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Adventkranz #

'Liturgischer Adventkranz'. Foto: Doris Wolf, 2012
"Liturgischer Adventkranz". Foto: Doris Wolf, 2012

Den Adventkranz erfand der spätere Gründer der Inneren Mission, Johann Hinrich Wichern (1808-1881), damals Direktor des 1833 eröffneten Hamburger Erziehungsheimes Rauhes Haus. Von ihm stammt (aus dem Jahr 1838) der älteste bekannte Bericht. Ein "einfacher Kranz, den der Kronleuchter auf seinen Armen trägt" diente als Lichterkrone, die dann als Adventsleuchter bezeichnet wurde. Bei der täglichen Andacht kamen alle Bewohner im Betsaal zusammen, sangen ein Adventlied und entzündeten eine Kerze am tannengeschmückten Leuchter. 1844 schrieb Wichern: "Daher kommt's, dass im Hause die Tage bis Weihnachten nicht selten nach Lichtern gezählt werden."

Ähnliche Bräuche gab es in anderen evangelischen Heimen, so im Waisenhaus der Kaiserswerther Diakonissen. Dort stellte man am ersten Adventtag einen kleinen Tannenbaum auf, an dem die Kinder jeden Tag ein Licht und einen Bibelvers anbrachten. Die "Verheißungssprüche" mussten sie auswendig lernen und aufsagen. Im Lauf des 19. Jahrhunderts gab es diese Texte gedruckt, mit bunten Bildern verziert und in Sternform ausgestanzt - eine Vorform des Adventkalenders.

Bis der Adventkranz in Österreich ankam, verging rund ein Jahrhundert. Als Innovatoren wirkten die bündischen Jugendbewegungen der Zwischenkriegszeit. Die evangelische Erfindung vertrug sich gut mit der Lichtsymbolik der katholischen Kirche, die bald eine Segnung dafür etablierte. Der Klosterneuburger Liturgiker Pius Parsch (1884-1954), der 1950 das Werkbuch „Adventabend“ schrieb, empfahl rote oder gelbe Kerzen und ein violettes Band als Schmuck. Adventkränze in katholischen Kirchen haben oft - analog zur Farbe der Messgewänder - drei violette Kerzen und eine rosa für den 3. Sonntag (Gaudete).


Quellen:
Tina Peschel: Adventskalender. Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren. Dresden 2009. S. 10
Hermann Bausinger: Adventskranz. Würzburg 1977
Hermann Kirchhoff: Christliches Brauchtum im Jahreskreis. München 1990. S.17
Pius Parsch: Adventabend. Klosterneuburg 1950. S. 132