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Matrei am Brenner "Maria Waldrast" Wallfahrtskirche, Kloster und Quelle#

Gemeinde Matrei; Ort und Pfarre Maria Waldrast; Bezirk Innsbruck-Land


Matrei am Brenner, Maria Waldrast

Tourist/Web Info

Tel. 05273 6230-0
www.matrei-brenner.tirol.gv.at

Wegbeschreibung

Innsbruck - Matrei Matrei am Brenner, Innsbruck-Land, Tirol

Wasserentnahme

Quelle frei zugänglich, viel Wasser



Der Ort:#

Matrei erlitt im 2. Weltkrieg schwerste Bombenschäden, doch man hat den Ort liebevoll und im alten Stil wiederum aufgebaut. Es gibt einen "Markt" und eine "Altstadt", wo durch den regen Warenverkehr über den Brenner früher recht gut verdient wurde. Heute sind die drei Gemeinden Matrei, Mühlbachl und Pfons weitgehend zusammengewachsen, der gemeinsame Tourismusverband organisiert für die vielen Gäste Wanderungen, Kletterurlaube, das jährlich stattfindende Sagen-Festival, Heimatabende und Konzerte. Kunstinteressierte haben ihre Freude an der spätgotischen Pfarrkirche, der Friedhofskapelle, der barocken Spitalskirche, an den Fresken der vielen Giebelhäuser und an den alten Wirtshausschildern. Lust auf den Besitz traditioneller Taschen und Gürtel macht einer der seltenen Federkielsticker.

Matrei am Brenner, Maria Waldrast

Der Weg zur Quelle:#

Maria Waldrast ist gut ausgeschildert. Unter der Autobahn durch kommt man schnell zu einem kleinen Hüttchen mit Schranken. Ab hier beginnt die Mautstraße zu Kloster und Kirche. Die 4 Euro sind gut angelegt, denn man ist mit dem Wagen in "vorsichtigen" 20 Minuten am Ziel. Die Straße schraubt sich kurvenreich in 1.650 Meter Höhe, sie ist gut ausgebaut, z. T. aber eng mit Schwindel erregenden Abgründen. Eine Wanderung würde mehrere Stunden in Anspruch nehmen Die Quelle steht unmittelbar am Beginn des Wanderweges, links neben der Klosterkirche.

Allgemeines:#

Warum dieser Platz bereits den Kelten heilig war, ist auf dem Weg zu erspüren und erst recht, wenn sich das Gelände zur von Felsen, Bäumen und Bergen umschlossenen Hochfläche weitet, auf der Kloster und Kirche nur einen kleinen Teil einnehmen. Touren auf die Serles, den heiligen Berg Tirols, beginnen meist hier. Auch die Rompilger benützten die Route über Maria Waldrast. Damals wie heute betritt der Mensch heiligen Boden und alles spricht davon: der weltentrückte Platz, der Spurstein auf der Bergwiese unter der Kirche, die Ursprungskapelle am Waldrand, der einfache Gnadenbrunnen beim Wassergärtchen, das mächtige Kloster mit der angebauten Kirche vor der Alm.

Matrei am Brenner, Maria Waldrast
Einst, man schrieb das Jahr 1396, stieg ein Engel herab und ließ in einem dürren Lärchenbaum unter der Serlesspitze ein Marienbildnis wachsen. Die gekrönte heilige Maria reicht darin ihrem ebenfalls gekrönten Kinde einen Apfel. Am Karsamstag des Jahres 1407 entdeckten zwei Hirtenknaben das Wunder und führten ihre Herren zur unfassbaren Erscheinung. Man holte die Statue ins Tal. Die Kultfigur gibt es noch heute - an ihrer Rückseite sieht man die Hackspuren, wo man sie einst mit einem Beil vom Stamm abgespaltet. Maria von der Waldrast nahm in Matrei Quartier, denn sie hatte noch keine eigene Wohnstatt. Diese sollte aber wenige Jahre später entstehen, dabei bedienten sich die himmlischen Mächte eines Holzhackers namens Christian Lurch. Er hörte nachts eine Stimme, die ihn aufforderte, eine Kirche zu bauen. Dies kam ihm nicht geheuer vor, denn er war ein armer Mann. Wo sollte er das Geld für ein solches Bauwerk hernehmen, hatte er doch nicht einmal genug für sein nacktes Leben. Aber die Stimme fuhr fort, ihn zu mahnen. Schließlich sagte sie: "Im Wald ist ein grüner Fleck im Moos, da leg dich nieder und raste, dann wird dir kundgetan, wo die Kirche stehen soll" Lurch zog also hinauf, der Serles entgegen, fand auch wirklich den grünen Fleck im Moos und ließ sich nieder. Er schlief ein und wurde von zwei hell klingenden Glocken geweckt. Als er sich aufsetzte, sah er eine vornehme weiß gekleidete Dame mit einem Kind auf dem Arm in einiger Entfernung stehen. Sie verschwand aber sofort wieder. Nun zweifelte er nicht mehr an seinem göttlichen Auftrag. Er stand auf und markierte den Grundriss der Kirche, währenddessen die Glöckchen immerzu erklangen. Als er fertig war, verstummten auch die Glocken. Nun ging er daran, das Geld für das Bauwerk zu beschaffen, der Bischof von Brixen war dabei hilfreich. Nach Ausstellung eines Sammelbriefes flossen die Spenden so reichlich, dass die erste Kapelle 1429 fertig gestellt werden konnte. Nach einer weiteren Legende unterhielt sich die Statue mit der Erzherzogin Marianne und kam dadurch zu ihrem Haus. Eine andere ähnelt der Gründungslegende von St. Magdalena, das ja im selben Gebiet liegt: Zum richtigen Bauplatz trugen Tauben die blutigen Schindeln, die bei den Unfällen der Handwerker, die am falschen Platz arbeiteten, anfielen. Vom Schalenstein heißt es, er trüge die Fußspuren der heiligen Frau, die auf ihrer Flucht von Ägypten hier geruht hätte. Maria hätte die zwei Reihen merkwürdiger rechteckiger Löcher hinterlassen und der Stein wäre auf wundersame Weise von Ägypten bis nach Waldrast geflogen. Das Wasser, das sie trank, heißt "Muattawasser". Maria Waldrast ist der am höchsten gelegene Wallfahrtsort Tirols. Könige und Fürsten, Bürger und Bauern, Reiche und Arme stifteten seit 600 Jahren wertvolle Gaben, darunter befand sich auch Kaiserin Maria Theresia, die mit ihren Töchtern ein wertvolles Gewand für Waldrast stickte. Die Klostergründung der Serviten erfolgte 1621. Mit zwei Unterbrechungen, einmal durch Joseph II., 1785, und einmal durch die Nazis, 1941, werden Kloster, Kirche und die Gnadenquelle bis heute von den Serviten betreut. Die Kirche ist ein Kleinod.
Matrei am Brenner, Maria Waldrast
In einem Nebenraum findet man Votivgaben, darunter viele der letzten Zeit, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem bei der Jungfrau nicht um Gesundheit oder eine besondere Gabe gebetet wird. Es vergeht auch kaum ein Tag, an dem die Muttergottes kein "Dankeschön" erhält. In einem Nebenhaus hat man eine moderne Kapelle zu Ehren des Schutzheiligen des Ordens, des heiligen Peregrinus, gestaltet. Auch hier ist die Atmosphäre dicht und im wahrsten Sinne des Wortes heilig. Peregrinus ist der Schutzpatron der Krebskranken.

Das Wasser:#

Das Wasser, manchmal sorglos von Urlaubern getrunken, die mit der Religion nicht viel am Hut haben, lässt niemanden unbeeindruckt. Es wird in Kanister abgefüllt. Es wird über die Augen geträufelt. Es befüllt Flaschen und Glasballons. Es teilt sich mit. Man muss nicht viel darüber reden, nur so viel: Fischer aus Finnland nahmen es in Bottichen und Kanistern mit, um ihre gekippten, stinkenden Seen damit zu impfen - und sie kamen wieder, um die Prozedur bei anderen Seen zu wiederholen. Niemand fährt Tausende Kilometer, wenn etwas nicht wirkt.



'© "Heilige Quellen in Österreich"' von Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka.

Quelle bei Maria Waldrast - aus anderer Sicht#

Die Seite über die Waldraster Quelle ist zwar ansprechend gestaltet. Doch der Satz "Warum dieser Platz bereits den Kelten heilig war...." entspringt wohl eher der Phantasie, als den Tatsachen.

Keltische Gruppen siedelten nicht in Tirol.
Die Besiedelung Tirols durch Familiengruppen ist ab dem Paläolitikum etwa 30.000 a.c. nachweisbar (Tischofer-Höhle bei Ebbs).
Anwachsen dieser Familiengruppen und Zuwanderung, um das kupferhältige Fahlerz zu nutzen (Austausch mit den Etruskern), erlauben, etwa ab der Kupferzeit von einer "Bevölkerung" zu sprechen, den Raetern (Ötzi).
In der Bronzezeit siedelten Gruppen von Veneto-Illyrern (Breonen, Fokunaten, Genaunen).
Nach Christi Geburt, kamen Goten, Zimbern, Langobarden, bajuwarischerische Gruppen, Slaven und Avaren um in Tirol seßhaft zu werden.
Gesichert sind keltische Siedlungen erst außerhalb Tirols, in Bayern, Salzburg oder Oberitalien.

Die Bedeutung der Quelle lag ursprünglich in der ganzjährigen Versorgung mit viel sauberem Wasser, zumal die wichtige Nord-Süd-Verbindung über das Waldraster Jöchl und somit an der Quelle vorbeiführte.
Ein mystisch-religiöser Aspekt der Quelle ist in der Frühgeschichte Tirols kaum anzunehmen - im Gegensatz zu einer "Frauenquelle" in der Nähe (unterhalb der Telfeser Wiesen im Stubai).
Die gesundheitsfördernde Eigenschaft des Wassers fand erst viel später Beachtung, als der Weg über den Brenner lange nicht mehr an der Waldraster Quelle vorbeiführte.
Ebendiese Eigenschaft wurde in den letzten Jahrzehnten religiös-esoterisch-touristisch vermarktet und das Wasser, samt Fama, als Lockmittel verwendet oder gewinnbringend verkauft.
Trotzdem kann jeder, der an der Quelle vorbeikommt, dort einfach Wasser bester Qualität trinken.
Er muß nicht einmal ein Wunder erwarten.


Verfasser obigen Kommentars ist Waldbär der VI. Hermann Maurer hat ihn nur hierher verschoben.


--Maurer Hermann, Sonntag, 26. Dezember 2010, 17:03