Laienschauspieler und Sänger wirken mit. 2010 wurden Bühnenbild und Inszenierung erneuert.

In Mettmach (Oberösterreich) begann eine Laienspielgruppe 1950 mit der "Heimkehrer-Passion", zum Dank für die Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Seit 1960 findet sie, in einer eigenen Halle, in fünf- bis zehnjährigem Abstand statt.

In Großgmain (Salzburg) wird seit 1983 in der Wallfahrtskirche alle fünf Jahre die Loferer Passion aufgeführt (zuletzt 2008). Den Komponisten Cesar Bresgen (1913-1988) haben das "Loverleed" aus dem Jahr 1593 ("Ach fasse zu Herzen"), die Handschrift einer barocken Salzburger Passion und wohl auch autobiographische Gründe zu diesem Werk inspiriert.

Aus Dorfstetten (Niederösterreich) fuhren einige Bewohner 1984 zu den Passionsspielen nach Oberammergau (Deutschland). Nach ihrer Rückkehr beschlossen sie, ähnliches in ihrem Ort zu veranstalten. Die ersten Aufführungen fanden 1990 statt, seither im 6-Jahres-Rhythmus, nächstes Mal 2014. 150 Laiendarsteller spielen im Pfarrhof.

In Feldkirchen bei Graz (Steiermark) gibt es im Pfarrsaal seit knapp drei Jahrzehnten Passionsspiele. Für die aktuelle Saison wurde nicht nur die Spielstätte renoviert und erweitert, auch das Stück erhielt eine neue dramaturgische Gestaltung, Bühnenbild, Musik und Texte. 150 Ausführende wirken mit.

In St. Georgen ob Murau (Steiermark) fanden die Passionsspiele 1922-1936 regelmäßig statt. 1953 übernahm sie der neu gegründete Theaterverein. In der heutigen Form spielt man den biblischen Stoff in mehrjährigen Abständen seit 1998, zuletzt 2010.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 52 f.

Redaktion:hmw