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Die Technische Universität Graz - ein Jubiläum#

Erzherzog Johann - Visionär und Wegbereiter#



Erzherzog Johanns Projektion in die Zukunft


von
Hans Sünkel


Hans Sünkel
Hans Sünkel
Universitätsprofessor und Rektor der TU Graz
Wenn unsere TU Graz im Jahr 2011 ihr 200-jähriges Bestehen feierlich begeht und sich auch ihrer Vergangenheit besinnt, dann steht wohl jene Person im Zentrum des Geschehens, der diese Institution ihre Existenz verdankt: Erzherzog Johann.


Wegbereiter

Erzherzog Johann hatte erkannt, dass die beste Investition in die Zukunft einer jeden Gesellschaft die Bildung ihrer Jugend ist. Und er hatte ebenso erkannt, dass Fortschritt mit nachhaltiger Wirkung eben Forschung braucht. Mit der Begründung des Joanneums hat er unserem Land Zukunft geschenkt, und die TU Graz in ihrer heutigen Ausprägung ist die Antwort auf seine steirische Vision. Ja, gute Ideen kommen in der Tat häufig aus der Provinz und gar nicht so oft aus der Metropole.

Erzherzog Johann hat dem Land ein neues Selbstvertrauen gegeben und ihm Sinn geboten, was der Leistung bekanntlich förderlich ist. Den Mut in beide Hände zu nehmen, hat er seiner Bevölkerung anempfohlen, auf Probleme zuzugehen und ihnen nicht die Gelegenheit zu geben, erwachsen zu werden.

Am Rock des jeweils Mächtigen zu kuscheln, war seine Sache nicht und sollte unsere wohl auch nicht sein. Vielmehr haben wir von ihm den Mut zum aufrechten Gang gelernt. Die TU Graz hat von ihm aber auch gelernt, trotz ihrer Höhenflüge in Wissenschaft und Forschung dennoch Bodenhaftung zu bewahren. Sie hat gelernt, global zu denken, aber lokal zu handeln und dem Land und seinen Menschen verbunden zu bleiben. Diese unsere Attribute verdanken wir dem vorgelebten Geist ihres Begründers: Erzherzog Johann.


Die TU Graz ist sich ihres Gründers in Dankbarkeit bewusst und dekoriert sich auch gerne mit dem Beinamen "Erzherzog Johann Universität". Und wenn in der ehrwürdigen Aula unserer Universität die Büste ihres Gründers einen vornehmen Platz einnimmt, so ist dies Ausdruck der Referenz der TU Graz gegenüber Erzherzog Johann und gleichzeitig ein Bekenntnis zu seinen Zielen, die auch unsere geworden sind.


Dokumentierte Erinnerungen

Gebäude Raubergasse - heutiges Joanneum
Wo alles begann: Raubergasse 10, heute das Landesmuseum Joanneum
© Foto Landesmuseum Joanneum, Nicolas

Die Steiermark besinnt sich ihres Schutzpatrons und großen Vorbilds aus Anlass seines 150. Todestages und bedankt sich bei Erzherzog Johann als ihrem Vordenker, Wegbereiter und Förderer. Und die TU Graz als eine seiner erwachsen gewordenen Gründungen stimmt in den steirischen Chor dankend gerne ein. Sie begeht diesen denkwürdigen Tag der Erinnerung mit einem Festakt und der Publikation dieses vorliegenden Sonderheftes. Darstellungen von Erzherzog Johann sind zahlreich und in vielfältiger Ausprägung zu bestaunen.


Ein Portrait von Erzherzog Johann im Originalrahmen aus dem Besitz des Nachkommens von Prof. Haltmeyer, der Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst als Nachfolger des berühmten Mineralogen Friedrich Mohs, dann zum Professor und schließlich zum Vizedirektor des Joanneums bestellt wurde, bevor er zum Direktor des Vorgängers der TU Wien berufen wurde – ein solches Porträt ist in der Tat sehr selten. Und eben dieses darf die TU Graz im Rahmen ihrer akademischen Feier in Empfang nehmen.


Nahezu ein Dreivierteljahrhundert nach Gründung des Joanneums mit dem Sitz in der Raubergasse war es dann endlich so weit: Spatenstich zur Errichtung der damaligen k.k. Technischen Hochschule. Dieser Akt des Spatenstichs erfolgte mittels eines kunstvoll ziselierten Spatens und einer ebenso dekorierten Mörteltruhe, die sich seither in der Kulturhistorischen Sammlung des Landesmuseums Joanneum befinden. Und eben diese Originalwerkzeuge werden nun der TU Graz als Leihgabe zur Verfügung gestellt und im Bereich der Aula auch würdig zur Schau gestellt.

Gebäude Rechbauerstraße - Alte Technik
Die "Alte Technik", Rechbauerstraße 12
© Foto: TU Graz


Erzherzog Johann hat bekanntlich nicht nur die TU Graz, sondern unter anderem auch die Grazer Wechselseitige Versicherungsanstalt begründet. Einer seiner Ururenkel hat in zahlreichen Beiträgen die besonderen Leistungen Erzherzog Johanns für die Steiermark im Allgemeinen und für die TU Graz im Besonderen hervorgehoben, steht als profunder Vortragender als auch einschlägiger Interviewpartner gerne zur Verfügung und ist Vorsitzender des Aufsichtsrates dieser von Erzherzog Johann gegründeten Versicherungsanstalt: Honorarkonsul Dr. Franz Harnoncourt-Unverzagt. Ihm verleiht die TU Graz dank seiner Verbundenheit mit der TU Graz und gleichzeitig mit Erzherzog Johann als seinem Urahnen als besonderen Höhepunkt des Festaktes die Würde eines Ehrenbürgers.



Projektion in die Zukunft

Erzherzog Johann war seiner Zeit gedanklich vorausgeeilt, er hatte aber gleichzeitig auch die hinter ihm liegende Zeit verstanden und sich mit großem Engagement auch den aktuellen Problemen der Gegenwart zugewandt. Und eben diesen Geist lebt die TU Graz ganz bewusst, aber auch selbstbewusst. Dieses Selbstbewusstsein ist getragen von den Erfolgen der Vergangenheit, den beachtenswerten und auch viel beachteten Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der derzeit beobachteten sehr dynamischen Entwicklung der TU Graz und ihrem Streben nach dem Besten.


Die TU Graz lebt nicht nur am Puls von Raum und Zeit, sie bestimmt diesen vielmehr mit. Und den 200-jährigen Geburtstag unserer TU Graz wollen wir zum Anlass nehmen, um unsere Universität als moderne Lehr- und Forschungseinrichtung mit Exzellenzanspruch und ausgeprägt europäischem Profil der internationalen Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine Technische Universität, fest verankert in der Gesellschaft, die sich den Problemen der Gegenwart konsequent annimmt und ihre Zukunft ebenso konsequent gestaltet – ganz im Sinne von Erzherzog Johann.




© TU Graz, Büro des Rektorates