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Hildegard von Bingen#

von Julia Fave; Atempo, 3c; Betreuung: Klementi; 83 Punkte;

Visionärin, Naturwissenschaftlerin, Politikerin, Komponistin, Theologin und Kloster-Managerin

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Hildegard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration. Bild ist aus Wikicommons, Bild steht unter CC Lizenz.
Leben und Werk

Hildegard von Bingen wurde 1098 als zehntes Kind der Edelleute Hildebert von Bermersheim und seiner Gattin Mechthild von Merxheim in Bermersheim bei Alzey in Rheinhessen geboren. Hildegard war als zehntes Kind "Gott geweiht", deshalb sollte sie ihr Leben ganz Gott widmen. Im Alter von 14 Jahren wurde Hildegard zu ihrer Tante Jutta von Sponheim auf den Disibodenberg gebracht. Dort befand sich ein Mönchskloster, an dem eine Frauenklause angeschlossen war. Diese Klause, die nach der Klosterregel des hl. Benedikt lebte, leitete Jutta von Sponheim.

Jutta lehrte Hildegard einerseits Lesen und Schreiben, die lateinische Sprache und das Singen von Psalmen, andererseits wurde sie in die Welt des Glaubens eingeführt.

Nachdem Jutta von Sponheim gestorben war, wurde Hildegard zur neuen Äbtissin gewählt. Im Alter von 42 Jahren hatte Hildegard eine Vision. Hildegard verfasste anschließend mit Hilfe des Mönchs Volmar ihr erstes großes Visions-Werk „SCIVIAS“.

Ein kurzer Auszug daraus: „Die Gesichte, die ich schaue, empfange ich nicht in traumhaften Zuständen, nicht im Schlafe oder in Geistesgestörtheit, nicht mit den Augen des Körpers oder den Ohren des äußeren Menschen und nicht an abgelegenen Orten, sondern wachend, besonnen, an allgemein zugänglichen Orten, so wie Gott es will. Wie das geschieht, ist für den mit Fleisch umkleideten Menschen schwer zu verstehen.“

Zwischen 1147 und 1150 gründete Hildegard mit etwa 20 Mitschwestern am Rupertsberg bei Bingen (heute: Bingerbrück) ein eigenes Kloster.

Es folgten zwei weitere Visionsbücher: „LIBER VITAE MERITORUM“ (Der Mensch in der Verantwortung) und „LIBER DIVINORUM OPERUM“ (Welt und Mensch). Ebenso verfasste sie medizinisch-heilkundliche Schriften und komponierte ein Singspiel und 77 Lieder. Außerdem sind über 300 Briefe erhalten – Hildegard von Bingen korrespondierte mit vier Päpsten, Bernhard von Clairvaux und vielen anderen.

1165 gründete Hildegard von Bingen ein zweites Kloster.

Sie starb am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg. Papst Benedikt XVI. hat Hildegard von Bingen am 10. Mai 2012 offiziell heilig gesprochen. Am 7. Oktober desselben Jahres wurde sie zur "Kirchenlehrerin" erhoben.

Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration.Bild ist aus Wikicommons, Bild steht unter CC Lizenz.

Hildegards Heilkunde

Erst nach 850 Jahren wurde die Heilkunde von Hildegard von Bingen von dem Arzt Gottfried Hertzka in Konstanz entdeckt. Erfolgreich wurde sie dann im Kurhaus Hildegard in Allensbach am Bodensee angewandt. Die Hildegard-Heilkunde soll zeitlos gültig sein. In ihrer Vision beschrieb sie die Heilmittel für Leib und Seele, die - wie sie sagt - "der Schöpfer selber in der Natur und im Menschen verborgen hält."

Die fünf Säulen der Hildegard-Medizin

1. Heilmittel aus der Natur (pflanzliche Heilmittel, Edelsteine, Mineralien)

2. Ernährung ist Leben (guten Nahrungsmitteln werden schlechte Nahrungsmittel gegenübergestellt)

3. Ausleitungsverfahren (Aderlass, Schröpfen, Bäder)

4. Regelmäßige Regeneration des Organismus (Wechsel von Aktiv- und Ruhephasen)

5. Seelische Reinigung (35 Laster werden 35 „guten Kräften“ gegenübergestellt)

Die Werke im Überblick

Scivias (Wisse die Wege), entstanden 1141 bis 1151

Liber Vitae Meritorum (Der Mensch in der Verantwortung), entstanden 1158 bis 1161

Liber Divinorum Operum (Welt und Mensch), entstanden 1163 bis 1174

Liber Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum, Teil I: Physica (Naturkunde)

Liber Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum, Teil II: Causae et curae (Ursachen und Behandlung, Heilkunde)

Singspiel Ordo Virtutum

Verfilmung

2009 verfilmte Margarethe von Trotta das Leben von Hildegard von Bingen. Hier der Trailer zum Film „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“: https://www.youtube.com/watch?v=BQ4ihPx0Jo4


Recherche zum Thema Hildegard von Bingen#

  • Quelle 1: von Bingen, Hildegard: Worte lebendigen Lichts. Herder, Freiburg im Breisgau 2012.





  • Quelle 6: von Rohr, Wulfing; von Weltzien, Diane: Das große Buch der Mystiker. Goldmann, München 2005.