Bär#

Baer

Die Bezeichnung Bär (englisch bear, niederländisch beer, skandinavisch björn) wird von braun abgeleitet. Schon in prähistorischen Zeiten hat man Bären gejagt: Das Fleisch ist genießbar, das Fell als Kleidung brauchbar, Zähne und Klauen dienten oft als Amulett. Dem Bärenfett sprach man medizinische Wirkung zu. Bären spielen in der in Mythologie und im Kult vieler Völker eine wichtige Rolle. Trotzdem wurden sie als potentielle Bedrohung und Nahrungskonkurrent gefangen und erlegt. Als Raubtiere und Allesfresser reissen Bären Weidetiere, plündern Bienenstöcke oder Fischteiche. 

Man ergötzte sich an Tierhetzen und dressierten Tanzbären (in Deutschland vom 9. Jahrhundert bis zum Tierschutzgesetz 1934). In Maskenzügen im Fasching ist die Figur des Bärentreibers mit seinem Tier weit verbreitet, wobei ein in Hafer- oder Kornstroh gehüllter Bursch mit einem Bärenkopf dieses spielt. Über die Deutung der Gestalt schreibt der deutsche Volkskundler Alois Döring: "Die ältere Volkskunde wollte ein Wintersymbol oder gar einen Vegetationsdämon in ihm sehen. Diese Herleitung ist allerdings längst widerlegt … Der Strohbär kann vielmehr als eine Nachahmung des Tanzbären gelten, der von seinen Treibern zur Unterhaltung eines staunenden Publikums in den Dörfern herumgeführt wurde … In einigen Orten wurde der Brauch neu belebt." 

Der Teddybär zählt zu den beliebtesten Spielzeugen. Nach der Überlieferung verdankt er seinen Namen dem US-Präsidenten Theodore "Teddy" Roosevelt (1858 -1919). 1902 entwickelte der Deutsche Richard Steiff einen Stoffbären mit beweglichen Armen und Beinen. Seine Tante, die Spielzeugherstellerin Margarete Steiff (1847-1909) stellte den Prototyp auf ihrem Messestand in Leipzig aus, wo ihn ein amerikanischer Handelsvertreter entdeckte. 

Als Sage ist jene vom Bärenhäuter oder Wilden Mann bekannt, mit der in Wien ein (Gast-)haus in Währing in Verbindung gebracht wird. Hans Jakob Grimmelshausen (1622-1676) verwendet das weit verbreitete und wohl ältere Motiv. Dabei erscheint der in ein Bärenfell gekleidete, ungewaschene Bursche als Teufelsbündler. Nach einigen Jahren in dieser Art unter den Menschen lebend, werde er reich heiraten. Hannelore und Helmut Fielhauer fanden Parallelen in der höfischen Literatur des Hochmittelalters: "Der Kampf mit dem Wilden Mann wird nahezu zum Symbol des kulturell aufstrebenden Rittertums, seine Bezähmung bedeutet die Überwindung der Unkultur, der Wildnis und Barbarei … Die höfische Gesellschaft greift in ihren Spielen diese neue Literaturgestalt … auf, um sie in Maskereien, Tänzen, Spielen und Schaukämpfen auftreten zu lassen." Eine andere bekannte Wiener Sage erklärt den Namen der Bärenmühle im 4. Bezirk. Sie erzählt, wie ein Knecht dem Müller das Leben rettete, als dieser von einem Bären angefallen wurde. Als Dank erbat er nur die Bärenhaut. 

Eigenschaften des Bären wie Stärke, Schwerfälligkeit, Brummigkeit spiegeln sich in zahlreichen Redensarten, z.B. bärbeißig (schlecht gelaunt), einen Bärendienst erweisen (jemand ungewollt schaden), einen Bären aufbinden (aufschneiden), auf der Bärenhaut liegen (faulenzen).


Quellen: 
Alois Döring: Rheinische Bräuche durch das Jahr. Köln 2006. S. 101 f.
Hannelore und Helmut Fielhauer: Wie kam der "Wilde Mann" nach Währing ? In: Unser Währing, 7. Jahrgang 3. H. S. 30 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 144 f.
Wikipedia: Bären (Stand: 29.4.09)
Wikipedia: Teddybären (Stand: 29.4.09)

Bild: Teddybären in der Ausstellung "Spielzeug, Spiel und Spielereien", Schallaburg 1987. Foto: Alfred Wolf